Essen – mit dir fing alles an. Du gabst mir meinen ersten echten Eindruck vom Ruhrgebiet. Und ich war noch nicht einmal deshalb dort, sondern wollte nur die Loveparade besuchen, die 2007 in dir stattfand. Aber natürlich nutzte ich die Gelegenheit, um mich ein wenig in deiner Innenstadt umzusehen. Und was ich sah, gefiel mir auf Anhieb. Ich hatte das Gefühl in einer richtigen Metropole zu sein. Die großzügig angelegte Fußgängerzone und die großen Plätze fand ich sofort toll. Die Stimmung die herrschte und die Menschen die sich tummelten gaben mir ein angenehmes Gefühl.

Essen Kennedyplatz 2007

Ich bin seitdem oft in dir gewesen. Manchmal für Einkaufsbummel (z. B. im Limbecker Platz oder auf dem großen Trödelmarkt bei IKEA), mal um mir Dinge anzusehen, um jemanden zu besuchen oder nur so zum Spaß. Aber immer war ich gerne da! Deine Einwohner sind ein bunt gemischtes Volk. Man sieht alle möglichen Typen von Menschen… skatende Kiddies, schleichende Senioren, piefige Ehepaare, gepiercte Mittzwanziger bis -dreißiger, herumlungernde Punks, überstylte Bitches, und zwischendrin natürlich die unauffälligen Standard-Ruhrpott-Assis. Ich liebe es!

Deine City ist bei weitem nicht alles, was dich ausmacht. Du bestehst aus vielen sehr unterschiedlichen Stadtteilen. An dir lässt sich im Vergleich zu deinen Nachbarn am deutlichsten das charakteristische Süd-Nord-Gefälle des Ruhrgebiets erkennen. Die A40, die mitten durch dein Zentrum verläuft, stellt eine geografische Trennlinie dar. Dein Norden ist irgendwie karg und schroff und noch sehr vom Industriezeitalter geprägt. Altenessen und Katernberg sind keine Gegenden, in denen man eine hohe Lebensqualität erwarten kann. Doch gerade dort liegt die Zeche Zollverein – Weltkulturerbe, Standort des neuen Ruhrmuseums und eine meiner Lieblings-Locations der gesamten Region. Nicht nur zur jährlichen Extraschicht, wenn das ganze Gelände fantastisch illuminiert ist, sondern auch einfach so zum Herumspazieren… oder zum Erkunden der Katakomben unter der Kokerei. 😉 Auch der im letzten Jahr dort veranstaltete Weihnachtsmarkt mit ziemlich eigenwilligem Krippenspiel war nach meinem Geschmack. Was ein Erfahrungsfeld sein soll, ist mir bis heute noch nicht so ganz klar…

Essen - Loveparade 2007

In deinem Osten kenne ich Steele und Kray – für mich eher nichts sagende Stadtteile. Was mir von Kray in Erinnerung geblieben ist, ist das krummste und verwinkeltste Zechenhäuschen, das ich in meinem bisherigen Leben gesehen habe.
Deinen Westen kenne ich so gut wie gar nicht aber liebe deinen Süden, der schon ans Bergische Land grenzt. Rüttenscheid hat Stil, die Margarethenhöhe ist wie eine Insel wo irgendwie alles anders ist als außenrum, Bredeney erscheint mir ganz nett aber etwas altmodisch, von Kupferdreh bin ich total angetan (warum auch immer), auch Kettwig ist nicht übel (obwohl ziemlich abgelegen), und der Baldeneysee ist ein kleines Naherholungs-Paradies.

Du liegst nicht nur geografisch im Zentrum des Ruhrgebiets sondern stellst in meinen Augen auch dessen „Hauptstadt“ dar – und das nicht nur im Rahmen der vergangenen europäischen Kulturhauptstadt 2010. Du hast viel zu bieten, bleibst aber trotzdem irgendwie bescheiden. Du willst keine Weltstadt sein und wirst es wohl auch nie werden. Aber wozu auch? Du bist die Ruhrstadt, und das reicht doch!

Essen - Zeche Zollverein 2011