Vor kurzem hatte ich die Idee, mein zuverlässiges Netbook (ein Lenovo IdeaPad S10e) durch ein neueres Modell zu ersetzen. Denn ein bestimmtes Feature hatte mir von Anfang an gefehlt: Ein eingebautes 3G-Modul, das mir erlauben würde, nur mit einer entsprechenden SIM-Karte bewaffnet immer und (fast) überall online gehen zu können. Beim Lenovo-Netbook hatte ich einen Workaround, da es einen Erweiterungsslot für ExpressCards hatte, in den ich bei Bedarf eine solche einschieben konnte, um mein mobiles Internet nutzen zu können.

Leider sind sowohl Geräte mit eingebautem 3G-Modem als auch solche mit ExpressCard-Slot momentan Mangelware.

term paper writer

Denn es gibt ja diese ach so praktischen Surfsticks, mit denen die meisten Provider in Deutschland und Europa zur Zeit einen beachtlichen Reibach machen. An dieser Stelle oute ich mich als Surfstick-Hasser! Denn ich lasse mir kein überteuert verkauftes Stück Billighardware andrehen, das mich zudem noch zwingt eine hässliche und unter Umständen unpraktische Software des Providers zu verwenden, um unterwegs ins Netz zu kommen.

Somit begann ich nach einem geeigneten Netbook zu suchen, bei dem das Modem schon eingebaut ist und das möglichst auch aktuelle Technologie verwendet. Wie schon erwähnt ist der Markt für solche Geräte momentan ziemlich überschaubar. 3G-fähige Netbooks basieren größtenteils noch auf dem alten Atom N270, und ist ein neuerer Prozessor vorhanden fehlt wiederum das Modem.

Ein Lichtblick schien das brandneue Samsung N350 zu sein. Es besitzt nämlich nicht nur einen Dual Core Atom N550, sondern soll das erste Netbook mit 4G-Unterstützung nach dem LTE-Standard sein! Und als ich das Teil in ein paar Online-Shops für unter 400 € fand, war die Bestellung schon beschlossene Sache. Es kam dann auch zwei Tage später schon an.

Beim Öffnen des Kartons wurde ich misstrauisch. Keine Bedienungsanleitung, keine CDs oder DVDs mit Installationsmaterial. Nur das eigentliche Gerät mit Akku und Netzteil plus ein paar nutzlose Heftchen und Faltblätter mit Sicherheitshinweisen und einer Beschreibung des Anschaltvorgangs in mehreren Sprachen. Bei einer ersten kurzen Inspektion des Netbooks fand ich keinen Slot für eine SIM-Karte, und auch der Anschaltknopf war nicht gerade intuitiv platziert. Eine abnehmbare Abdeckung für den Arbeitsspeicher war vorhanden, nicht aber für die Festplatte oder sonstige interne Hardware. Bis auf den Speicher führt also offenbar jedes Hardware-Upgrade zum Erlöschen der Garantie. Ich ließ das Gerät hochfahren, und das vorinstallierte Windows 7 Starter begann mit der Einrichtung diversen Samsung-Schnickschnacks.

Parallel dazu nutzte ich mein Laptop, um mir eine Bedienungsanleitung von der Samsung-Website zu ziehen. In druckbarem PDF-Format schien es sie nicht zu geben. Lediglich als ausführbare Datei, die sofort einen Alarm in meiner Internet-Security-Software auslöste. Diese ignorierte ich erst einmal. Die Anleitung entpuppte sich als wenig aufschlussreich. Detaillierte Informationen zur Hardware und ggf. deren Austausch suchte ich vergeblich. Die technischen Daten waren so ungenau, wie ich es noch nie zuvor für irgend ein Gerät gesehen hatte. Selbst essentielle Komponenten wie die Festplatte wurden als „optional“ aufgelistet. Von Angaben zu einem Modem fehlte jede Spur. Dafür waren unter anderem ausführliche Beschreibungen zur korrekten Sitzhaltung und ähnlichem für die Benutzung von Netbooks völlig überflüssigem Kram enthalten. Also recherchierte ich im Netz weiter, was sich eher mühsam gestaltete. Das Netbook ist noch nicht lange auf dem Markt und die Informationen darüber noch entsprechend spärlich. Außer ein paar Ankündigungen, Testberichten und Videos war nicht viel zu finden. Immerhin stieß ich auf einen englischsprachigen Artikel, in dem genau der Zustand beschrieben wurde, in dem ich das neben mir liegende Netbook vorfand: Dort wo der Einschub für die SIM-Karte sein sollte befand sich bloß eine Kunststoff-Abdeckung. Wie der Artikel weiter ausführte, war auch kein internes Modem vorhanden. Lediglich ein freier Platz, an dem dieses in zukünftigenVersionen des Modells einmal sitzen könnte. Um nicht die Gewährleistung aufs Spiel zu setzen, baute ich das Gehäuse nicht auseinander um das genau zu überprüfen.

An diesem Punkt reagierte ich aber nun doch etwas verärgert. Wie kann Samsung auf seiner Website das N350 vollmundig als innovatives 4G-fähiges Netbook verkaufen und dann Geräte ausliefern, die diese Funktion überhaupt nicht besitzen? Bei genauerem Hinschauen entdeckt man bei Samsung immerhin den nicht näher definierten Sternchen-Hinweis „Werksoption“. Trotzdem ist mir die verwirrende Kommunikation dieses Herstellers unbegreiflich und zuwider. Wie kann man mit Desinformation in solchem Ausmaß versuchen treue Verwender für seine Produkte zu gewinnen? Und welcher (potenzielle) Käufer lässt sich von einem solchen Eiertanz überzeugen?

Nach dieser Erfahrung werde ich mir so schnell bestimmt kein Samsung-Gerät mehr zulegen.

Die Bahn und der Herbst

// Kommentare deaktiviert für Die Bahn und der Herbst

Die letzte Woche war zwar durch den Feiertag etwas kürzer aber geprägt von sehr herbstlichem Klima und den damit verbundenen Auswirkungen auf den öffentlichen Nahverkehr. Es gab praktisch keine von mir genutzte Bahnverbindung, die komplett planmäßig über die Bühne ging. Die Schienenstrecke zwischen Recklinghausen und Münster scheint im Herbst prinzipiell problematisch zu sein, doch interessanterweise setzte dieser Zustand genau pünktlich mit dem Monat November ein. In der vorher gehenden Woche hatte ich mich noch gefreut, offenbar eine Zugverbindung gefunden zu haben, die mich nach Feierabend regelmäßig pünktlich nach Recklinghausen bringen konnte.

price viagra

Doch diese Freude verließ mich schlagartig und drastisch, als ich die indirekten Auswirkungen des Herbsts auf den Zugbetrieb der Deutschen Bahn zu spüren bekam. Denn – wie ein Zugbegleiter es recht greifbar formulierte – sind bei nasskalter Witterung (und vermutlich auch bei Laubfall) die Triebfahrzeuge nicht in der Lage, „die volle Schubkraft auf die Schienen zu bringen“. Man kann sich durchaus vorstellen, dass nasses Laub auf Metallschienen einen glitschigen Film bilden kann, der unter Umständen dazu führt, dass darauf liegende Räder durchdrehen, wenn ihnen zu viel Drehmoment zugeführt wird. Zwar kann ich mir kaum vorstellen, dass unter dem Gewicht einer typischen Lok für Personenzüge vorhandenes Laub nicht mehr oder weniger atomisiert wird und überhaupt irgend einen merklichen Effekt hat, doch offenbar ist es tatsächlich so. Zumindest ist das die einzige Erklärung, die ich mir unmittelbar aus den Worten des Zugbegleiters zusammen reimen kann.

Also nehmen wir es einfach mal als gegeben hin, dass bei nassem Herbstwetter Züge nicht mit voller Kraft beschleunigen können und somit für die Überwindung der selben Strecken insgesamt mehr Zeit benötigen als bei anderem Wetter. Dies ist ein Problem, das der Deutschen Bahn offenbar bekannt ist. Welche indirekten Auswirkungen ergeben sich nun daraus? Bei vielen A-B-Verbindungen ist es gängige Praxis, die eingesetzten Züge immer zwischen den Punkten A und B hin und her pendeln zu lassen. Das heißt, von Betriebsbeginn bis Betriebsschluss werden an einem Tag stets die selben Züge eingesetzt, um eine bestimmte Fahrtsrecke abzudecken. Die Fahrpläne sind dabei so gestaltet, dass an den jeweiligen Endpunkten einer Verbindung Standzeiten eingeplant sind, die eventuelle Verspätungen kompensieren sollen. Übersteigt die Verspätung eines Zuges die vorgesehene Standzeit am Endpunkt seiner Strecke, kann er dort nur mit Verspätung wieder in die entgegen gesetzte Richtung zurück fahren.

Meine Vermutung ist die folgende: Zum Betriebsbeginn am Morgen fahren die Züge an den Endpunkten der Strecke (im konkreten Fall Münster und Mönchengladbach) pünktlich ab. Aufgrund der soeben beschriebenen Auswirkungen verlängern sich die Fahrtzeiten für die gesamte Strecke allerdings um mehr als die vorgesehen Standzeiten an den jeweiligen Endpunkten. Somit ist jeder Zug ggf. bereits bei seiner zweiten Fahrt an einem Tag von Beginn an verspätet. Und jede ab diesem Zeitpunkt zusätzlich auftretende Verzögerung addiert sich – sofern sie die vorgesehene Standzeit am jeweils nächsten Endpunkt übersteigt – unmittelbar zur Gesamtverspätung des Zuges hinzu. Und genau dieses Phänomen, dass die Fahrtzeit für die gesamte Strecke zwischen Münster und Mönchengladbach stets länger war als die fahrplanmäßige Dauer plus Standzeit am jeweiligen Endpunkt, führte vermutlich an zwei Tagen in der letzten Woche dazu, dass die Züge am Abend bereits eine Verspätung von ca. 30 Minuten „angesammelt“ hatten.

Was ich nicht begreife, ist dass die Deutsche Bahn – im Bewusstsein dieser Problematik – die Verspätungen ihrer Züge im Verlauf des Tages einfach weiter anwachsen lässt. Statt zusätzliche Züge zur Entlastung und Einhaltung der Fahrpläne einzusetzen, übt man sich in Hilflosigkeit und begründet alle Verspätungen lediglich mit deren ursprünglicher witterungsbezogenen Ursache bzw. der dadurch wiederum bedingten „verspäteten Bereitstellung“. Dass keine zusätzlichen Entlastungszüge zur Verfügung stehen, kann ich mir nicht vorstellen. Der Knackpunkt wird eher sein, dass die Bahn nicht bereit ist zusätzliches Personal zu stellen, um diese Züge zum Einsatz zu bringen. Hier wird also mal wieder ganz bewusst auf Kosten der Fahrgäste gespart. Diese verlieren – wie mehrfach in der letzten Woche geschehen – 30 Minuten Zeit (bzw. wenn sie dadurch einen Anschluss verpassen sogar wesentlich mehr). Wie viele Züge waren an einem dieser Tage 30 Minuten verspätet? Wie viele Personen befanden sich insgesamt in diesen Zügen? Setzen wir hierfür mal den Wert X ein. Rechtfertigen X mal 30 Minuten verlorene Zeit tatsächlich die Einsparung der Personalkosten für die Bereitstellung und den Betrieb eines zusätzlichen Zuges? Da ich weder die Höhe dieser Kosten noch den Wert X kenne, fühle ich mich nicht in der Lage diese Frage zu beantworten. Ich wünschte aber, dass jemand der beides kennt oder zumindest abschätzen kann sich einmal mit ihr beschäftigen würde.

765qwerty765

DHL Packstation: Dreiste Phishing-Versuche

// Kommentare deaktiviert für DHL Packstation: Dreiste Phishing-Versuche

Heute bekam ich bereits die zweite, ziemlich glaubwürdig erscheinende Phishing-Mail vom Absender „PACKSTATION“, mit der offenbar versucht wird persönliche Daten abzugreifen.

Hier der komplette Inhalt der Email:

Guten Tag Christiane Krahner, [Anm.: Das ist natürlich nicht mein Name!]

wir möchten Sie mit diesem Schreiben informieren, dass wir unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) überarbeitet und an veränderte Gegebenheiten angepasst haben.

Mit dem Ziel, Ihnen auch in Zukunft den sichersten, einfachsten und schnellsten Paketservice zu bieten.

Zum 1. November 2010 werden wir daher unsere Nutzungsbedingungen und Datenschutzgrundsätze anpassen.

Die geänderten AGB gelten von Ihnen angenommen, sobald Sie die AGB im Kundenbereich unter http://de.packstations.net zugestimmt haben.

Ansonsten läuft ihre PACKSTATION zum 1. November 2010 aus.

Wir möchten Sie als Kunden natürlich nicht verlieren. Aber rein rechtlich müssen wir Sie darauf hinweisen, dass Sie Ihr PACKSTATION auch kostenlos kündigen können.

Bevor Sie sich dazu entscheiden, schauen Sie doch noch einmal auf http://de.packstations.net vorbei und lassen Sie sich überzeugen!

Ihr DHL Team

Servicenummer 01803 / 365 365 (0,09 Euro pro angefangene Minute aus den deutschen Festnetzen; 0,79 Euro pro angefangene Minute aus den deutschen Mobilfunknetzen)

Auf den ersten Blick hielt ich diese Mitteilung für authentisch, da die Formulierung typisch für einen Dienstleister wie DHL ist und sich im Text keine auffälligen Rechtschreibfehler finden. Die kleinen Grammatik-Patzer (wie z. B. „sobald Sie die AGB […] zugestimmt haben“) erkennt man erst auf den zweiten oder dritten Blick, genauso wie die merkwürdige URL http://de.packstations.net. Eine whois-Suche führt zu Tage, dass die Domain packstations.net auf die Firma Heihachi Ltd aus Panama registriert ist, die offenbar Hosting-Dienste für anonym bleiben wollende Online-Inhaltsanbieter bereitstellt. Ein Aufruf der URL im Browser führt auf eine Seite, die bis auf zwei klitzekleine Unterschiede optisch identisch mit der Original-Landingpage von DHL ist. Ich zeige die genauen Unterschiede mal:

Original DHL:

Fake:

Witzig ist auch, dass auf der gefälschten Seite selbst der Bereich „Sicherheitshinweise“ mit der aktuellen Warnung „Vorsicht vor gefälschten E-Mails“ 1 zu 1 kopiert wurde.

Insgesamt ist das ganze eine wirklich gut gemachte Phishing-Aktion, auf die mit Sicherheit jede Menge Packstation-Nutzer hereinfallen werden. An die Macher geht von mir ein ehrlich gemeintes Hut Ab! An DHL geht die aufrichtige Frage, ob es dort ein Datenleck gibt und ob man die Möglichkeiten des Internets dort in Gänze verstanden hat. Denn erstens: Woher wissen die Phisher, dass ich Nutzer des Packstation-Diensts bin? Und zweitens: Warum ist DHL nicht in der Lage, Domains wie packstations.net zu blocken, so dass kein Dritter dort Inhalte hinterlegen kann?

Mir bleibt erst einmal nichts anderes als die dubiose Email an phishing@deutschepost.de weiterzuleiten und zu hoffen dass etwas getan wird, um solche Dinge in Zukunft einzudämmen. Sollten sie sich in nächster Zeit allerdings häufen, werde ich ernsthaft erwägen, den Vertrag mit DHL zur Nutzung des Packstation-Diensts wieder zu kündigen.

765qwerty765

Diesen Monat bin ich mit einem Fahrkarten-Problem konfrontiert. Da ich drei Wochen in Urlaub war und deshalb nicht täglich zur Arbeit gelangen musste, wäre der Kauf eines VGM-Monatstickets zwischen Haltern am See und Senden-Bösensell für rund 125 Euro verschwendetes Geld gewesen. Deshalb hatte ich mich schon im August schlau gemacht, wie ich an den wenigen Arbeitstagen im September günstiger zur Arbeit gelangen könnte. Da es sich um zufällig genau 12 Bahnfahrten handelte, die ich zurücklegen musste, boten sich drei 4er-Tickets an. Es interessierte mich nun allerdings auch, ob sich bei der Fahrtstrecke selbst noch Sparpotenzial verbarg. Also prüfte ich online ein Paar Kombinationen von Start- und Zielorten durch und verglich die jeweiligen Ticketpreise. Dabei stieß ich auf ein irgendwie unlogisches System von Preisstufen, das ich auch vorher schon ansatzweise beim so genannten Münsterland-Tarif beobachtet hatte.

Um die Ungereimtheiten zu verstehen, muss man erst einmal die Abfolge der Stationen auf der Strecke Haltern – Münster gesehen haben. Dazu ist unten eine Grafik angehängt (die von der VGM stammt und für diesen Zweck etwas bereinigt wurde). Meine gewohnte Strecke im Bereich des Münsterland-Tarifs von Haltern nach Bösensell hat die Preisstufe 5 und kostete mich bisher 124 Euro pro Monat (mittlerweile erhöht auf 126,40). Würde ich nur eine Station weiter bis Münster-Albachten fahren, wäre dies bereits Preisstufe 7 und würde 196,20 Euro kosten. Vermutlich erhöht schon das bloße Überfahren der Stadtgrenze von Münster den Fahrpreis um zwei Stufen. Ähnliches habe ich in anderen Verkehrsverbünden allerdings auch schon beobachtet. Eine Station weniger – also von Haltern bis Nottuln-Appelhülsen – würde den Preis nicht verändern. Bei noch einer Station weniger – bis Buldern – landet man dann bei Preisstufe 4. Jetzt kommt das Interessante: Verändert man den Start-Bahnhof von Haltern auf Sythen, landet man bei Preisstufe 3! Das ist schon merkwürdig, da Sythen ein Ortsteil von Haltern ist. Für mich war es praktisch, da mein VRR-Ticket bis Sythen gilt. Mit drei 4er-Tickets der Preisstufe 3 konnte ich nochmal fast 50 Prozent sparen im Vergleich zur Stufe 5 und musste dafür die 16 km von Buldern zur Arbeit und zurück mit dem Roller fahren statt der 7 km von Bösensell aus.

Übrigens funktioniert dieser Preisstufen-Trick wiederum nicht bei der Kombination Sythen – Appelhülsen. Hierfür zahlt man nicht etwa Stufe 4, sondern genauso wie von Haltern aus Stufe 5. Das gleiche gilt natürlich auch für Sythen – Bösensell.

Noch wirrer wurde es, als ich vor dem Problem stand, dass ich für den Oktober wieder eine Monatsfahrkarte zwischen den Stationen Haltern und Bösensell benötige. Ich war davon ausgegangen, dass ich eine solche an jedem beliebigen Ticket-Automaten im VGM-Bereich bekommen könnte. Aber nein, wie könnte es auch anders sein – für Fahrkarten des Münsterland-Tarifs lässt sich an den Automaten der Startpunkt nicht ändern. Das heißt man kann dort nur Tickets erhalten, die ab der Station gültig sind, an der sich der Automat befindet. Was wiederum bedeutet, dass ich mein benötigtes Ticket ausschließlich an den Bahnhöfen Haltern und Bösensell kaufen kann. Für die Bahn ist diese Tatsache wahrscheinlich vollkommen logisch, für mich als Bahn-Kunde irgendwie nicht. Somit musste ich heute morgen auf dem Weg von Buldern zur Arbeit einen kleinen Umweg über den Bahnhof Bösensell machen, um an mein Ticket zu kommen.

Und weiter gehts mit den Ungereimtheiten. Da morgen der 1. Oktober ist und mein neues Monatsticket dann schon gilt, könnte ich morgens wieder bis Bösensell fahren. Aber was ist mit meinem Roller, den ich dann brauche um den restlichen Weg zur Arbeit zu kommen? Es würde mir nichts bringen, wenn er noch in Buldern steht. Also versuchte ich herauszufinden, wie ich heute mit irgend einer Ticket-Kombination die Strecke von Bösensell nach Sythen abdecken könnte, um nicht noch zweimal die 16 km von/nach Buldern mit dem Roller fahren zu müssen. Mein 4er-Ticket der Preisstufe 3 reichte noch für genau eine Fahrt, zum Beispiel von Buldern bis Sythen, wie in den letzten Tagen schon. Ein erneuter Blick in die Tarifauskunft der VGM führte zu Tage, dass auch die Verbindung Bösensell – Buldern in die Stufe 3 fällt. Ich möchte diese Logik noch einmal rekapitulieren.
Sythen – Buldern: Stufe 3
Buldern – Bösensell: Stufe 3
Sythen – Bösensell: Stufe 5
Macht total Sinn, oder?? Drei plus drei ergibt bekanntlich fünf. Hinzu kommt das Problem, dass ich in Bösensell kein Ticket kaufen kann, das erst ab Buldern gilt. Würde ich mein 4er-Ticket in Bösensell entwerten, wäre es bis Buldern gültig. Um weiter fahren zu können, müsste ich dort aussteigen und ein neues Ticket bis Sythen kaufen. Da dies kaum innerhalb der Zeit zu bewältigen ist, die der Zug in Buldern hält, müsste ich ca. eine halbe Stunde auf den nächsten Zug warten.

Erstes Fazit: Ich fuhr heute wieder 16 km mit dem Roller bis Buldern und werde morgen früh noch ein letztes mal 16 km von dort bis zur Arbeit fahren. Übers Wochenende kann mein Roller dann zum Glück wieder sicher eingeschlossen in Bösensell stehen.
Zweites Fazit: Ich habe wieder ein bisschen was über den Münsterland-Tarif und die Deutsche Bahn dazu gelernt und bin noch verärgerter als vorher.

Noch ein kleiner Nachtrag… Was die scheinbar unlogischen Preisstufen für die oben aufgegriffenen Fahrtstrecken angeht, würde folgendes Schema passen:
Preisstufe = Anzahl Stationen der Strecke inkl. Startort
Es scheint aber nur zufällig bei den genannten Kombinationen aus Start- und Zielorten zuzutreffen.

765qwerty765

Portemonnaie Reloaded

// Kommentare deaktiviert für Portemonnaie Reloaded

Ja, es ist so eine Sache mit dem wichtigsten Objekt der Konsumgesellschaft… Ohne unsere Portemonnaies fühlen wir uns in der Tat unserer Identität beraubt. Ohne Ausweis, Führerschein, EC- und Kreditkarten sowie ggf. Bargeld können wir uns eigentlich nicht sicher außerhalb unserer eigenen vier Wände bewegen. Ohne Ausweis keine Identifizierung vor öffentlichen Organen, ohne Führerschein keine Fahrerlaubnis für KFZ, ohne EC-Karte kein Bargeld, ohne Bargeld oder Bezahlkarte keine Lebensmittel, ohne Lebensmittel kein Leben! Die Aufzählung ließe sich ergänzen um diverse Fahr-, Versicherungs-, Schlüssel- und sonstige Karten, die wir in der Regel im Portemonnaie mit uns führen. Wen erschreckt es nicht, wenn er sich bewusst wird dass seine Existenz an einem Gebrauchsgegenstand (oder in manchen Fällen Modeaccessoire) hängen kann? Irgendwie finde ich es tragisch wenn ein so banaler Gegenstand zweifellos über die Selbstsicherheit einer Person entscheidet.

Lange Rede, kurzer Sinn. Heute morgen erfolgte gewissermaßen der Ausgleich für den Vorfall, der mich vor Kurzem in letzter Konsequenz einen halben Urlaubstag kostete (siehe hier). Als ich mich gerade auf den Weg zur Arbeit machen wollte und wie gewohnt nach meinem Portemonnaie griff, musste ich kurz an meinem Geisteszustand zweifeln. Ganz bestimmt war kein Restalkohol in meinem Körper, der mich alles doppelt sehen ließ. Und leblose Gegenstände vermehren sich nicht von selbst… obwohl das im Fall von Bargeld nebenbei bemerkt eine nette Sache wäre. Jedenfalls lagen dort zwei schwarze Objekte aus Leder vor meinen Augen. Nur eines davon stellte sich als mein Portemonnaie heraus, das andere wurde mittlerweile hoffentlich von seinem Besitzer sichergestellt. Sonst wäre es für diesen mangels Identität sicherlich ein Scheiß-Tag geworden. 😉

765qwerty765

Es war eindeutig einer dieser Tage. Das konnte ich schon behaupten, bevor er richtig angefangen hatte.

pay for homework

Eigentlich hatte es keine Vorboten oder bestimmte Voraussetzungen gegeben. Wie auch immer… Das Folgende ist mir heute widerfahren:

Aufstehen wollte mein Körper nicht so recht, als der Wecker um 6:30 piepte. An sich nichts Ungewöhnliches, zumal mein Schlaf eher unruhig und die Träume eher verwirrend gewesen waren. Wie gewohnt ging ich ins Bad, machte den üblichen morgendlichen Durchlauf, zog mich an und war bereit für den Weg zur Arbeit – fast! Der reflexartige Griff nach dem wichtigsten Objekt des zivilisierten Menschen – der Brieftasche, dem Geldbeutel, dem Portemonnaie, wie auch immer man es nennen will – führte ins Leere. Ich würde mich als Gewohnheitstier bezeichnen, und eben deshalb war die Situation schon ungewöhnlich. Zu 90 Prozent finde ich mein Portemonnaie morgens an einem von zwei Orten vor: auf dem Esstisch oder in der Jackentasche. Wenn es dort nicht ist, habe ich meine Kreditkarte oder ähnliches am Abend davor gebraucht, und es liegt in der Nähe des Computers. Nichts davon war heute der Fall. Das genügte schon um mich ziemlich unruhig werden zu lassen. Auch ein Durchkämmen der unwahrscheinlicheren Plätze in der Wohnung führte nichts zu Tage. Der nächste logische Schritt war meinen Freund anzurufen, der gestern Abend hier gewesen war. Vielleicht hatte er eine Idee wo das Teil abgeblieben sein könnte. Doch nach ein paar mal Tuten kam ein Besetztzeichen, und bei den nächsten Anrufversuchen nur noch eine nervige Ansage, der Teilnehmer sei nicht erreichbar. Fast hätte ich das Handy quer durchs Zimmer geworfen. Einen Moment lang kam das Gefühl auf, ich wäre noch am schlafen und das ganze nur ein Traum. Ich zwang mich zum Fokussieren und überlegte wann und wo das Portemonnaie das letzte mal zum Einsatz gekommen war. Im Bus natürlich, beim Vorzeigen der Fahrkarte, gestern Abend auf dem Heimweg. War es mir dort irgendwie aus der Jacke gefallen? Man könnte ja mal nachfragen ob es gefunden worden war. Die Vestische Straßenbahnen GmbH hat ein Fundbüro, und dieses ist von 13 bis 15 Uhr Montags bis Donnerstags besetzt. Tolle Arbeitszeiten, echt. Natürlich ging unter der angegebenen Nummer niemand ans Telefon. Und auch die liebe Nachbarin meines Freundes, die mir zumindest etwas seelischen Beistand hätte leisten können, war gerade nicht zu erreichen.

Um kurz vor 8 rief ich erstmal meinen Chef an, um die Lage kurz darzustellen und ihn wissen zu lassen dass ich nicht wusste ob und wann ich heute zur Arbeit erscheinen könnte. Denn ohne Zugfahrkarten, Geld, EC-/Kreditkarte und Ausweis ist man in der Tat ziemlich aufgeschmissen und fühlt sich tatsächlich irgendwie seiner Identität beraubt! Ein paar Minuten später ließ Vodafone mich via SMS wissen, dass mein Gesprächspartner nun wieder per Handy erreichbar sei. Also rief ich meinen Freund sofort zurück, der mir erzählte er hätte sein Handy verloren und sei bei der Suche in seinem Auto nicht nur auf das Handy – mit zwischenzeitlich leerem Akku – sondern auch auf mein Portemonnaie gestoßen. Wie es dort hin gekommen war, konnte keiner von uns nachvollziehen, zumal ich das Auto gestern nicht betreten hatte. Egal… Ich war in Recklinghausen, das Auto in Essen. Etwa eine dreiviertel Stunde später war das Auto dann in Recklinghausen und auch das vermisste Portemonnaie. Okay so weit – erstes Ziel erreicht!

Da ich nun sowieso mindestens zwei Stunden später erst auf der Arbeit hätte sein können, lag der Entschluss nahe kurzerhand den Vormittag komplett frei zu nehmen und die damit gewonnene Zeit für Erledigungen zu nutzen, die nach Feierabend oder am Wochenende nicht möglich sind. Im aktuellen Fall ging es um einen neuen Reisepass, den ich für den anstehenden Urlaub im September noch brauche. Mit einem kurzen Anruf beim Chef war der Weg für den nötigen Amtsgang – zumindest theoretisch – frei.

Den Besuch eines Fotostudios halte ich bei Reisepass-Bildern für unnötig und vor allem zu teuer, zumal es sich aufgrund der Vorgaben nicht mal um schöne Bilder handelt. Deshalb hatte ich schon in einer „privaten Session“ ein passendes digitales Foto vorbereitet, das nur noch auf Fotopapier gebracht werden musste. So etwas hatte ich schon einmal bei dm erledigt, allerdings nicht im Passbild-Format. Aber einen Versuch war es wert, und ich wusste wo in meiner Stadt ein dm zu finden ist. Dort angekommen fand ich dann auch ein paar Foto-Kioske von Kodak vor, wählte einen aus und wühlte mich durchs Menü. Ein Passbild-Format konnte ich auf Anhieb nicht entdecken, lediglich eine Option für Mini-Fotos oder so ähnlich. Ich dachte mir, das würde schon in etwa hinkommen und ließ einen Bogen dieser Mini-Abzüge produzieren – für günstige 27 Cent! Aber mir schwante schon Böseres…

Zum Bürgerbüro der Stadt war es nicht weit. Es befindet sich in einem anderen Gebäude als noch vor ein paar Monaten, aber das war mir zum Glück vorher bekannt gewesen. Es war fast nichts los und damit keine Warterei nötig. Ich hielt den Mitarbeitern ohne lange Rede die Abzüge von dm unter die Nase und fragte ob man damit etwas anfangen könnte. Ein Einpassen in ein Stanzgerät für Passbilder ergab, dass die Mini-Fotos von dm zu schmal und damit unbrauchbar waren. Also musste ich erstmal unverrichteter Dinge wieder abziehen und überlegte, wo sonst noch digitale Sofortabzüge zu bekommen sind. Die Frage beantwortete sich quasi von selbst, denn direkt gegenüber prangte der unübersehbare rote Schriftzug MediaMarkt. Stimmt, dort hatte ich auch schon solche Automaten gesehen. Also schnell rüber ins Löhrhof-Center und die Rolltreppe hoch… zu verschlossenen Toren. Man öffnet eben erst Punkt 10 Uhr, und bis dahin waren es noch ein paar Minuten. Unten hatte ich im Vorbeigehen eine dieser Foto-Fix-Kabinen gesehen. Wäre ja auch eine Alternative, und ich müsste nicht warten bis der MediaMarkt öffnet. Also nahm ich mir das Ding mal vor und ging hinein. Ein Satz Passfotos, EU-konform: 6 Euro. Naja… und ach: „Der Automat gibt kein Wechselgeld“. Mit meinem 20er-Schein und bisschen Kleingeld kam ich da nicht weiter. Also doch wieder die Rolltreppe hoch, und noch ein wenig gewartet. Das Tor wurde pünktlich geöffnet, und ich lief gezielt zur Foto-Abteilung. Dort standen sie, die bekannten Kodak-Automaten (leider nicht die erhofften von CeWe). Sie ähnelten sehr denen bei dm, aber an der Wand dahinter war etwas von Passbildern im Sofortdruck zu lesen. Und in der Tat fand sich auf dem Touchscreen ein entsprechender Menüpunkt. Die Bedienung gestaltete sich extrem mühselig. Auf mein beständiges Tippen auf die angezeigten Buttons reagierte der Automat oftmals gar nicht. Bei der (meiner Meinung nach sinnfreien) Einstellung der Begrenzunglinien für das Gesicht auf dem Foto behauptete er ständig, die Passbilder ließen sich so nicht produzieren. Dann wechselte er auf ein nutzloses quadratisches Format und zoomte das Bild auf eine völlig blödsinnige Größe. Bis ich ihm beigebracht hatte mein Foto annähernd in der Form zu platzieren in der ich es vorbereitet hatte waren einige Minuten vergangen. Und der Bogen mit 6 Bildern kostete dann 2,99 €. Warum ein gleich großes bedrucktes Blatt Fotopapier mit den nutzlosen Bildformaten nur 27 Cent kostet, erschließt sich mir nach wie vor nicht. Immerhin war es trotzdem deutlich billiger als so ein Foto-Fix, geschweige denn ein Foto-Studio.

Mit den neu gedruckten Bildern ging es zurück zum Bürgerbüro, und diesmal schien das Format zu passen. Die Mitarbeiterin benötigte allerdings zwei Stanz-Versuche, bis laut Schablone alles in Ordnung war. Ich sollte dann eine Nummer ziehen, obwohl sonst niemand im Wartebereich war, und kam logischerweise sofort dran. Die zweite Mitarbeiterin war auch ziemlich freundlich und fertigte mich zügig ab. Sie wollte sofort die 59 Euro Gebühr einkassieren, die ich nicht dabei hatte (zahlt man die nicht andernorts erst bei der Abholung?). Kartenzahlung wurde laut deutlicher Hinweisschilder auf dem Gang nicht angeboten. Also musste ich nochmal zum Geldautomaten und wieder zurück. Das war zum Glück innerhalb weniger Minuten erledigt. Ich bekam noch eine Quittung. Zweites Ziel erreicht!

Auf dem Rückweg nach Hause lag die örtliche Apollo-Filiale. Die Gelegenheit, dort noch einmal die Bügel meiner neuen Brille nachjustieren zu lassen, blieb nicht ungenutzt. Und beim Back-Werk noch schnell mein Mittagessen besorgt. Mir blieb danach nicht viel Zeit zuhause, bis ich mich schon wieder auf den Weg zum Bahnhof machen musste, um zur Arbeit zu gelangen.

Die Zugfahrt war ruhig. Auf dem Weg vom Bahnhof Bösensell zur Firma gab es eine Radarkontrolle, und ich wurde mit meinem Roller (!) von den Herren Polizisten raus gezogen. Sie hatten kein „Glück“ bei mir. Zu schnell gefahren war ich offenbar eh nicht (50 km/h waren erlaubt), meine Papiere waren in Ordnung, und auch sonst fiel ihnen wohl nichts auf. Pure Zeitverschwendung also. Führte nur dazu dass ich in noch flattrigerem Zustand im Büro ankam.

Der halbe Arbeitstag war dann zumindest nicht unangenehm, die nachfolgende Zugfahrt wurde dank ausländischer Familien mit Säuglingen und einer riesigen Horde Rentner mit Fahrrädern etwas nervig, aber dafür erreichte ich noch den direkten Anschluss an den Bus, da dieser leicht verspätet war.

Und nun hoffe ich dass dieser Tag schnell zu Ende geht, nichts besonderes mehr passiert und der morgige etwas einfacher wird.

Scheiße. Ganz große Scheiße. Das muss erst einmal gesagt werden.

Was ist da heute passiert in Duisburg? Die Loveparade? Tja, das was sie werden sollte. In den Augen der Organisatoren sicherlich eine friedliche Großveranstaltung besonderen Ausmaßes. Das tatsächliche Ausmaß bekam man in den letzten Stunden auf vielen Kanälen zu sehen und zu hören. Ich ringe um Fassung. Bilder, die mir gestern durch den Kopf gegangen waren (nachzulesen in meinem vorherigen Blog-Eintrag) sind fast genau so eingetreten! Das Augenzwinkern, das den Vergleich mit dem Fleischwolf ohne Lochscheibe begleiten sollte, ist beinahe Tränen gewichen. Und ich verstehe nicht, warum kein Verantwortlicher ahnen konnte was heute passiert ist. Ich war bei weitem nicht der einzige, der in den letzten Tagen berechtigte Kritik an der Raumplanung der Veranstaltung geübt hat. Wir sollten uns jetzt wirklich nicht in Sätzen à la „hab ich’s doch gewusst“ ergehen. Wir als einfache Meinungsäußerer hätten nicht die Macht gehabt, die Tragödie zu verhindern. Aber verdammt noch mal – es sind weit mehr als ein Dutzend Menschen zu Tode gekommen und noch viele mehr verletzt worden! Und jetzt werden noch etliche Kritiker die Stimmen erheben. Die Wellen werden unglaublich hoch schlagen. Momentan finde ich das gut so. Eine so kolossale Fehlplanung gehört öffentlich angeprangert und bis ins letzte Detail ausgeschlachtet. Ja, es sollen Köpfe rollen. Natürlich werden sich die Bürokraten nun gegenseitig die Schuld in die Schuhe schieben, und wie immer will es keiner gewesen sein. Sollen sie nur machen. Es sollte nachzuverfolgen sein, wer in der Planung des Geländes und der Besucherwege involviert war. Und jeder einzelne, der in der Lage gewesen wäre einen wirksamen Einspruch zu erheben, trägt nun die Verantwortung für die Vorfälle im verhängnisvollen Tunnel bzw. um diesen herum. Egal wer letztlich dazu verurteilt wird eine hoffentlich angemessene Strafe zu verbüßen – ich wünsche allen eben beschriebenen Personen dass sie sich ihrer Schuld bewusst werden.

Ja, ich war auch in Duisburg am Tag der Veranstaltung. Und habe genug gesehen, um früh genug den Rückzug anzutreten. Entgegen der über die Medien ausgesprochenen Empfehlungen nutzten wir das Auto zur Anreise. Wir hatten uns kurz vorher online über Parkmöglichkeiten informiert und den Bereich um die MSV-Arena ausgewählt. Diesen erreichten wir um ca. 13:30 Uhr ohne größere Probleme. Die Straßen inklusive der A3 waren relativ gut befahrbar, und auch ein Parkplatz war zügig gefunden. Wir folgten dem nicht allzu dichten Menschenstrom unter der gesperrten A59 hindurch und die Düsseldorfer Straße entlang bis etwa zur Straßenbahnstation Karl-Jarres-Straße. Ab dort war schlagartig kein Weiterkommen mehr möglich. Man erblickte im weiteren Verlauf der Düsseldorfer Straße eine geschlossene Menschenmenge, die nicht wirklich in Bewegung war. Die Stimmung war relativ ausgelassen, und die meisten Anwesenden erweckten nicht den Eindruck als hätten sie es sehr eilig auf das Festivalgelände zu gelangen. Bis zu dessen Eingang wären es von unserem Standort aus noch ca. eineinhalb Kilometer Fußweg gewesen. Die Entscheidung diesen Weg nicht zu wählen war ziemlich schnell gefallen. Einerseits drängten sich mir unwillkürlich wieder die Fleischwolf-Assoziationen auf, andererseits machte mir meine Blase einen Strich durch die Rechnung, und in Richtung Güterbahnhofsgelände war kein Toilettencontainer zu sehen. Also drehten wir wieder um, bevor allzu viele heran strömende Menschen uns von hinten einkesseln konnten, und wanderten zurück in Richtung Parkplatz. Den restlichen Nachmittag verbrachten wir relativ entspannt im Landschaftspark Duisburg-Nord und im Oberhausener CentrO .

Was die Zukunft der Loveparade betrifft, gehe ich momentan davon aus dass es sie nicht geben wird. Die legendäre Serienveranstaltung wird nun hoffentlich zusammen mit ihren Opfern zu Grabe getragen – endlich! Es ist ein trauriger Abschied, aber ein notwendiger. Man hat nun auf die harte Tour erfahren, dass etwas das in Berlin lange Zeit funktionierte im Ruhrgebiet von vorn herein deplatziert war.

Die Loveparade ist tot – und das ist auch gut so.

1999 – ach jaaa, das war noch was, damals… Ich war gerade mal 18 und das allererste mal in Berlin. Es war eine relativ spontane Aktion. Sie passte irgendwie in die späten 90er Jahre und ins späte Teenager-Alter. Einmalig, unwiederholbar und absolut prägend.

Wir hatten von dieser bekannten Veranstaltung namens Loveparade gehört, die jeden Sommer irgendwo in Berlin stattfand. Und was wussten wir von Berlin? Hauptstadt halt, irgendwie ziemlich groß, ziemlich weit weg „so da oben rechts“, aber viel mehr dann auch nicht. Immerhin – es waren Sommerferien, das Wetter war gut, es gab keine Verpflichtungen denen wir nachkommen mussten und niemanden der uns aufhalten konnte. Die Deutsche Bahn hatte noch „Guten-Abend-“ und „Schönes-Wochenende-Tickets“ im Angebot, die erschwingliche Fahrten kreuz und quer durch die Republik ermöglichten. Wir waren zu zweit – mein Cousin und ich – und hatten uns vorgenommen mal nach Berlin auf die Loveparade zu gehen.

Zur Fortbewegung die Bahntickets, zum Schlafen ein geliehenes Zelt – an mehr dachten wir tatsächlich damals nicht. Und es funktionierte! Einmal vom Westerwald nach Berlin und zurück, ohne großen Plan, einfach so. Probleme entstehen eben meistens nur dann wenn man Zweifel hat. Wir kamen erst tief in der Nacht in Berlin an, am Bahnhof Zoo natürlich. Der war uns ein Begriff, und deshalb war es aufregend plötzlich mittendrin zu stehen. Wir brauchten die „Bändchen“, so viel wussten wir. Mit denen konnte man das ganze Wochenende über alle öffentlichen Verkehrsmittel im Bereich der BVG nutzen. Und wir wollten auf keinen Fall die restliche Nacht in diesem berüchtigten Bahnhof verbringen. Vor dem Ausgang wuselten aber einige mobile Verkäufer herum, bei denen man die begehrten Bändchen und diverse Fressalien bekommen konnte.

Der Rest ist Geschichte, und die werde ich niemals vergessen. Morgens wildes Campen am Rand der Metropole, ab mittags 1 Million Menschen im Tiergarten, strahlender Sonnenschein, Durst, am Abend ganz vorne stehen direkt unterhalb der kleinen DJ-Kapsel, Bewegung, Licht, Bässe, zum Schluss an- und abschwellendes weißes Rauschen. Das war die Loveparade, das war Berlin, das waren wir.

Auf die beschwerliche Rückreise will ich jetzt nicht eingehen, wohl aber auf den gescheiterten Versuch die Erfahrung zu wiederholen. Es müsste 2002 gewesen sein, wir waren diesmal zu dritt – mein Bruder war mit von der Partie. Wir traten im Partnerlook auf: Rote Klamotten und rot gefärbte Haare, die irgendwie nach oben gestylt waren, nach Nuller-Jahre-Manier. Das erwartete Feeling wollte sich aber nicht so recht einstellen. Für die Hin- und Rückfahrt hatten wir Plätze in einem speziell gecharterten Reisebus gebucht. Die meisten Insassen waren jünger und schienen eine andere Partykultur zu haben als wir. Die Fahrten/Übernachtungen im Bus waren langatmig und nervig, Berlin war für uns nix Neues mehr, es waren viel zu wenige Leute da, und irgendwie war auch das Wetter nicht so toll. Selbst die geschossenen Fotos waren nur noch was für die Tonne, da die (analoge) Kamera wohl vorher schon was abbekommen hatte. Alles in allem bot die Loveparade in jenem Jahr nichts was bei mir intensive Erinnerungen hinterlassen hat.

Irgendwann kam das Aus für Berlin… Und dann war auf einmal die Rede vom Ruhrgebiet. Ich hatte das Thema Loveparade für mich schon abgehakt und nicht weiter verfolgt. Deshalb erreichten mich 2007 die Informationen über das Revival in Essen erst ziemlich spät. Ich war jobmäßig gerade neu in Düsseldorf angekommen, und mein damaliger Vorgesetzter hatte in unserem Büro ein Plakat angebracht, das ich zwar nebenbei registriert aber nicht näher studiert hatte. Irgendwann fiel mein Blick dann doch einmal etwas länger darauf, und eine kurze Recherche im Internet führte zu Tage dass der Termin für die Loveparade 2007 am darauf folgenden Samstag war und das ganze in Essen stattfinden würde. Ähnlich spontan wie beim ersten mal entschied ich, mir die Gelegenheit nicht entgehen zu lassen. Durch die geografische Nähe war außerdem keine wirkliche Planung nötig.

Diesmal war ich allein unterwegs. Mit dem Zug nach Essen zu kommen war kein großes Problem, und es war mein erster Besuch in dieser Stadt. Tatsächlich war wieder ein Quäntchen des 99er-Gefühls zu spüren, weil sich ein paar Dinge wiederholten. Das Wetter war in etwa das gleiche, die Besucherzahl wurde sogar noch übertroffen, und es kam sogar ein wenig Rave-Atmosphäre auf. Ich hatte erwartet dass die Veranstaltung einen völlig anderen (vor allem kommerzielleren) Charakter haben würde als seinerzeit in Berlin, wurde jedoch angenehm überrascht. Natürlich war das Bühnengebilde übertrieben und irgendwie größenwahnsinnig, aber nicht weniger beeindruckend. Die Musik, die zur „Abschlusskundgebung“ über den Berliner Platz schallte (Nomen est Omen!), hatte nicht viel kommerzielles und erinnerte an die alten Elektro-Zeiten. Leider konnte ich nicht bis zum Ende bleiben. Aber ich erfuhr am eigenen Leib, warum eine Berliner Veranstaltung sich nicht mal eben so an einen anderen Ort verlagern lässt. Die Platzverhältnisse sind einfach zu unterschiedlich. Mangels Alternativen nutzten fast alle Besucher den Essener Hauptbahnhof zur An- und Abreise. Dieser war für das Menschenaufkommen an diesem Tag rein architektonisch alles andere als geeignet. Man hatte das Gefühl in einem großen Fleischwolf zu sein. Von einer Seite strömte alles trichterförmig in einen engen Tunnel hinein und aus mehreren noch engeren Öffnungen in mehr oder weniger zerdrücktem Zustand wieder hinaus. Ich war heilfroh wieder in einem Zug zu sitzen, der mich an einen anderen Ort bringen konnte, auch wenn ich wahrscheinlich den besten Teil der Veranstaltung verpasst hatte.

Ein Jahr darauf war Dortmund dran, ein Besuch der dortigen Loveparade war von mir fest eingeplant, und ich hatte sogar wieder einen Mitstreiter. Im Vorfeld war zu lesen gewesen dass man die Verkehrssituation diesmal systematisch entschärfen wollte, indem Bahnreisende je nach Abfahrtsort über verschiedene Bahnhöfe geschleust werden sollten. Wir wollten besonders schlau sein und stellten das Auto im nahe gelegenen Hagen ab, um von dort aus per Bahn in den Hexenkessel zu fahren. Die Züge aus Hagen landeten aber ausgerechnet im Dortmunder Hauptbahnhof, wo natürlich die Hölle los war. Entsprechend überlastet waren die Bahnstrecken, so dass man zeitweise im völlig überfüllten Zug festsaß, während dieser darauf wartete weiterfahren zu dürfen. Das Wetter war leider sehr wechselhaft. Als wir gerade vor den Westfalenhallen angekommen waren gab es einen Wolkenbruch sondergleichen, der den ohnehin nicht richtig aufkommen wollenden Spaß komplett vernichtete. Die B1 als geplantes Äquivalent zur Straße des 17. Juni konnte nicht überzeugen. Man fühlte sich permanent gefangen, weil es praktisch keine Ausweichmöglichkeiten gab und die Bundesstraße bis auf wenige Zugänge hermetisch abgeschirmt war. Auf dem Messegelände verlief sich die Menge ein wenig, aber das ganze Areal war sehr unübersichtlich. Reichlich gefrustet machten wir uns schon am Nachmittag wieder auf den Heimweg. Wir hatten Glück gerade einen passenden Zug zu erwischen und einer vorübergehenden Komplettsperrung des Hauptbahnhofs zu entgehen. Die Abschlusskundgebung konnten wir noch teilweise am Fernseher verfolgen. Die Show war für meinen Geschmack nicht übel. Ein Bekannter, der sie bis zum Ende vor Ort verfolgt hatte, erzählte mir später dass die Stimmung noch richtig gut geworden war.

Tja, und nach dem Bochumer Aussetzer in 2009 steht nun die Duisburger Version der Loveparade unmittelbar bevor. PR-mäßig ist sie schon vorher ein Erfolg gewesen. Lange genug stand sie offiziell auf der Kippe, um dann schließlich doch mit Hilfe der „Community“ gerettet zu werden. Man fragte sich indessen, wo um alles in der Welt man in Duisburg den Platz für eine solche Riesenveranstaltung schaffen wollte, nachdem sich die beiden Vorgänger im Ruhrpott glimpflich geschlagen hatten. Mein erster spontaner Einfall war eine gesperrte A59 für die „Floats“ und eine Abschlusskundgebung im Innenhafen oder dergleichen. Denkbar, aber offenbar nicht realisierbar. Irgendwann geisterte die Meldung durch die Medien, ein Gelände in der Nähe des Hauptbahnhofs sei nun für das Event vorgesehen. Aha, Hauptbahnhof also. Macht logistisch betrachtet Sinn, weil die Massen dann nicht durch die halbe Innenstadt geschleust werden und dafür etliche Straßen und Wege gesichert werden müssen. Macht wirtschaftlich betrachtet Sinn, weil das Duisburger Stadtzentrum mit seiner Königstraße quasi sauber von der Großveranstaltung getrennt und der normale Shoppingbetrieb munter weiter gehen kann, während die Raver in ein abgeriegeltes Gelände gepresst werden. Sozusagen in einen Fleischwolf ohne Lochscheibe. Wenn man sich das bildlich vorstellt, möchte man sich gar nicht vorstellen wie es sich anfühlt. Angesichts der Tatsache, dass laut offizieller Aussage des Veranstalters das Gelände maximal 500.000 Menschen fassen kann und bei gutem Wetter mindestens die doppelte Anzahl erwartet wird. Ach ja, und offenbar gibt es nur einen einzigen Ein- und Ausgang. Was wäre wenn es auf dem Gelände zu einem Vorfall käme, zum Beispiel gewalttätiger Art? Eine Massenpanik benötigt keinen großen Auslöser. Da die Organisatoren dies ja mit Sicherheit bedacht haben, kann man damit rechnen dass es entsprechend strenge Zugangskontrollen geben wird. Und wenn man schon mal dabei ist die Besucher auf Waffen und Ähnliches zu filzen kann man auch direkt sämtliche mitgebrachten Getränke aus dem Verkehr ziehen.

Womit die Loveparade schließlich zu einem von vielen Open-Air-Festivals mutiert ist. Keine Floatstrecke über breite Straßen mehr, kein Chillen im Grünen wenn man müde vom Tanzen ist. Stattdessen ein trostloses, mal eben auf die Schnelle mit grobem Schotter geplättetes ehemaliges Güterbahnhofsgelände abseits der City, auf das die feiernde Gemeinde abgeschoben wird. Vor ein paar Tagen konnte ich vom Zug aus einen kurzen Blick auf das Gelände werfen und möchte dazu nur sagen: Es sah provisorisch, armselig und vor allem viel zu klein aus. Es schien komplett von Bauzäunen umgeben zu sein und hatte schon rein optisch absolut gar nichts mit den Locations zu tun, an denen bisher die Loveparade stattgefunden hat.

Sollte ich morgen den Weg nach Duisburg finden und tatsächlich auf dem eben beschriebenen Gelände landen, werde ich zumindest davon garantiert enttäuscht sein. Was nicht heißen muss dass es den meisten Besuchern so gehen wird. Ich könnte mir gut vorstellen dass die heutige U-20-Generation Veranstaltungen wie die Original-Loveparade nie erlebt hat und an Festivals mit Absperrungen, Einlasskontrolle und Getränkeverbot gewöhnt ist. Und genau diese Generation wird vermutlich den größten Teil der Besucherschaft ausmachen.

Dass unser guter Herr Lenz (aka Westbam) bis zu diesem Jahr gewartet hat um sein Abschiedsständchen zu geben, ist mehr als unglücklich. Aber irgendwann muss er diesen Schritt schließlich gehen, und es kann eigentlich nur noch schlimmer werden für ihn. Die Generation, die ihn zu seinen besten Zeiten begeistert gefeiert hatte, sitzt heute größtenteils im Büro oder bei der Familie und ist zu Silbermond, Unheilig oder ähnlichem Seicht-Rock konvertiert. Eigentlich möchte ich mir Westbams Abschiedsfeier gar nicht live ansehen, allein schon aus Angst vorm Fremdschämen. Ein Techno-Veteran, der sich vor einem Publikum, das ihn womöglich gar nicht kennt, um Beachtung bemüht – das wollen wir nicht wirklich sehen. Ich hoffe für ihn, dass seine Euphorie über das ganze Brimborium um seine Person ihn das nicht bemerken lässt…

Ja ja, die Loveparade – wo ist sie hin? Ein Teil von ihr bleibt bestehen… in meinen Erinnerungen an den Sommer ’99.

Der Sommer ist da. Und zwar sowas von! Die Luft erreicht im Schatten und im Freien an manchen Tagen locker Temperaturen in den Mittdreißigern. In der Sonne und in geschlossenen, ungekühlten Räumen kann es noch deutlich mehr werden.

Wie geht das größte deutsche Verkehrsunternehmen damit um? Wie sich – zum Teil sogar mit öffentlicher Resonanz – herausgestellt hat, oftmals gar nicht. Der Fall der Schülergruppe, die nach dem Ausfall der Klimaanlage im ICE bei rund 50 Grad das Bewusstsein verlor, wurde von den Medien ausgiebig breit getreten und zieht zum Glück nun Ermittlungen der Bundespolizei sowie eine Untersuchung seitens der Bundesregierung nach sich. Mittlerweile stellte sich ja sogar heraus, dass sich seit dem Wochenende zig ähnliche Vorfälle ereignet haben und die verbauten Klimaanlagen systematisch bei hohen Temperaturen versagen. Die Aufmerksamkeit richtet sich nun natürlich zunächst einmal auf Fernzüge, die bekannermaßen deutlich mehr Komfort und Service bieten als der öffentliche Nahverkehr und von den Fahrgästen mit entsprechenden Aufpreisen belohnt werden müssen. Ganz automatisch stellt sich die Frage, wie sich der Temperaturzustand wohl in den roten „Bummelzügen“ der Deutschen Bahn darstellt, wenn schon in InterCitys und ICEs massiv die Gesundheit der Fahrgäste gefährdet wird.

Ich nutze an den meisten Werktagen die RegionalBahn, um zur Arbeit und zurück zu gelangen, und verbringe daher an diesen Tagen in der Regel ca. 1 Stunde in Nahverkehrszügen. In diesem Sommer musste ich bisher glücklicherweise noch keinen Bahn-bedingten Hitzeschock erleiden. Was aber nicht bedeutet dass es in diesen Zügen kein Temperaturproblem gibt. Die auf meiner Stammstrecke eingesetzten Wagen sind allesamt von neuerem Baujahr und verfügen über Klimaanlagen. Das muss freilich nicht bedeuten dass diese auch immer eingeschaltet sind.

Es gibt 2 triviale Methoden, um in Zügen Luftzirkulation herbeizuführen: 1. die Nutzung der Kühlaggregate und 2. das Öffnen der Fenster. Letzteres sorgt logischerweise nicht für Abkühlung, ist aber bei nicht vorhandener oder abgeschalteter Klimaanlage eine willkommene (wenn auch minderwertige) Alternative. Bisher war ich der Meinung, dass in klimatisierbaren Zügen die Fenster – wenn überhaupt – nur mit Hilfe eines „Spezialwerkzeugs“ geöffnet werden können. Das macht natürlich irgendwo Sinn, da die gekühlte Luft durch offene Fenster entweichen und warme Luft von außen hereinströmen würde. In den letzten Tagen musste ich allerdings feststellen, dass in den von mir benutzten Regionalzügen einzelne Fenster geöffnet waren.

Auch gestern auf der Heimfahrt war das wieder der Fall, und im Zug war es ebenso drückend warm wie draußen. Ich fand die eintretende Luftströmung zwar ganz angenehm, fragte mich aber im selben Moment warum scheinbar bei einer Außentemperatur von über 30 Grad die Klimaanlage nicht lief. Doch halt – tat sie das wirklich nicht? Ein Probegriff an die Wandverkleidung über dem Fußboden ließ mich einen deutlich kühlen Hauch verspüren! Die Aggregate liefen also doch. Aber was sollen sie bringen, wenn bei Tempo 100 die ganze Zeit heiße Luft von außen durch die offenen Fenster herein gepresst wird? Diese Frage sollte die Deutsche Bahn am besten selbst beantworten, aber leider habe ich da meine Zweifel ob sie das kann. Es ist vielleicht wieder eine Ironie des Schicksals oder einfach nur Bahn-Logik: In den Fernzügen mit defekter Klimaanlage gibt es keine Fenster die sich öffnen lassen, während in Nahverkehrszügen in denen sie einwandfrei funktioniert die Fenster anscheinend von „dummen“ Fahrgästen jederzeit geöffnet werden können.

Bahn oh Bahn, wir sind von dir begeistert.

So wenig man sich im Grunde über die Bahnverbindung zwischen Recklinghausen und Münster beklagen kann, so schwerwiegend sind doch die Auswirkungen, wenn tatsächlich einmal etwas Außerplanmäßiges geschieht. So wie heute morgen…

Als ich wie gewohnt um kurz nach 7 am Recklinghäuser Hauptbahnhof den Bahnsteig betrat schien alles auf eine normale Fahrt zur Arbeit hinauszulaufen. Der schon reflexartige erste Blick auf die Anzeigetafel an Gleis 2 informierte mich über die planmäßige Abfahrt der RB42 nach Münster um 7:09. Um 7:09 erschien die verhasste Laufschrift am oberen Rand und verkündete 10 Minuten Verspätung. Eine Durchsage war nicht zu vernehmen, weder von der automatischen noch von einer realen Stimme. Im 5-Minuten-Takt erhöhte sich die Angabe auf der Tafel, bis sie bei 20 Minuten angelangt war. Kurz darauf wechselte die Anzeige auf den RE2 um 7:37. Wiederum ohne Durchsage. Man konnte nur vermuten, dass die Regionalbahn komplett gestrichen worden war. Irgendwann ertönte dann doch etwas aus den Lautsprechern, das allerdings aufgrund eines gerade durchfahrenden Güterzugs nicht zu verstehen war. Kurz darauf wurde es wiederholt, und die Wartenden erfuhren dass der RE2 nun auch 15 Minuten Verspätung hatte. Die Anzeige auf dem blauen Display wechselte zu meinem Erstaunen wieder auf die RB42 und gab für diese nun 30 Minuten an. Die Zahl erhöhte sich auf 40 und änderte sich dann nicht mehr, auch als 7:49 verstrichen war. Um kurz vor 8 rollte der Zug von Richtung Süden heran, und alle Anwesenden machten sich bereit zum Einsteigen. Umsonst, denn der Zug fuhr ungebremst weiter ohne anzuhalten. Das Display am vorderen Wagen zeigte „RB42 Münster“. Die Reaktion der Leute war insgesamt überraschend temperamentlos aber doch deutlich. Ich amüsierte mich ein wenig über eine Jugendliche, die sich telefonisch von ihrer Mutter die Erlaubnis einholte, nach einer Stunde Wartezeit am Bahnsteig die Schule zu schwänzen.

Zwischenzeitlich prangte auf der Anzeigetafel wieder der RE2 – jetzt mit 25 Minuten Verspätung. Es folgten noch 2 Durchsagen, die für die beiden nachfolgenden Züge nach Haltern bzw. Münster ebenfalls Verspätungen ankündigten. Die Angabe auf der Tafel wurde noch auf 30 Minuten erhöht, und tatsächlich fuhr der RE2 um ca. 8:07 ein. Damit hatte ich eine geschlagene Stunde auf eine Zugverbindung Richtung Münster gewartet, war ebenso viel später auf der Arbeit, musste auf die Hälfte meiner Mittagspause verzichten und eine halbe Stunde später Feierabend machen. Der Grund für all die Verspätungen waren (laut Anzeigetafel) „Verzögerungen im Betriebsablauf“. Besten Dank, Deutsche Bahn :-/

« Vorherige SeiteNächste Seite »