In der letzten Zeit habe ich mir viele Gedanken darüber gemacht, was für mich zu einem zufriedenen Leben gehört. So etwas tut man natürlich in der Regel nur dann, wenn man gerade nicht so zufrieden ist… Aber generell ist es sicher für jedermann sinnvoll, einmal ganz unverbindlich über das zu reflektieren, was das persönliche “Glück” ausmacht. Für mich haben sich vier Basis-Faktoren herauskristallisiert, auf die es wirklich ankommt. Nur wenn sie alle ab einem gewissen Grad mein Leben bestimmen bzw. ausfüllen, glaube ich mich wirklich zufrieden fühlen zu können. Wer nun utopisch hohe Ansprüche erwartet, der wird gleich merken, dass die vier Elemente der Zufriedenheit vollkommen realistisch, “normal” und im Grunde für jeden erreichbar sind:

1. HOME
2. JOB
3. PEERS
4. MILIEU

Ich verwende absichtlich internationale Begriffe, weil diese am besten die Bedeutungen der Elemente umreißen. Aber da die vier Wörter allein nicht sehr viel Aussagekraft besitzen, möchte ich sie nun ausführlich erläutern.

 

1. HOME

Das hier steht über allem! Jeder Mensch braucht einen Ort, an dem er sich zuhause fühlt, um vollkommen zu sein. Und ich spreche hierbei zunächst einmal von einem Zuhause im allerweitesten Sinn. Es muss sich nicht um einen konkreten Ort oder ein bestimmtes Gebäude handeln. Unter einem Zuhause verstehe ich ganz weit gefasst einen individuellen Mikrokosmos, den man sich selbst geschaffen hat. Mit anderen Worten: Einen Zufluchtsort, den ich mir selbst bieten kann, an dem ich “ankommen” kann und der mich gewissermaßen “abbildet”.

Mein eigenes Haus oder meine Wohnung bietet mir nicht automatisch ein Zuhause – ich muss es mir dort zuerst bauen, so wie ein Vogel sein Nest. Ich kann mir mein Zuhause mitnehmen, z. B. im Inneren eines Wohnmobils. Und selbst als Obdachloser kann ich mich auf “meiner” Platte ein wenig zuhause fühlen, weil ich mir (wenn auch immer nur für kurze Zeit) meinen eigenen Mikrokosmos geschaffen habe.

Das erste Element der Zufriedenheit ist für mich mein HOME – ein Zuhause, das mir das Gefühl gibt hier richtig zu sein.

 

2. JOB

Einen großen Teil unserer Lebenszeit verbringen wir mit Arbeiten. Und auch hier spreche ich von Arbeiten in einem weiteren Sinn. Treffendere Wörter wären Beschäftigung oder Aufgaben. Hierunter fasse ich alle klassischen Arbeitsverhältnisse mit geregelten Zeiten und Gehältern, alle selbständigen oder (gegen Entgelt) “freien” Tätigkeiten, alle freiwilligen oder ehrenamtlichen Engagements, jegliche Schul-/Aus-/Weiterbildung bis hin zu Funktionen wie “Hausfrau und Mutter”. Denn all diese Beschäftigungen haben eines gemeinsam: Sie bieten mir die Möglichkeit, den Großteil meiner Zeit sinnvoll zu nutzen und etwas zu tun, das nicht nur für mich selbst gut ist.

Ganz wichtig ist hierbei die “Work-Life-Balance”. Wirklich zufrieden kann ich nur dann sein, wenn meine Arbeit mich genügend ausfüllt (das heißt ich mich gerne mit ihr befasse) oder sie mir genügend freie Zeit und Energie für private Aktivitäten lässt, die mir einen Ausgleich zur Arbeitszeit bieten können.

Das zweite Element der Zufriedenheit ist für mich mein JOB – eine oder mehrere Beschäftigungen oder Aufgaben, die mir das Gefühl geben etwas Richtiges zu tun.

 

3. PEERS

Niemand möchte dauerhaft allein sein. Unser Leben wird bestimmt durch die Interaktion mit anderen Menschen. Um mich selbst (ein)schätzen zu können, muss ich mich mit anderen Personen austauschen und mich an ihnen messen. Und zwar physisch und direkt! Die besten Begriffe, die mir hierfür in den Sinn kommen, sind Real-Freunde, Real-Bekannte bzw. Real-Community.

Viele Beziehungen zwischen Personen werden im Internet-Zeitalter ausschließlich über soziale Netzwerke, Messenger oder Sprach-/Videodienste gepflegt. Diese rein virtuellen Beziehungen lasse ich hierbei ausdrücklich außen vor! Denn um zufrieden sein zu können, benötige ich Menschen mit gewissen Qualitäten in meiner physischen Nähe.

Es kann sich hierbei um wirkliche Freunde handeln, mit denen ich sehr vieles teile (vor allem Zeit und persönliche Gedanken), um Bekannte, mit denen ich mich unregelmäßig treffe oder gemeinsam etwas unternehme, um Menschen, mit denen ich nur ganz spezifische Interessen teile und mich hierzu nur bei Bedarf mit ihnen austausche, ihnen helfe oder mir von ihnen helfen lasse, oder um Gruppen von Menschen, mit denen ich all dies tun oder teilen kann. Idealerweise gibt es einen ausgewogenen Mix aus allem, doch wichtiger ist mir dass ich diese Personen ohne großen Zeitaufwand real erreichen kann (bzw. sie mich).

Das dritte Element der Zufriedenheit sind für mich meine PEERS – Menschen in meiner Nähe, die mir das Gefühl geben in Gemeinschaft zu sein.

 

4. MILIEU

Der individuelle Alltag wird stark dadurch geprägt, in welcher Umgebung man sich befindet. Im Gegensatz zum ersten Element spreche ich nun vom Makrokosmos, in dem wir uns täglich bewegen. Hierzu zählen die Optik und Atmosphäre des Umkreises, in dem sich der persönliche Lebensmittelpunkt (HOME) befindet, die Menschen die innerhalb dieses Umkreises leben sowie die vorhandene Infrastruktur – sprich Verkehrsanbindung, Versorgung (Lebensmittel, Medizin usw.) und Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung.

Um zufrieden mit meiner Umgebung zu sein und mich in ihr wohl zu fühlen, muss sie zu mir passen. Sie sollte mir einen grundsätzlich angenehmen Rahmen für mein Zuhause bieten, und ich möchte mich gerne in ihr aufhalten oder in sie zurückkehren.

Das vierte Element der Zufriedenheit ist für mich mein MILIEU – eine Umgebung, die mir das Gefühl gibt hier heimisch und gut versorgt zu sein.

 

Ich glaube, dass eine Erfüllung diese vier Elemente ausreicht, um mir eine grundlegende Zufriedenheit zu geben. So mancher dürfte dabei nun wohl den Faktor Lebenspartner(in)/Familie vermissen. Deshalb will ich ihn mal nicht außen vor lassen. Auch aus einer Partnerschaft bzw. Ehe und familiären Beziehungen lässt sich Zufriedenheit gewinnen.

Ich stelle mir die Elemente bildlich als Säulen vor, die meine Plattform der Zufriedenheit tragen. Partner(in) und Familie können sehr gut als Ergänzung dienen, den Raum zwischen den Säulen ausfüllen und das Bild quasi perfekt machen. Allerdings glaube ich, dass sie allein keines meiner vier Elemente ersetzen und eine eigene Säule bilden könnten.

Ich freue mich schon sehr auf den Tag, an dem ich sagen kann:

Ja, meine vier Elemente sind da und im Gleichgewicht.
Ich bin zufrieden.

Auch wenn ich dieses Thema schon in anderen Postings angeschnitten hatte, will ich dazu nochmal ganz gezielt ein paar Dinge loswerden. Vor zwei Tagen hatte ich eine relativ hitzige Diskussion mit meinem Bruder. Er berichtete von seinen Erfahrungen als Bewerber und dem damit verbundenen Frust. Viele Menschen kostet es große Überwindung, in Bewerbungen und Vorstellungsgesprächen die Wahrheit zu verbiegen, um sich selbst in einem positiveren Licht erscheinen zu lassen. Doch leider wird von Bewerbern genau das erwartet.

Hat man einmal eine Arbeitsstelle ergattert, kann man beruhigt wieder weitgehend “man selbst” sein, ohne den Job aufs Spiel zu setzen. Doch so lange man keine feste Zusage hat, gilt es den schönen Schein zu wahren. In vielen Fällen erreicht man das schon durch Übertreibung, dem Hervorheben positiver und dem Verschweigen negativer Dinge. So lange es nur dabei bleibt sehe ich kein Problem. Aber sobald echte Lügen nötig sind, um keinen “negativen” Eindruck zu hinterlassen, ist meine Schmerzgrenze überschritten.

Gerade in Vorstellungsgesprächen wird in der Regel systematisch nach vermeintlichen Schwachpunkten beim Bewerber gesucht. Lücken oder Ungereimtheiten im Lebenslauf, unvollständige Unterlagen oder bestimmte Formulierungen in Zeugnissen geben immer wieder gerne Anlass zum Nachhaken. Und oft genug tritt die fachliche Qualifikation eines Kandidaten dabei plötzlich völlig in den Hintergrund. Wer keine astreinen und vollständigen Bewerbungsunterlagen vorweisen kann und deshalb keine Absagen riskieren will, der steht vor der Wahl:

  • Lebenslauf und/oder Zeugnisse zu “pimpen” (sprich: Dokumente zu fälschen),
  • im Vorstellungsgespräch zu lügen,
  • im Vorstellungsgespräch heikle Punkte auszulassen oder Aussagen hierzu zu verweigern (und hoffen dass dies nicht als Schwachpunkt gewertet wird)
  • ehrlich zu bleiben (und hoffen dass der Entscheider im Unternehmen ein Herz für ehrliche Menschen hat)

Letztlich bleibt es natürlich jedem selbst überlassen, welchen Weg er wählt. Für mich habe ich jedenfalls entschieden, mir nicht mittels Fälschung oder Lügen einen Job zu erschleichen, egal wie interessant er auch erscheinen mag. Selbst wenn nach einer Zusage alles egal ist was man davor gesagt hat und über Lügen im Nachhinien geflissentlich hinweg gesehen wird, weigere ich mich meinen persönlichen Ehrlichkeitskodex zu torpedieren.

Ob und wie sich das auf zukünftige Bewerbungen auswirkt, wird sich noch zeigen…

Und schon wieder war ich offensichtlich zu voreilig! Wer keinen festen Arbeits-, Ausbildungs- oder Studienplatz hat, sollte nicht auf die Idee kommen den Wohnort zu wechseln. Und warum tue ich genau das trotzdem? Die Antwort hierauf liefern die voran gegangenen Postings in diesem Blog. Von mehreren Bekannten, die schon in ähnlichen Situationen waren, habe ich Horrorstorys mitbekommen, und die meisten rieten mir davon ab als Arbeitsloser einen Umzug zu wagen. All das brachte mich nicht von meinem Vorhaben ab…

Und bisher war eigentlich alles wie am Schnürchen gelaufen! Allen anderen Meinungen zum Trotz machte das Arbeitsamt überhaupt keine Probleme. Im Gegenteil – man zeigte sich dort überaus verständnisvoll und kooperativ… und seitdem erhalte ich auch keine nervigen Einladungen zu sinnlosen Terminen mehr!

Die Kündigung der alten Wohnung war im Grunde Formsache. Auch meine Vermieter legten mir keine Steine in den Weg, kümmerten sich sogar selbstständig um die Suche nach einem Nachmieter, und es sieht sehr danach aus, dass die Wohnung schon ab dem nächsten Monat weiter vermietet werden kann und ich damit finanziell entlastet bin. Innerhalb von zwei Tagen nach Veröffentlichung der Wohnungsanzeige im Netz kamen schon um die zehn Interessenten zur Besichtigung vorbei! Sowohl die Lage als auch der Mietpreis sind nunmal ziemlich attraktiv.

Auch für die vorübergehende Einlagerung meines Hausrats (oder zumindest einem Großteil davon) fand sich schon beim zweiten Anlauf eine bezahlbare Lösung. Der erste Self-Storage-Anbieter, bei dem ich anfragte, wollte mir für ein 4,5 m² Kabuff insgesamt mehr als 100 € pro Monat abknöpfen. Doch dann fand ich einen kleineren regionalen Anbieter, bei dem ich für einen etwa gleich großen Raum nur ca. 60 € monatlich hinlegen muss. Das ist fair, und außerdem konnte ich über seinen Rahmenvertrag mit einem Autovermieter fast 50% bei der Reservierung eines Transporters sparen. Was will man mehr…?

Auch mit meinen Bewerbungen um einen neuen Job ist es bisher ganz gut gelaufen. Von den vier großen Unternehmen, die mit meinen Unterlagen versorgt sind, haben mich nach zwei Wochen schon zwei zu Vorstellungsgesprächen eingeladen, eines hat abgesagt und von einem steht die Rückmeldung noch aus. Das lässt mich im Prinzip zuversichtlich sein, dass ich vor Ende des Jahres wieder in Lohn und Brot sein werde.

Die einzige Stelle, an der es wirklich hakt, ist eine Unterkunft für die nächsten Monate. Dabei sind gerade hier meine Ansprüche gar nicht so hoch. Ein kleines möbliertes Zimmer würde mir für den Übergang schon völlig genügen. Doch auch so etwas zu finden, stellt sich gerade als echtes Problem heraus. Und der einzige Grund hierfür scheint meine momentane Arbeitslosigkeit zu sein. Ich hatte mich zunächst mal bei zwei Immobilienverwaltungsfirmen ganz formal um ein möbliertes Apartment beworben und machte dabei natürlich wahrheitsgemäße Angaben zu meiner aktuellen beruflichen Situation. Beide Firmen meldeten sich nicht selbständig bei mir zurück. Auf mein telefonisches Nachhaken hin kam von beiden die selbe Reaktion: Man teilte mir mit, es seien gerade alle Wohneinheiten vergeben und vertröstete mich jeweils auf den nächsten Monat. In einem Fall wurde sogar ganz nebenbei noch einmal gefragt, ob ich zwischenzeitlich eine Jobzusage hätte. Warum man sich nicht traut, Klartext mit mir zu reden, ist mir schleierhaft. Denn der Sachverhalt erscheint mir vollkommen einleuchtend: Den Eigentümern der Immobilien sind Studenten ohne Einkommen als Mieter lieber als Arbeitslose, die monatlich vom Staat mehr Geld auf ihr Konto bekommen als so mancher Arbeitnehmer. Wer keine feste Beschäftigung hat, landet tatsächlich bei den meisten pauschal in der Schublade für den sozialen Abschaum – unabhängig vom Beruf oder den Gründen für die Arbeitslosigkeit.

Mein Plan B war, mir von einer Agentur eine Unterkunft auf Zeit vermitteln zu lassen. Doch dabei wurde mir fast sofort der Wind aus den Segeln genommen. Für zwei dieser Wohnungsvermittler hatte ich heute sorgfältig die Auftragsformulare ausgefüllt und die verlangten Ausweiskopien gefaxt. Schon wenige Minuten nach Übermittlung der Dokumente wurde ich von einer Mitarbeiterin einer dieser Agenturen angerufen, die mir mit sehr gequälter Stimme mitteilte, sie könne mir leider keine Unterkunft vermitteln, da generell nur Personen, die sich in einem festen Arbeitsverhältnis befänden, berücksichtigt würden. Überraschenderweise ließ sie sich meine Situation schildern und zeigte sogar aufrichtiges Verständnis, dass es durchaus Sinn machen kann, sich als Arbeitsuchender um eine Unterkunft an einem anderen Ort zu bemühen, auch wenn man dort noch keine feste Jobzusage hat. Doch natürlich half das nichts, Regeln sind Regeln, und ich befürchte dass diese auch bei allen anderen Wohnungsvermittlern gelten. Ein klein wenig diskriminierend finde ich das schon, bin mir aber bewusst dass Personen wie ich offenbar absolute Ausnahmefälle darstellen. Hieran wird wieder einmal deutlich, welche Nachteile man hat, wenn man nicht mit dem Strom schwimmt und nicht das tut was fast alle anderen tun.

Wer sich in meiner Situation befindet, ist letztlich auf die Unterstützung von Familie und/oder Freunden angewiesen. Der Rat, sich vorübergehend in ein Hotel einzumieten (den ich heute tatsächlich zu hören bekam), ist für einen Arbeitslosen mit begrenztem Budget ziemlich absurd. Ich werde mich nicht unterkriegen lassen und weiterhin nach Lösungen für dieses letzte Problem bei meinem Wohnortwechsel suchen. Und sollte sich keine Lösung finden… Naja, es gibt ja ein paar große Brücken in Mainz.

Mir ist schon klar dass die meisten jetzt erstmal lachen, weil sie denken dass man mit 30 Jahren noch keine Midlife-Crisis haben kann. Doch ich wüsste nicht wie man die Gesamtsituation, in der ich mich momentan befinde, besser betiteln könnte. Wenn man von der Dauer des produktiven Lebens ausgeht – das meiner Auffassung nach mit maximal 60 Jahren abgeschlossen ist – befinde ich mich eindeutig gerade in dessen Mitte. Und um ehrlich zu sein ist mir alles, was mir jenseits der 60 noch widerfahren könnte, aus der aktuellen Perspektive vollkommen gleichgültig.

Automatisch gerät man nach einer “Halbzeit” ins Grübeln, überlegt sich was man während dieser Zeit erlebt und erreicht hat, macht sich bewusst was man noch erreichen möchte und ob bzw. wie dies überhaupt noch möglich ist. In meinem Fall gibt es eine ganze Reihe Faktoren, die ich in letzter Zeit hinterfragen musste und die mich letztlich in die Krise getrieben haben:

1. Beruf
2. Wohnort
3. Wohnung
4. Soziale Kontakte

1. Beruf

Der größte und wahrscheinlich entscheidende Knackpunkt ist meine Karriere. Hier habe ich beinahe zehn Jahre (sprich: ein Drittel meines bisherigen Lebens) dazu aufgewandt, mich in letzter Konsequenz in eine berufliche Sackgasse zu manövrieren. Meine Entscheidung, ein wirtschaftswissenschaftliches Studium zu beginnen, legte Ende 2001 bereits den Grundstein hierfür. Zu Beginn hätten mir theoretisch noch alle beruflichen Wege offen gestanden, doch im Lauf der Jahre wurde mein Fokus immer enger. Zunächst kristallisierte sich das Marketing als mein Lieblingsbereich heraus, was ich noch während der Studienzeit mit einem Praktikum und dem Thema meiner Bachelor-Thesis untermauerte. Meine Jobs trieben mich danach weiter ins Online- und Performance-Marketing. Meine Tätigkeiten wurden in den vergangenen Jahren so spezifisch, dass es immer schwieriger wurde anderen Menschen meinen Beruf zu erklären!

Mit der Zeit wurde mir immer mehr bewusst, dass mir die Tätigkeiten eines Online-Marketers nicht nur keinen Spaß bereiten sondern mich die dort angewandten Methoden und insbesondere der Fachjargon geradezu anwidern! In großen Teilen gilt dies für die komplette Welt des Marketings, der Werbung und der Mediaplanung. Ich finde mich dort einfach nicht wieder und habe eine Abneigung gegen viele Menschen, die sich im Job damit beschäftigen, insbesondere gegen diejenigen die es als ihre Berufung betrachten.

Das Fatale an der Sache ist, dass sich mein gesamtes Berufsleben nach dem Studium in diesen Bereichen abgespielt hat. Meine Bewerbungsunterlagen stempeln mich als Experten im Online-Marketing ab, also im Grunde als einen 1A-Fachidioten. Als Konsequenz hieraus werden mir von allen Seiten Arbeitsstellen im Online-Marketing angeboten, da ich ausschließlich hierfür nachweislich qualifiziert bin. Niemand fragt danach, ob ich überhaupt eine weitere Karriere in diesem Bereich verfolgen möchte. Hinzu kommt, dass man in solchen Jobs in der Regel nicht allzu schlecht verdient, wodurch natürlich erst recht niemand auf die Idee kommen würde mich in einen anderen Tätigkeitsbereich zu platzieren, da mein aktuelles Einkommen (sprich Arbeitslosengeld) “zu hoch” ist.

Die Aufnahme eines neuen Jobs in einem anderen Bereich macht demnach erst wieder Sinn, wenn die jetzt noch verbleibenden 9 Monate, in denen ich Anspruch auf ALG habe, vorüber sind. Auf der beruflichen Ebene zeichnet sich also eine längerfristige Pause ab.

2. Wohnort

Bedingt durch mein Studium und meine Beziehungen bin ich in den letzten zehn Jahren extrem oft umgezogen. Das war nicht nur anstrengend sondern brachte auch typische Nachteile mit sich, wie z. B. einen ständig wechselnden und weit verstreuten Bekanntenkreis. Mein Ziel war (und bleibt) es deshalb, irgendwann mal an einem Ort anzukommen, der mir alles bieten kann was ich für ein erfülltes Leben brauche, und vor allem keinen Grund ihn allzu bald wieder zu verlassen!

Seit ich ins Ruhrgebiet gezogen bin, habe ich mich sehr an diese Region geklammert und wollte eigentlich bis auf weiteres nicht wieder dort weg. Einerseits um nicht schon wieder einen anstrengenden Umzug vor mir zu haben, andererseits weil es mir im Pott wirklich gut gefällt. Erst auf die harte Tour musste ich in den letzten Wochen feststellen, dass ich dort komplett auf mich allein gestellt bin und keinen Freundeskreis vor Ort besitze, auf den ich gerade in schwierigen Zeiten (z. B. während der Arbeitslosigkeit) zählen könnte. So bitter die Erkenntnis und die Konsequenzen sind – selbst der schönste Ort der Welt kann zur persönlichen Hölle werden, wenn man dort vereinsamt.

Diesen Teil der Krise versuche ich durch einen kurzfristigen Umzug nach Mainz zu bewältigen, wo ich zumindest meine Familie in der Nähe habe.

3. Wohnung

Meine aktuelle Wohnung befindet sich im Souterrain eines 3-Parteien-Hauses in einem relativ ruhigen Viertel am Stadtrand. Ich bin im März 2010 eingezogen, wohne dort also noch keine eineinhalb Jahre. Für eine Singlewohnung ist sie mit ca. 70 m² relativ groß, ist aber gut geschnitten und hat ein sehr geräumiges Wohnzimmer und eine voll ausgestattete Küche. So lange ich von Montag bis Freitag arbeiten ging, fühlte ich mich dort ausgesprochen wohl und war froh seinerzeit diesen vermeintlichen Glücksgriff schon beim ersten Versuch gelandet zu haben. Gerade jetzt im Sommer werde ich von vielen um die kühlen Temperaturen beneidet, die man im Souterrain genießen kann, selbst wenn draußen mehr als 30 Grad herrschen.

Doch kaum war ich in die Lage geraten, den Großteil meines Alltags in diesen Räumen verbringen zu müssen, entpuppten sie sich nach und nach als düsteres Kellerloch. Ich fühlte mich zunehmend von der Außenwelt abgeschnitten, da aus den Fenstern meiner Wohnung lediglich eine Mauer und eine Böschung zu sehen sind und man von dem Leben in der Nachbarschaft praktisch nichts mitbekommt. Diese Tatsache dürfte den größten Teil zu meinem momentan sehr depressiven Zustand beigetragen haben.

Gerade deshalb verfolge ich nun mit höchster Priorität den Auszug aus dieser Wohnung und bemühe mich um ein helles möbliertes Zimmer mit möglichst guter Aussicht.

4. Soziale Kontakte

Im Ruhrgebiet gelandet bin ich im Grunde durch meine letzte Beziehung, die vor gut einem halben Jahr zu Ende ging. So lange man sich in einer funktionierenden Partnerschaft befindet, ist der Anreiz den eigenen Bekanntenkreis zu vergrößern nicht allzu groß. Erst als ich mich wieder ins Singleleben zurück katapultiert fand, wurde mir so richtig bewusst, dass an dieser Stelle etwas fehlte. So lange ich noch arbeiten ging, hatte ich durch den Umgang mit den Kollegen ausreichend soziale Kontakte. Erst als auch das weg fiel, wurde die Lage kritisch.

Der Mensch ist nun mal grundsätzlich ein soziales Wesen, und die Interaktion mit anderen macht einen Großteil seines Lebens aus. Dass dies so ist wird selbst notorischen Einzelgängern bewusst, wenn sie plötzlich ganz auf sich allein gestellt sind. Und es ist keine gute Erfahrung, wie ich lernen durfte.

Es ist ja nun nicht so dass ich überhaupt keinen Bekanntenkreis hätte. Doch die Personen, die sich darin befinden, sind für mich an meinem Wohnort nicht auf eine Art und Weise verfügbar, die in Zeiten einer Krise nötig wäre. Ganz konkret: Seit Beginn meiner Arbeitslosigkeit hatte ich so gut wie keinen Besuch in meiner Wohnung. Der Kontakt zu meinen Bezugspersonen findet zum allergrößten Teil via Online-Chat statt, in wenigen Ausnahmen (vor allem mit der Familie) per Telefon.

Um nicht komplett den Kontakt zur Außenwelt zu verlieren, blieb mir in den letzten Wochen also nichts anderes als mich vor den Bildschirm zu heften, denn dort kann ich mit meinen Leuten kommunizieren.

Einige Male fuhr ich für bis zu eine Woche ins Rhein-Main-Gebiet, um mich dort bei Familie und Freunden aufhalten zu können. In diesen Zeiträumen ging es mir einigermaßen gut. Doch während der Phasen, die ich im Ruhrpott verbrachte, bestanden etliche Tage nur noch aus Herumsitzen auf der Couch und Starren auf den Laptop-Bildschirm. Ich bin dann in einer Art Bereitschaftsmodus, in dem ich nichts anderes mehr tue als möglichst schnell auf Chat-Nachrichten zu reagieren. Und mich zwischendurch mit diversen Spielen zu beschäftigen. Meine Interaktion mit anderen Personen spielte sich an vielen Tagen ausschließlich übers Internet ab.

Fazit

Die Kombination aus all diesen Faktoren hat mich in eine tiefe Lebenskrise befördert. Ohne Bekämpfung der Depression werde ich sie nicht überwinden können. Immerhin konnte ich in den letzten Tagen einen teils noch groben, teils schon detaillierten Plan für die nähere Zukunft erarbeiten. Andernfalls wäre ich auch nicht in der Lage gewesen diesen Text zu schreiben.

Der Plan ist zum Teil eine Flucht, zum Teil eine Reihe von Kompromissen. Er kann mir wahrscheinlich keine Lebenswünsche erfüllen aber meinem Leben zumindest wieder einen Sinn geben. Ob und wie weit er sich in die Tat umsetzen lässt, wird sich noch zeigen…

Seit ich 1999 das erste mal Berlin besuchte, bin ich ein großer Fan dieser Metropole und seitdem etliche Male dort gewesen. Und was mich immer wieder in Erstaunen versetzt ist die Tatsache, dass jede Ankunft in Berlin in mir ein Hochgefühl weckt und ich mit der Stadt sofort wieder vertraut bin. Was auch immer mich mit Berlin verbindet – es erscheint mir beinahe magisch!

Doch im letzten Jahr hat es mich ins Ruhrgebiet verschlagen… naja, im Grunde sogar schon vorher. Während meiner 2 Jahre in Düsseldorf verbrachte ich nach und nach einen größeren Teil meiner Freizeit im nahe gelegenen Ruhrpott als an meinem Wohnort. Und die Gegend faszinierte mich schon von Beginn an. Der Kontrast zwischen dem immer noch vorhandenen Image des düsteren Kohlenpotts und der tatsächlich seit langem existierenden sehr attraktiven urbanen Landschaft spricht mich sehr an. Die einzigartige Industriekultur, die die Gegend prägt, trifft meinen Geschmack total. Mit der herzlich-bescheidenen und doch unverhohlenen Art der Ruhris (die natürlich oft einen leicht asozialen Touch hat) komme ich gut klar. Im Grunde habe ich in den letzten Monaten sogar ein kleines Herz für Ruhrpott-Assis entwickelt. ;-)

Natürlich hat auch Berlin seine speziellen Reize… Es ist eine typische Hauptstadt mit allen Vorzügen, die im Grunde für jeden Geschmack das Passende zu bieten hat. Auch wenn das Stadtgebiet extrem weitläufig und für den Neuling ziemlich unüberschaubar ist, hat jeder Kiez seinen speziellen Charakter, und es gibt im Grunde kein einzelnes Stadtzentrum, das ganz Berlin repräsentiert. Ich mag die Berliner sehr – soll heißen diejenigen, die dort aufgewachsen sind. Sie haben eine sehr direkte Art, die mir gut gefällt, und einen witzigen Dialekt. Im Gegensatz dazu ist mein Eindruck von den Zugezogenen kein besonders guter. Die meisten Wahl-Berliner sind mit bestimmten Zielen, Hoffnungen oder Illusionen dort hin gezogen, die sich nicht immer erfüllen ließen. Und ganz ehrlich: Diejenigen, die es geschafft haben ihre Ziele in der Hauptstadt zu verwirklichen, sind mir unsympathischer als diejenigen, die auf der Strecke geblieben sind. Denn sie verändern durch ihre “mitgebrachten” Einstellungen und Verhaltensweisen das gesellschaftliche Bild der Stadt… meistens nicht auf positive Weise. Wer hingegen in Berlin auf keinen grünen Zweig gekommen ist, passt sich entweder an oder verschwindet wieder – und ist mir daher gleichgültig.

Nun stellt sich die Frage: Was ist mit den Wahl-Ruhris? Und gibt es sie überhaupt?? Auf viele dieser Art bin ich bisher nicht gestoßen! Im Gegenteil – man trifft zwar überall auf der Welt gebürtige Ruhrpottler, die ihre Heimat verlassen haben, aber findet kaum jemanden der freiwillig z. B. nach Duisburg, Witten, Herne oder Marl gezogen ist. Und ich weiß woran das liegt, denn ich gehöre zu der seltenen Spezies derjenigen, die es trotzdem getan haben! Aber bereut habe ich es bisher keine Sekunde lang. Auch als nicht gebürtiger Einwohner fühlt man sich im Pott sofort integriert, sofern man mit der Mentalität seiner Mitmenschen klar kommt. Und es gibt so viel zu sehen und zu erleben! Eigentlich ist das Ruhrgebiet ein großes Abenteuerland oder ein Fundus von Geheimtipps, denn viele seiner Sehenswürdigkeiten sind außerhalb seiner Grenzen (noch) gar nicht bekannt. Jeder in Westdeutschland kennt wohl das CentrO in Oberhausen, die Veltins-Arena auf Schalke und vielleicht die Zeche Zollverein in Essen. Aber was ist mit dem Landschaftspark Duisburg-Nord, dem Tetraeder in Bottrop, der Halde Hoheward bei Herten oder der Festung Hohensyburg zwischen Dortmund und Hagen? Durch diese und weitere Highlights steht das Ruhrgebiet bei mir sehr hoch im Kurs, und ich fühlte mich schon mehrfach in der Rolle eines Ruhr-Botschafters, wenn ich bei Familie und Bekannten versuchte, meine momentane Wahl-Heimat anzupreisen.

Nochmal zurück zu Berlin… Auch dort gibt es viele schöne Flecken, die in keinem Stadtführer vertreten sind und erstmal entdeckt werden müssen. Der durchschnittliche Berliner – egal ob gebürtig oder zugezogen – kennt sich in seiner Stadt nicht wirklich gut aus, so zumindest mein Eindruck. Innerhalb seines Kiezes fühlt er sich wohl, pendelt auch unter Umständen ans andere Ende der Stadt, um zur Arbeit zu gelangen, doch wird seine Freizeit nur selten dazu nutzen neue Plätze in Berlin zu entdecken, die er noch nicht kannte.
Ein gewaltiger Unterschied zum Ruhrgebiet, denn dessen Einwohner sind im Allgemeinen ziemlich unternehmungslustig, fahren zum Einkaufen oder Spazieren gerne mal in eine der benachbarten Städte und kennen sich meist gut aus in ihrer Gegend.

Was das Fehlen eines einzelnen Zentrums angeht, sind sich der Pott und die Hauptstadt wiederum ähnlich, wobei ersterer mit mehr Vielfalt und letztere mit einer einheitlicheren Organisation (z. B. bei öffentlichen Verkehrsmitteln) punkten kann. Bei der Zahl der Einwohner und der Fläche liegt das Ruhrgebiet als Ganzes natürlich eindeutig vorn, doch Berlin hat den Hauptstadt-Vorteil. Verkehrstechnisch gibt es bei beiden Ballungsgebieten gleich viel oder wenig zu meckern. Flughäfen sind vorhanden (naja, auch wenn der Düsseldorfer genau genommen nicht im Pott liegt und Schönefeld in Brandenburg), Autobahnen und Bahnstrecken ebenfalls en masse. In beide Regionen oder dort weg gelangt man also problemlos. Nur innerhalb beider Metropolen ist bedingt durch deren Größe insbesondere das Autofahren stressig und unter Umständen sehr zeitraubend. Für Familienbesuche ist das Ruhrgebiet in meinem Fall deutlich näher als Berlin, genau genommen nur etwa halb so weit. Doch wenn man davon ausgeht dass solche Besuche nicht alle paar Tage vorkommen, macht es keinen großen Unterschied ob nun 250 oder 500 Kilometer überwunden werden müssen.

Ich könnte jetzt noch eine ganze Menge weiterer Vergleiche anstellen und immer weiter ins Detail gehen, doch ein klareres Bild würde sich dadurch wohl nicht ergeben. Für mich würde eine Entscheidung zwischen Ruhrgebiet und Berlin ein Dilemma bedeuten. Oder geht aus dem, was ich geschrieben habe, eine klare Tendenz hervor? ;-)

Es gibt Situationen, in denen es keinen Sinn macht arbeiten zu gehen, selbst wenn man es gerne würde. Eine Situation dieser Art kann zum Beispiel dann auftreten, wenn das Annehmen eines Jobs zu einem finanziellen Abstieg führen oder dessen Risiko erhöhen würde. Seit einiger Zeit befinde ich mich in einem solchen Dilemma.

Aufgrund einer Verkettung von Umständen ist meine aktuelle Lage offenbar speziell und ungewöhnlich. Die Kombination aus Wohnort und beruflicher Qualifikation ist in meinem Fall – gelinde gesprochen – nicht sehr glücklich. In dem Bereich, den ich seit meinem Einstieg ins Berufsleben beackert habe, werden generell hier in der Umgebung nur in sehr geringem Maß Mitarbeiter gesucht. Erst ab ca. 60 km Entfernung tummeln sich die Unternehmen, die Köpfe mit entsprechendem Know-how einsetzen können… und bereit sind Gehälter zahlen, die sich mindestens auf dem Level meiner letzten Anstellung befinden.

Und das führt dazu, dass sich Arbeitsamt, Jobvermittler und Zeitarbeitsfirmen an mir die Zähne ausbeißen! Denn die wenigen freien Stellen im näheren Umkreis meines Wohnorts, die von den Matching-Systemen ausgespuckt werden, passen immer nur teilweise zu meinen Kenntnissen und sind entsprechend mies bezahlt. Mein aktueller Sachbearbeiter beim Amt machte große Augen, als er den mir bewilligten Betrag für das Arbeitslosengeld erblickte und dadurch auf die Höhe meines letzten Gehalts schließen konnte. Entsprechend wenige Stellenvorschläge hatte er seitdem für mich parat…

Sofern die Bezahlung für eine Tätigkeit nur 100 bis 200 Euro über dem ALG-Betrag liegt, macht es allein angesichts der Fahrtkosten nicht den geringsten Sinn ein solches Stellenangebot anzunehmen. Und selbst wenn das Nettogehalt mehrere hundert Euro höher läge, würde ich im Fall des erneuten Arbeitsplatzverlusts deutlich weniger Arbeitslosengeld bekommen als jetzt. Ein Risiko, das man gerade während einer Probezeit nur ungern eingehen möchte.

Aus all dem resultiert eine wirklich nervige Zwickmühle:

  • Nehme ich einen Job in meiner näheren Umgebung an, bringt dieser mir nicht mehr Einkommen ein als ich durch das ALG eh schon habe.
  • Nehme ich einen Job an, der sich etwas weiter weg befindet und dessen Bezahlung zwischen meinem ALG und dem letzten Gehalt liegt, riskiere ich bei erneuter Arbeitslosigkeit mittelfristig ein noch geringeres Einkommen und habe außerdem täglich Stress und zusätzliche Kosten durch das Pendeln.
  • Nehme ich einen Job an, der sich noch weiter weg befindet aber ein gleich hohes oder besseres Gehalt als meine letzte Beschäftigung bietet, muss ich umziehen und meine Wahlheimat verlassen.
  • Nehme ich gar keinen Job an und versuche mich selbständig zu machen, muss ich mich langfristig verschulden, mich auf die mühsame Suche nach Kunden begeben und ein unregelmäßiges bzw. unberechenbares Einkommen riskieren.
  • Nehme ich gar keinen Job an und bleibe weiterhin arbeitslos, habe ich dank hoher monatlicher Fixkosten (Miete, Kredit, Versicherungen etc.) für die kommenden Monate nur sehr wenig Lebensunterhalt und werde im nächsten Jahr auf Hartz IV hinunter gestuft, was unter anderem definitiv einen Wohnungswechsel nach sich ziehen würde.

Gibt es einen Ausweg aus dieser Misere oder zumindest einen Kompromiss, der ohne größere persönliche Abstriche umsetzbar ist? Entweder gibt es ihn nicht, oder ich bin blind…

Jetzt ist es schon Juni, und noch immer hat sich für mich kein neuer Job gefunden. Der dritte Monat der Arbeitslosigkeit ist also angebrochen. Von den neuesten Bewerbungs-Erfahrungen möchte ich jetzt mal berichten, denn sie sind relativ vielfältig. Auf drei konkrete Anläufe möchte ich eingehen, denn sie stehen für ganz typische Erlebnisse, die man bei der Jobsuche haben kann.

 

1. Online-Marketing-Mitarbeiter bei einem Online-Shop für Handtaschen u. ä. in Düsseldorf

Nur zu gerne würde ich den Namen des Unternehmens an dieser Stelle nennen, doch das Risiko einer Anzeige wegen Rufschädigung möchte ich nicht eingehen. Wer Details wissen möchte, ist aber herzlich eingeladen mich anzumailen! ;)

Für die Besetzung der Stelle wurde eine Personalvermittlung beauftragt, mit der ich in der Vergangenheit schon zusammengearbeitet hatte. Während des gesamten Verlaufs der Bewerbung stand ich ausschließlich mit meiner Ansprechpartnerin bei der Vermittlungsagentur in Kontakt. Diese ließ mich schon zu Beginn wissen, dass die Kommunikation mit dem Unternehmen generell etwas problematisch sei. Nachdem ich ihr meine Unterlagen übermittelt hatte, herrschte erst einmal 2-3 Wochen Sendepause, und ich rechnete schon nicht mehr mit einer Rückmeldung. Doch zu dieser kam es dann doch, und ich erfuhr dass die Entscheider sich für mich “interessierten” und um meine Kontaktdaten gebeten hatten, um sich zwecks eines Telefoninterviews persönlich bei mir zu melden. Ich gab meine Zustimmung, die Daten wurden übermittelt, und man wollte innerhalb der nächsten Tage den Kontakt suchen. Meine Ansprechpartnerin bat mich, sie auf dem Laufenden zu halten.

Nachdem sich bis zum Ende jener Woche niemand bei mir gemeldet hatte, teilte ich ihr dies mit, und sie versprach mir den Verantwortlichen noch einmal “auf die Finger zu klopfen”. Es folgten wieder einige Tage ohne Lebenszeichen, bis wiederum ein Anruf von der Personalvermittlung einging – diesmal mit der Zusage, dass sich noch am selben Tag eine Person aus dem Unternehmen telefonisch bei mir melden würde. Doch erneut passierte nichts, und ich gab diese Information wiederum weiter. Eine komplette weitere Woche ohne Lebenszeichen verstrich, bis schließlich meine Ansprechpartnerin anrief und mir mitteilte, sie habe erfahren dass die Stelle zwischenzeitlich bereits vom Unternehmen selbst besetzt worden sei. Ihr Unmut bezüglich der Praktiken ihres Kunden war nicht zu überhören, und sie sagte mir ganz offen, dass sie mit ihm nicht weiter zusammenarbeiten wolle.

Schon während des langwierigen Verlaufs dieser Bewerbung war mir das Unternehmen immer unsympathischer geworden. Denn etwas zu versprechen und es dann (sogar mehrfach) nicht einzuhalten ist eine Unart, die ich entschieden ablehne. Und dass am Ende heraus kam, dass ein falsches Spiel getrieben worden war, setzte dem Ganzen noch die Krone auf!

Etwas Ähnliches geschah übrigens kurz darauf noch bei einer anderen Bewerbung, die ebenfalls über eine Personalvermittlung lief. Auch hier wurde mir mitgeteilt, dass die entsprechende Stelle bereits durch das Unternehmen selbst besetzt worden war. Um welches es sich dabei handelte, habe ich allerdings nie erfahren.

 

2. Online-Marketing-Mitarbeiter bei einem Online-Shop für Werkzeuge und Elektrowaren in Dortmund

Zwischen meiner Bewerbung auf diese Stelle und der Reaktion seitens des Unternehmens vergingen mehr als zwei Monate. Ich hatte eigentlich schon gar nicht mehr mit einer Rückmeldung gerechnet und musste erst einmal kurz in meinem Gedächtnis kramen, als mich der Anruf erreichte, während ich gerade am Badesee in der Sonne lag. Auch an die Inhalte der Stellenausschreibung konnte ich mich nicht mehr erinnern, aber es wurde ein Vorstellungstermin vereinbart. Zuhause warf ich noch einmal einen Blick auf das Job-Profil und war sehr angetan davon, da es eher Social-Media-lastig war und nicht so sehr das klassische Kampagnenmanagement beinhaltete. Also eigentlich genau die Richtung, die ich einschlagen möchte!

Daher freute ich mich sehr auf das Gespräch mich dem Geschäftsführer. Als es so weit war und er mich nach dem gewohnten Monolog über meinen bisherigen Werdegang auf meine Wünsche in Bezug auf die Position ansprach, erläuterte ich natürlich sofort mein Ziel eines Richtungswechsels hin zu Social Media. Und erst dann eröffnete er mir, dass er in jenem Bereich überhaupt keinen Bedarf hätte, sondern ausschließlich jemanden für das Kampagnenmanagement (SEM/SEO) suchte. Ich fühlte mich in dem Moment ganz schön verarscht und wäre diesem Typen am liebsten an die Gurgel gesprungen, denn ich hatte mich auf etwas ganz anderes beworben! Und genau diese Stellenausschreibung ist übrigens auch zum jetzigen Zeitpunkt noch auf der Website des Unternehmens zu finden. Das Gespräch brachen wir natürlich sofort ab, und ich versuchte auch gar nicht erst noch irgend etwas zu retten.

Es ist doch außerordentlich dreist und unfair, einen Bewerber unter solchen Voraussetzungen einzuladen, ihm Hoffnung zu machen und ihm dann erst vor Ort mitzuteilen, dass die Position um die er sich beworben hat gar nicht vakant ist! Ich könnte echt kotzen und werde wohl ab jetzt noch mehr Misstrauen potenziellen Arbeitgebern gegenüber haben. Und als Lehre ziehe ich aus dieser Erfahrung, dass ich vor der Vereinbarung von Vorstellungsterminen noch einmal abkläre, welche Position überhaupt besetzt werden soll und ob sich diese mit der Stellenausschreibung, auf die ich mich beworben hatte, deckt.

 

3. Fachkraft zur Organisation von Kundentrainings bei einem Großkonzern in Mülheim/Ruhr

Diese Stelle wurde mir vom Arbeitsamt vorgeschlagen, und sie soll von einer Zeitarbeitsfirma im Rahmen der Arbeitnehmerüberlassung besetzt werden. Ich hatte mich eigentlich gar nicht darauf beworben, da die Job-Beschreibung auf den ersten Eindruck ziemlich weit von meinen Qualifikationen entfernt schien. Doch die Zeitarbeitsfirma lud mich proaktiv zu einem Gespräch nach Düsseldorf ein, und ich nahm den Termin heute wahr – auf gut Glück sozusagen. Allzu große Erwartungen hatte ich nicht, war aber angenehm überrascht als meine Ansprechpartnerin sich als sehr nett und verständnisvoll entpuppte. Sie nannte mir ein paar weitere Details zu der Position und dem Unternehmen und weckte damit dann doch mein Interesse. Auch wenn die Tätigkeit eine völlig andere als meine bisherigen darstellen würde, deckte sich die Liste der Anforderungen verblüffend gut mit meinen Kenntnissen. Doch als das Thema Gehalt zur Sprache kam, verflog mein Interesse ganz schnell wieder. Denn dieses soll nach einem Rahmenvertrag berechnet werden und ist so gering, dass es netto und abzüglich Fahrtkosten in etwa dem Betrag des mir bewilligsten Arbeitslosengelds entsprechen würde!

Die Mitarbeiterin notierte sich immerhin noch mein Wunschgehalt für diese Position sowie meine unterste Schmerzgrenze und versprach, sich noch einmal mit den Verantwortlichem in Verbindung zu setzen, um eine eventuelle Anpassung des Gehalts auszuloten. Aber allzu große Hoffnungen mache ich mir nicht, dass sie damit Erfolg haben wird. Und ebenso wenig, dass sie mir in absehbarer Zeit eine andere – angemessen bezahlte – Stelle anbieten kann.

 

Drei Stellen, drei Erfahrungen, drei dicke fette No-Gos bei Unternehmen, die Mitarbeiter suchen. Ich zähle diese No-Gos nochmal in aller Kürze auf:
1. Ein Personalvermittler wird beaufragt, aber parallel dazu wird ohne dies zu kommunizieren die Position selbständig besetzt.
2. Ein Bewerber wird zum Vorstellungsgespräch eingeladen, und erst dort wird ihm mitgeteilt, dass er für eine andere als die in der Ausschreibung angegebene Position vorgesehen ist.
3. Ein Unternehmen schließt einen unflexiblen Rahmenvertrag mit einem Personalvermittler, unter Vereinbarung utopisch niedriger Gehälter.

Wie man sieht, wächst meine Liste von Negativ-Erfahrungen stetig an. Ich bin gespannt, wie es in der nächsten Zeit weiter geht und ob es zur Abwechslung auch mal zu einem positiven Erlebnis kommt!

Aus gegebenem Anlass möchte ich mich einmal mehr zur Einstellungspolitik bzw. zum Umgang mit Bewerbern und Mitarbeitern bei Unternehmen beklagen. Denn ich habe Grund zur Annahme, dass Ehrlichkeit prinzipiell keine Eigenschaft ist, mit der man bei Arbeitgebern punkten kann. Statt dessen scheint nicht nur erwartet zu werden, dass man negative Aspekte der eigenen Person oder des Unternehmens verschweigt, sondern im Zweifelsfall sogar lügt, nur um den schönen Schein zu wahren!

Es beginnt bereits bei den Bewerbungsunterlagen. Wer hier zu 100 Prozent bei der Wahrheit bleibt, der hat entweder tatsächlich einen astreinen Lebenslauf oder schlechte Karten, in die nächste Runde zu gelangen. Ergeben sich zeitliche Lücken oder Ungereimtheiten aus den eingereichten Unterlagen, ist das seitens der Unternehmen gerade im Fall zahlreicher Bewerber schon ein Grund, einen Kandidaten von vorn herein auszusortieren. Das Fatale dabei: Ein Bewerber erfährt in aller Regel nichts über die Gründe der Ablehnung und kann somit nicht aus seinen “Fehlern” lernen. Entsprechende Nachfragen gelten als indiskret, weil man ja damit zu ehrlichen Aussagen gedrängt wird.
Ergo: Den Lebenslauf “aufzumöbeln” und Zeugnisse zu fälschen mag zwar illegal sein, doch es wird in der Regel nicht auffallen und tatsächlich statt dessen sogar belohnt! Erhält man trotz wahrheitsgemäßer Angaben in den Unterlagen eine persönliche Einladung, ist vermutlich die Anzahl der Bewerber sehr gering oder der Entscheider ist aus irgendwelchen spezifischen Gründen neugierig und möchte sich einen persönlichen Eindruck verschaffen. Man kann allerdings davon ausgehen, dass die kritischen Punkte aus den Unterlagen im Gespräch dann ungeniert angesprochen werden.

Und damit sind wir beim nächsten Schritt – dem Vorstellungsgespräch. Leider gilt auch hier Ehrlichkeit nicht als Tugend! Beide Seiten wollen sich im Rahmen eines solchen Tête-à-Tête so positiv wie möglich verkaufen und ihr Gesicht wahren. Und hier gehört es dazu, negative Punkte zu umschiffen bzw. zu verschleiern… oder im Zweifelfall wiederum zu lügen, um nicht in irgend eine Bredouille zu geraten oder sich einen Fauxpas zu erlauben. Ein Vorstellungsgespräch ist bildlich betrachtet eine Art Tanz auf einem Drahtseil (wahlweise auch ein Kampf auf einem Podest über dem Abgrund), bei dem man sich nur durch gewissenloses Vorgehen vor Abstürzen bewahren kann. Und zu letzteren zählen leider auch ehrliche Antworten, die den “Wert” des Bewerbers oder des Unternehmens herabsetzen können. Ein Teil der Taktik der Gesprächsteilnehmer (logischerweise hauptsächlich seitens des Unternehmens) ist, die andere Seite zum Absturz zu bringen und damit zu schwächen. Jedoch gilt es für die Vertreter des Unternehmens dabei durchaus als legitim, indiskrete Fragen zu stellen, um den Bewerber in die Ecke zu drängen, wohingegen dieser sich mit entsprechenden Fragen eher disqualifiziert und nur durch geschicktes Umgehen oder schamloses Lügen bei sensibleren Themen sein Gesicht und damit seine Chancen auf die Position wahren kann. Um es noch einmal ganz klar auf den Punkt zu bringen: Im Vorstellungsgespräch wird keineswegs Wert auf Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit oder Offenheit gelegt, sondern primär auf souveränes Auftreten. Und das auch, wenn dabei zu unmoralischen Mitteln gegriffen werden muss.

Ohne Frage ist ein Vorstellungsgespräch eine spezielle Situation, in der zum Teil andere – auch ethische – Regeln gelten als im allgemeinen (Berufs-)Leben. Doch für den Stellenwert der Ehrlichkeit trifft dies leider meist nicht zu. Denn auch im Arbeitsalltag wird nicht selten erwartet, die Wahrheit zu verschleiern oder im Sinne des Unternehmens zu verbiegen. Mit der Unterzeichnung des Arbeitsvertrags verpflichtet sich ein Mitarbeiter, in Bezug auf seinen Arbeitgeber stets loyal zu sprechen, zu handeln und aufzutreten. Und ist es im Interesse des Unternehmens, dass bestimmte Stakeholder (also beispielsweise Kunden, Lieferanten oder Aktionäre) belogen werden, wird genau dies automatisch von allen Mitarbeitern erwartet! Ein ehrliches Auftreten oder eine Weigerung Unwahrheiten zu kommunizieren kann somit unter Umständen zu Maßnahmen wie Abmahnungen führen.

Spätestens an dieser Stelle gehen die Erwartungen in Bezug auf die berühmte “Identifikation mit dem Unternehmen” meiner Meinung nach zu weit. Jemand, der tatsächlich persönlich für eine Firma haftet, darf in deren Namen gerne Lügen verbreiten, wenn er dies für vertretbar hält. Er trägt dann auch das volle Risiko. Doch Angestellte, die lediglich für ihre Arbeitskraft bezahlt werden, sollten niemals zu unmoralischem Verhalten gedrängt werden, weil die Führung des Unternehmens oder einer Abteilung es für vertretbar hält. Und in dem Moment, wo versucht wird eine Person vertraglich zu Unehrlichkeit zu verpflichten, ist ohnehin jegliche Seriosität passé.

Ohne in Propaganda verfallen zu wollen, möchte ich deutlich machen, dass es mir zuwider ist, wenn wirtschaftliche Interessen über die ethischen Werte von Individuen gestellt werden. Und gerade beim Thema Ehrlichkeit sind wir meinen Erfahrungen nach schon längst dort angekommen.

Manchmal zahlt sich Planung aus, und manche Dinge lassen sich nicht planen… wie sich heute wieder einmal gezeigt hat. Den Besuch bei einem Freund in Wuppertal wollte ich mit einer Radtour verbinden, und die war gut vorbereitet!

Ein Blick auf Google Maps führte zu Tage, dass von Recklinghausen bis Wuppertal-Oberbarmen ca. 45 bis 50 Kilometer (je nach Route) zurückzulegen sind. Im Grunde also eine Strecke, die sich bei mittelschnellem Tempo und ohne Pausen locker in 3 Stunden abfahren lässt. Doch welche Route ist die beste? Es muss nicht unbedingt immer die kürzeste sein, denn beim Radfahren sind Steigungen ein nicht gerade unwichtiger Faktor, und wenn man sich nicht absichtlich verausgaben will, gilt es sie in der Planung zu minimieren.

Als Basis nahm ich eine der von Google Maps vorgeschlagenen Routen, allerdings nicht die erste, denn die hätte mich direkt durch die Bochumer Innenstadt geführt. Ich wählte einen Weg über Wanne-Eickel, Bochum-Hamme und Hattingen. Ein Blick auf eine Radwege-Karte rettete mich im Nachhinein betrachtet wahrscheinlich vor der totalen Überanstrengung. Denn wie sich herausstellte, gibt es einen Radweg von Hattingen über Sprockhövel nach Wuppertal, der über eine alte Bahntrasse verläuft. Und das ist im Bergischen Land ein enormer Vorteil! Die Route verlängerte sich dadurch um ca. 5 km, aber ich bin in dem Fall froh, den weiteren Weg gewählt zu haben.

Bis Hattingen nahm ich vorher ausgedruckte Kartenausschnitte zu Hilfe, um den richtigen Weg zu finden. Das funktionierte ausgezeichnet! Bei vergangenen Touren hatte ich nur Routenbeschreibungen als Text – und für den Notfall die Navi-Funktion des Handys – dabei. Und jedes mal hatte ich mich verfahren. Diesmal nicht! Nur einmal warf ich unterwegs einen kurzen Blick in Google Maps, um sicher zu gehen dass ich in die richtige Straße abbog, weil diese nicht beschildert war.

Als Hattingen hinter mir lag, wurde es idyllisch. Der Radweg verlief tatsächlich mehr oder weniger eben auf Dämmen und durch Gräben, während links und rechts von mir die Straßen (wie im Bergischen Land üblich) ein ständiges Auf und Ab zeigten. Eine Wohltat!

Leider machte bei Sprockhövel die Gangschaltung meines Fahrrads Stress. Die Kette sprang vorne auf den falschen Zahnkranz und ließ sich mit der Schaltung nicht mehr zurück befördern. Diese hatte sich offenbar irgendwie verkeilt, so dass die Kette anfing zu rattern und hin und wieder komplett von den Kränzen heruntersprang. Da ich kein Werkzeug dabei hatte, zweckentfremdete ich meine Wasserflasche aus Aluminium als Hammer und konnte so die Schaltung erst einmal wieder in Position bringen.

Kurz vor Wuppertal endete der Bahntrassen-Abschnitt des Radwegs, und sofort wurde der Weg hügelig. Zunächst ging es nur steil bergab, was natürlich angenehm war. Doch nahe eines Golfplatzes ging es plötzlich steil nach oben, und der Weg war mit furchtbaren Pflastersteinen belegt, welche die Schaltung wieder völlig durcheinander brachten. Sie war schon wieder ganz verschoben, und zusätzlich hatte sich einer der Reflektoren am Hinterrad gelöst, der nun laute Geräusche verursachte. Ich hielt an der Zufahrt zum Golfplatz an und versuchte wieder, mit Hilfe der Aluflasche die Schaltung zu richten. Das führte dazu, dass das weiche Aluminium nachgab und plötzlich Löcher im Flaschenboden waren, durch die das Wasser herauslief. Die Flasche war damit nutzlos und wurde geopfert, nachdem ich noch ein paar große Schlucke aus ihr gezogen hatte. Die Schaltung ließ sich mit herum liegenden Aststücken wieder gerade stellen.

Der restliche Weg bis zum Ziel war mir schon vertraut, weil ich ihn mir vor der Abfahrt in Google Street View angesehen hatte. Mir wurde zum ersten mal bewusst, was für eine große Hilfe dieses Tool sein kann, wenn man Orte bereisen möchte, die man noch nicht kennt. Es kam mir tatsächlich so vor, als wäre ich die Strecke kürzlich erst gefahren, zumal wirklich alles noch genauso auszusehen schien wie an dem Tag, als das Google-Auto dort gewesen war.

Letztlich benötigte ich nur etwa 10 Minuten länger als die geschätzten drei Stunden zur Bewältigung der Strecke. Es waren ziemlich genau 51 Kilometer. Und trotz der nicht planbaren Komplikationen hat die Tour richtig Spaß gemacht!

Das Folgende ist ein Gedächtnisprotokoll der Ereignisse, die sich heute morgen im Zug auf meinem Weg zur Arbeit zugetragen haben. Den Namen der Zugbegleiterin, die in den Schilderungen eine Rolle spielt, kann ich (aus später erläuterten Gründen) an dieser Stelle nicht nennen, werde dies aber nachholen, falls ich an entsprechende Informationen gelange.

Am Morgen des 25.03.2011 stieg ich in Recklinghausen in den Regionalexpress RE2 von Düsseldorf nach Münster, der um 8:05 Uhr abfuhr. Bei mir waren ein Bekannter, der zusammen mit mir einstieg, und mein Fahrrad. Wir betraten den hintersten Wagen, ich stellte dort mein Fahrrad ab, und wir setzten uns daneben auf die Klappsitze.

In der Nähe von Haltern am See erschien ein Zugbegleiter (etwas älter und grauhaarig) und kontrollierte unsere Fahrkarten. Ich zeigte ihm mein Ticket2000 des VRR und meine Monatskarte des VGM, die von Haltern bis Bösensell gilt. Er sagte nur kurz so etwas wie “okay” und verschwand wieder. Ich setzte die Unterhaltung mit meinem Bekannten fort.

In der Nähe von Buldern – 2 Stationen vor Bösensell – näherte sich uns eine Zugbegleiterin (relativ jung, rothaarig und mit leicht molliger Figur) und verlangte ebenfalls unsere Fahrkarten. Ich stellte zunächst fest, dass wir bereits kontrolliert worden waren, doch sie bestand darauf, die Fahrkarten zu sehen. Also ließen wir sie einen Blick darauf werfen. Zu mir sagte sie, sie habe “zuerst nur mein Ticket2000 gesehen”, und ich sagte, dass nicht sie sondern ihr Kollege unsere Fahrkarten bereits gesehen hatte. Sie fragte, wem das Fahrrad neben uns gehörte, und ich gab mich als Besitzer zu erkennen. Daraufhin verlangte sie ein Fahrradticket, und ich erwiderte, dass mein Monatsticket bereits die Mitnahme von Fahrrädern erlaube. Sie reagierte leicht entrüstet und behauptete, so etwas sei im VGM generell nicht der Fall, und zur Mitnahme eines Fahrrads sei stets ein Fahrradticket nötig. Ich sagte – wahrheitsgemäß – sie sei die erste, die mir dies bei einer Kontrolle gesagt hätte und dass ich auf der Strecke schon des öfteren ein Fahrrad dabei gehabt hätte, worauf sie noch entrüsteter schien. Ich bot an, mit meinem Handy über mobiles Internet die entsprechende Stelle der Tarifbestimmungen herauszusuchen. Die junge Frau sagte daraufhin – in ziemlich genau diesem Wortlaut – “Sie sind ja sowieso immer im Recht”, und das in einem deutlich pampigen Ton. Sie meinte, sie könne ja schon einmal meine Daten aufnehmen, während ich noch Zeit hätte, ihre Aussagen zu widerlegen, was ich ja sowieso nicht könne (mit selbstgefälligem Gesichtsaudruck), und verlangte meinen Ausweis. Ich gab ihn ihr ohne groß zu zögern, und sie begann auf ihrem Gerät zu tippen, während ich mich bemühte möglichst schnell die Textpassage aus den Tarifbestimmungen zu finden. Da der PDF-Viewer meines Handys leider keine Suchfunktion hat, gelang mir das nicht bevor die Zugbegleiterin ihre Tipperei beendet hatte. Ich erwähnte, dass ich in Kürze aussteigen müsste, und sie entgegnete dass sie sich deshalb ja beeilen wolle. Außerdem wies sie darauf hin, es gäbe ja Fahrrad-Monatstickets, worauf ich – wiederum wahrheitsgemäß – erwiderte, dass ich die Fahrtstrecke zufällig gerade zum letzten mal mit Fahrrad im Gepäck zurücklegte. Meinen Ausweis erhielt ich zurück, und zusätzlich drückte sie mir ein Stück Papier in die Hand, auf dem sie mit ihrem Gerät etwas ausgedruckt hatte.

Die Situation war mir aus mehreren Episoden bekannt, die ich in meiner langen Bahnfahrer-Karriere bereits als Zeuge miterlebt hatte: Erhöhtes Beförderungsentgelt in Höhe von 40 Euro wegen Fahrens ohne bzw. mit ungültigem Fahrschein. Die Frau fragte mich, ob ich den Inhalt des Papiers erklärt haben wolle. Da ich nicht die Gelegenheit gehabt hatte, die fragliche Stelle in den Tarifbestimmungen zu präsentieren und nicht mehr viel Zeit bis zum Aussteigen blieb, erklärte ich dass ich die Sache mit ihr persönlich klären wollte und nicht schriftlich mit ihrer Dienststelle oder ihrem Vorgesetzten. Es ging mir im Grunde schon längst nicht mehr darum, Einspruch gegen die 40 Euro zu erheben, sondern mich über die mir gerade gegenüber stehende Zugbegleiterin und Ihren unfreundlichen Umgang mit mir zu beschweren. Daher bat ich sie, mir ihren Namen zu nennen. Sie deutete mit dem Finger auf eine Art Kennziffer, die oben auf dem Papier in meiner Hand abgedruckt war, und sagte diese würde sie als Mitarbeiterin der Deutschen Bahn identifizieren. Ich erwiderte, dass ich mit einer Nummer nichts anfangen könnte und ihren vollständigen Namen wissen wollte. Schließlich hatte sie bereits meinen Namen und meine Adresse (und ggf. noch weitere Informationen über mich) in ihr Gerät eingegeben. Sie weigerte sich und sagte “wir dürfen unsere Namen nicht nennen”. Ich reagierte wiederum mit Unverständnis, da es hier um eine persönliche Klärung zwischen der Frau und mir ging. Sie pochte weiterhin auf die “Regeln”, hielt mir ein aufgeschlagenes Heftchen unter die Nase mit dem Hinweis, dort würden diese schwarz auf weiß stehen und sie würde hier nur ihren Job tun, und sie fragte mich erneut, ob ich den Inhalt des Papiers erklärt haben wolle. Ich sagte laut und deutlich “Nein”, worauf sie sich mit einem “Gut” umdrehte und wieder etwas in ihr Gerät tippte.

Ab diesem Punkt handelte ich nur noch impulsiv, da mich das Auftreten dieser Frau zur Weißglut gebracht hatte. Ich zerriss das Papier in meinen Händen in viele kleine Stücke und warf ihr diese entgegen mit den Worten “Bitte schön”. Sie sagte so etwas wie “Dann müssen Sie die 40 Euro auf jeden Fall bezahlen”. Für mich war es Zeit auszusteigen, da der Zug gerade Bösensell erreichte. Also nahm ich mein Fahrrad und schob es in Richtung Ausgang. Die Frau sprach weiter, es sei ja sowieso “alles gespeichert”. Mich überkam bei ihrem Anblick eine plötzliche Gewissheit, der ich mit lauten derben Worten Ausdruck verlieh: <R rated> “Wenn sie gerade schlecht gelaunt sind, weil sie vielleicht in der letzten Woche nicht gefickt wurden, dann ist das nicht mein Problem.” Gefolgt von (etwas leiser) “Alte Fotze”. </R rated>

Ich sah, dass das Gesicht meines Bekannten (der noch bis Münster im Zug blieb) kurzzeitig einen leicht entsetzten Ausdruck annahm. Die Frau sagte in etwa “Eine Anzeige wollen Sie also auch noch”, während ich bereits im Begriff war den Zug zu verlassen. Ich ließ zunächst nur ein “Joaaa” entweichen, schob aber beim Aussteigen (während sie weiter irgendwelche Dinge sagte) nach: “SIE haben Probleme”. Das letzte, was ich von ihr durch die noch offene Tür vernahm, war “Und SIE haben kein Fahrradticket”.

Ich möchte nochmals deutlich betonen, dass mich nicht die Tatsache in Rage versetzt hat, dass mir wegen eines fehlenden Fahrradtickets 40 Euro aufgebrummt werden sollten, sondern allein der Umgangston, mit dem mir dieses (womöglich Männer hassende) Weib begegnet ist! Ich bin mir – nebenbei bemerkt – überaus sicher, dass meine Begründung für die offenkundig schlechte Laune dieses Wesens, die ich mit zugegebenermaßen drastischen Worten zum Ausdruck gebracht habe, der Wahrheit entspricht.

Eine spätere kurze Recherche in den Tarifbestimmungen ergab übrigens, dass in der Tat die Mitnahme eines Fahrrads beim Besitz eines Monatstickets nur werktags ab 19 Uhr und am Wochenende erlaubt ist. Das deckt sich nicht mit der mir entgegen gebrachten Aussage, es sei generell immer ein Fahrradticket nötig.

Über das Wochenende werde ich hoffentlich die Zeit finden, einen Brief an die besagter Frau übergeordnete Organisationseinheit der Deutschen Bahn zu formulieren. Mein Endziel ist, den Namen dieser Person zu ermitteln, mein vorrangiges Ziel, ihre Dienststelle über ihr unangemessenes Verhalten in Kenntnis zu setzen.

Und ehrlich gesagt bereue ich weder mein eigenes Verhalten, noch schäme ich mich für meine Verbalattacke. Im Gegenteil: Ich bin sogar ein wenig stolz, nicht wie so oft klein beigegeben sondern statt dessen Entschlossenheit demonstriert zu haben.

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