1999 – ach jaaa, das war noch was, damals… Ich war gerade mal 18 und das allererste mal in Berlin. Es war eine relativ spontane Aktion. Sie passte irgendwie in die späten 90er Jahre und ins späte Teenager-Alter. Einmalig, unwiederholbar und absolut prägend.
Wir hatten von dieser bekannten Veranstaltung namens Loveparade gehört, die jeden Sommer irgendwo in Berlin stattfand. Und was wussten wir von Berlin? Hauptstadt halt, irgendwie ziemlich groß, ziemlich weit weg “so da oben rechts”, aber viel mehr dann auch nicht. Immerhin – es waren Sommerferien, das Wetter war gut, es gab keine Verpflichtungen denen wir nachkommen mussten und niemanden der uns aufhalten konnte. Die Deutsche Bahn hatte noch “Guten-Abend-” und “Schönes-Wochenende-Tickets” im Angebot, die erschwingliche Fahrten kreuz und quer durch die Republik ermöglichten. Wir waren zu zweit – mein Cousin und ich – und hatten uns vorgenommen mal nach Berlin auf die Loveparade zu gehen.
Zur Fortbewegung die Bahntickets, zum Schlafen ein geliehenes Zelt – an mehr dachten wir tatsächlich damals nicht. Und es funktionierte! Einmal vom Westerwald nach Berlin und zurück, ohne großen Plan, einfach so. Probleme entstehen eben meistens nur dann wenn man Zweifel hat. Wir kamen erst tief in der Nacht in Berlin an, am Bahnhof Zoo natürlich. Der war uns ein Begriff, und deshalb war es aufregend plötzlich mittendrin zu stehen. Wir brauchten die “Bändchen”, so viel wussten wir. Mit denen konnte man das ganze Wochenende über alle öffentlichen Verkehrsmittel im Bereich der BVG nutzen. Und wir wollten auf keinen Fall die restliche Nacht in diesem berüchtigten Bahnhof verbringen. Vor dem Ausgang wuselten aber einige mobile Verkäufer herum, bei denen man die begehrten Bändchen und diverse Fressalien bekommen konnte.
Der Rest ist Geschichte, und die werde ich niemals vergessen. Morgens wildes Campen am Rand der Metropole, ab mittags 1 Million Menschen im Tiergarten, strahlender Sonnenschein, Durst, am Abend ganz vorne stehen direkt unterhalb der kleinen DJ-Kapsel, Bewegung, Licht, Bässe, zum Schluss an- und abschwellendes weißes Rauschen. Das war die Loveparade, das war Berlin, das waren wir.
Auf die beschwerliche Rückreise will ich jetzt nicht eingehen, wohl aber auf den gescheiterten Versuch die Erfahrung zu wiederholen. Es müsste 2002 gewesen sein, wir waren diesmal zu dritt – mein Bruder war mit von der Partie. Wir traten im Partnerlook auf: Rote Klamotten und rot gefärbte Haare, die irgendwie nach oben gestylt waren, nach Nuller-Jahre-Manier. Das erwartete Feeling wollte sich aber nicht so recht einstellen. Für die Hin- und Rückfahrt hatten wir Plätze in einem speziell gecharterten Reisebus gebucht. Die meisten Insassen waren jünger und schienen eine andere Partykultur zu haben als wir. Die Fahrten/Übernachtungen im Bus waren langatmig und nervig, Berlin war für uns nix Neues mehr, es waren viel zu wenige Leute da, und irgendwie war auch das Wetter nicht so toll. Selbst die geschossenen Fotos waren nur noch was für die Tonne, da die (analoge) Kamera wohl vorher schon was abbekommen hatte. Alles in allem bot die Loveparade in jenem Jahr nichts was bei mir intensive Erinnerungen hinterlassen hat.
Irgendwann kam das Aus für Berlin… Und dann war auf einmal die Rede vom Ruhrgebiet. Ich hatte das Thema Loveparade für mich schon abgehakt und nicht weiter verfolgt. Deshalb erreichten mich 2007 die Informationen über das Revival in Essen erst ziemlich spät. Ich war jobmäßig gerade neu in Düsseldorf angekommen, und mein damaliger Vorgesetzter hatte in unserem Büro ein Plakat angebracht, das ich zwar nebenbei registriert aber nicht näher studiert hatte. Irgendwann fiel mein Blick dann doch einmal etwas länger darauf, und eine kurze Recherche im Internet führte zu Tage dass der Termin für die Loveparade 2007 am darauf folgenden Samstag war und das ganze in Essen stattfinden würde. Ähnlich spontan wie beim ersten mal entschied ich, mir die Gelegenheit nicht entgehen zu lassen. Durch die geografische Nähe war außerdem keine wirkliche Planung nötig.
Diesmal war ich allein unterwegs. Mit dem Zug nach Essen zu kommen war kein großes Problem, und es war mein erster Besuch in dieser Stadt. Tatsächlich war wieder ein Quäntchen des 99er-Gefühls zu spüren, weil sich ein paar Dinge wiederholten. Das Wetter war in etwa das gleiche, die Besucherzahl wurde sogar noch übertroffen, und es kam sogar ein wenig Rave-Atmosphäre auf. Ich hatte erwartet dass die Veranstaltung einen völlig anderen (vor allem kommerzielleren) Charakter haben würde als seinerzeit in Berlin, wurde jedoch angenehm überrascht. Natürlich war das Bühnengebilde übertrieben und irgendwie größenwahnsinnig, aber nicht weniger beeindruckend. Die Musik, die zur “Abschlusskundgebung” über den Berliner Platz schallte (Nomen est Omen!), hatte nicht viel kommerzielles und erinnerte an die alten Elektro-Zeiten. Leider konnte ich nicht bis zum Ende bleiben. Aber ich erfuhr am eigenen Leib, warum eine Berliner Veranstaltung sich nicht mal eben so an einen anderen Ort verlagern lässt. Die Platzverhältnisse sind einfach zu unterschiedlich. Mangels Alternativen nutzten fast alle Besucher den Essener Hauptbahnhof zur An- und Abreise. Dieser war für das Menschenaufkommen an diesem Tag rein architektonisch alles andere als geeignet. Man hatte das Gefühl in einem großen Fleischwolf zu sein. Von einer Seite strömte alles trichterförmig in einen engen Tunnel hinein und aus mehreren noch engeren Öffnungen in mehr oder weniger zerdrücktem Zustand wieder hinaus. Ich war heilfroh wieder in einem Zug zu sitzen, der mich an einen anderen Ort bringen konnte, auch wenn ich wahrscheinlich den besten Teil der Veranstaltung verpasst hatte.
Ein Jahr darauf war Dortmund dran, ein Besuch der dortigen Loveparade war von mir fest eingeplant, und ich hatte sogar wieder einen Mitstreiter. Im Vorfeld war zu lesen gewesen dass man die Verkehrssituation diesmal systematisch entschärfen wollte, indem Bahnreisende je nach Abfahrtsort über verschiedene Bahnhöfe geschleust werden sollten. Wir wollten besonders schlau sein und stellten das Auto im nahe gelegenen Hagen ab, um von dort aus per Bahn in den Hexenkessel zu fahren. Die Züge aus Hagen landeten aber ausgerechnet im Dortmunder Hauptbahnhof, wo natürlich die Hölle los war. Entsprechend überlastet waren die Bahnstrecken, so dass man zeitweise im völlig überfüllten Zug festsaß, während dieser darauf wartete weiterfahren zu dürfen. Das Wetter war leider sehr wechselhaft. Als wir gerade vor den Westfalenhallen angekommen waren gab es einen Wolkenbruch sondergleichen, der den ohnehin nicht richtig aufkommen wollenden Spaß komplett vernichtete. Die B1 als geplantes Äquivalent zur Straße des 17. Juni konnte nicht überzeugen. Man fühlte sich permanent gefangen, weil es praktisch keine Ausweichmöglichkeiten gab und die Bundesstraße bis auf wenige Zugänge hermetisch abgeschirmt war. Auf dem Messegelände verlief sich die Menge ein wenig, aber das ganze Areal war sehr unübersichtlich. Reichlich gefrustet machten wir uns schon am Nachmittag wieder auf den Heimweg. Wir hatten Glück gerade einen passenden Zug zu erwischen und einer vorübergehenden Komplettsperrung des Hauptbahnhofs zu entgehen. Die Abschlusskundgebung konnten wir noch teilweise am Fernseher verfolgen. Die Show war für meinen Geschmack nicht übel. Ein Bekannter, der sie bis zum Ende vor Ort verfolgt hatte, erzählte mir später dass die Stimmung noch richtig gut geworden war.
Tja, und nach dem Bochumer Aussetzer in 2009 steht nun die Duisburger Version der Loveparade unmittelbar bevor. PR-mäßig ist sie schon vorher ein Erfolg gewesen. Lange genug stand sie offiziell auf der Kippe, um dann schließlich doch mit Hilfe der “Community” gerettet zu werden. Man fragte sich indessen, wo um alles in der Welt man in Duisburg den Platz für eine solche Riesenveranstaltung schaffen wollte, nachdem sich die beiden Vorgänger im Ruhrpott glimpflich geschlagen hatten. Mein erster spontaner Einfall war eine gesperrte A59 für die “Floats” und eine Abschlusskundgebung im Innenhafen oder dergleichen. Denkbar, aber offenbar nicht realisierbar. Irgendwann geisterte die Meldung durch die Medien, ein Gelände in der Nähe des Hauptbahnhofs sei nun für das Event vorgesehen. Aha, Hauptbahnhof also. Macht logistisch betrachtet Sinn, weil die Massen dann nicht durch die halbe Innenstadt geschleust werden und dafür etliche Straßen und Wege gesichert werden müssen. Macht wirtschaftlich betrachtet Sinn, weil das Duisburger Stadtzentrum mit seiner Königstraße quasi sauber von der Großveranstaltung getrennt und der normale Shoppingbetrieb munter weiter gehen kann, während die Raver in ein abgeriegeltes Gelände gepresst werden. Sozusagen in einen Fleischwolf ohne Lochscheibe. Wenn man sich das bildlich vorstellt, möchte man sich gar nicht vorstellen wie es sich anfühlt. Angesichts der Tatsache, dass laut offizieller Aussage des Veranstalters das Gelände maximal 500.000 Menschen fassen kann und bei gutem Wetter mindestens die doppelte Anzahl erwartet wird. Ach ja, und offenbar gibt es nur einen einzigen Ein- und Ausgang. Was wäre wenn es auf dem Gelände zu einem Vorfall käme, zum Beispiel gewalttätiger Art? Eine Massenpanik benötigt keinen großen Auslöser. Da die Organisatoren dies ja mit Sicherheit bedacht haben, kann man damit rechnen dass es entsprechend strenge Zugangskontrollen geben wird. Und wenn man schon mal dabei ist die Besucher auf Waffen und Ähnliches zu filzen kann man auch direkt sämtliche mitgebrachten Getränke aus dem Verkehr ziehen.
Womit die Loveparade schließlich zu einem von vielen Open-Air-Festivals mutiert ist. Keine Floatstrecke über breite Straßen mehr, kein Chillen im Grünen wenn man müde vom Tanzen ist. Stattdessen ein trostloses, mal eben auf die Schnelle mit grobem Schotter geplättetes ehemaliges Güterbahnhofsgelände abseits der City, auf das die feiernde Gemeinde abgeschoben wird. Vor ein paar Tagen konnte ich vom Zug aus einen kurzen Blick auf das Gelände werfen und möchte dazu nur sagen: Es sah provisorisch, armselig und vor allem viel zu klein aus. Es schien komplett von Bauzäunen umgeben zu sein und hatte schon rein optisch absolut gar nichts mit den Locations zu tun, an denen bisher die Loveparade stattgefunden hat.
Sollte ich morgen den Weg nach Duisburg finden und tatsächlich auf dem eben beschriebenen Gelände landen, werde ich zumindest davon garantiert enttäuscht sein. Was nicht heißen muss dass es den meisten Besuchern so gehen wird. Ich könnte mir gut vorstellen dass die heutige U-20-Generation Veranstaltungen wie die Original-Loveparade nie erlebt hat und an Festivals mit Absperrungen, Einlasskontrolle und Getränkeverbot gewöhnt ist. Und genau diese Generation wird vermutlich den größten Teil der Besucherschaft ausmachen.
Dass unser guter Herr Lenz (aka Westbam) bis zu diesem Jahr gewartet hat um sein Abschiedsständchen zu geben, ist mehr als unglücklich. Aber irgendwann muss er diesen Schritt schließlich gehen, und es kann eigentlich nur noch schlimmer werden für ihn. Die Generation, die ihn zu seinen besten Zeiten begeistert gefeiert hatte, sitzt heute größtenteils im Büro oder bei der Familie und ist zu Silbermond, Unheilig oder ähnlichem Seicht-Rock konvertiert. Eigentlich möchte ich mir Westbams Abschiedsfeier gar nicht live ansehen, allein schon aus Angst vorm Fremdschämen. Ein Techno-Veteran, der sich vor einem Publikum, das ihn womöglich gar nicht kennt, um Beachtung bemüht – das wollen wir nicht wirklich sehen. Ich hoffe für ihn, dass seine Euphorie über das ganze Brimborium um seine Person ihn das nicht bemerken lässt…
Ja ja, die Loveparade – wo ist sie hin? Ein Teil von ihr bleibt bestehen… in meinen Erinnerungen an den Sommer ’99.
Der Sommer ist da. Und zwar sowas von! Die Luft erreicht im Schatten und im Freien an manchen Tagen locker Temperaturen in den Mittdreißigern. In der Sonne und in geschlossenen, ungekühlten Räumen kann es noch deutlich mehr werden.
Wie geht das größte deutsche Verkehrsunternehmen damit um? Wie sich – zum Teil sogar mit öffentlicher Resonanz – herausgestellt hat, oftmals gar nicht. Der Fall der Schülergruppe, die nach dem Ausfall der Klimaanlage im ICE bei rund 50 Grad das Bewusstsein verlor, wurde von den Medien ausgiebig breit getreten und zieht zum Glück nun Ermittlungen der Bundespolizei sowie eine Untersuchung seitens der Bundesregierung nach sich. Mittlerweile stellte sich ja sogar heraus, dass sich seit dem Wochenende zig ähnliche Vorfälle ereignet haben und die verbauten Klimaanlagen systematisch bei hohen Temperaturen versagen. Die Aufmerksamkeit richtet sich nun natürlich zunächst einmal auf Fernzüge, die bekannermaßen deutlich mehr Komfort und Service bieten als der öffentliche Nahverkehr und von den Fahrgästen mit entsprechenden Aufpreisen belohnt werden müssen. Ganz automatisch stellt sich die Frage, wie sich der Temperaturzustand wohl in den roten “Bummelzügen” der Deutschen Bahn darstellt, wenn schon in InterCitys und ICEs massiv die Gesundheit der Fahrgäste gefährdet wird.
Ich nutze an den meisten Werktagen die RegionalBahn, um zur Arbeit und zurück zu gelangen, und verbringe daher an diesen Tagen in der Regel ca. 1 Stunde in Nahverkehrszügen. In diesem Sommer musste ich bisher glücklicherweise noch keinen Bahn-bedingten Hitzeschock erleiden. Was aber nicht bedeutet dass es in diesen Zügen kein Temperaturproblem gibt. Die auf meiner Stammstrecke eingesetzten Wagen sind allesamt von neuerem Baujahr und verfügen über Klimaanlagen. Das muss freilich nicht bedeuten dass diese auch immer eingeschaltet sind.
Es gibt 2 triviale Methoden, um in Zügen Luftzirkulation herbeizuführen: 1. die Nutzung der Kühlaggregate und 2. das Öffnen der Fenster. Letzteres sorgt logischerweise nicht für Abkühlung, ist aber bei nicht vorhandener oder abgeschalteter Klimaanlage eine willkommene (wenn auch minderwertige) Alternative. Bisher war ich der Meinung, dass in klimatisierbaren Zügen die Fenster – wenn überhaupt – nur mit Hilfe eines “Spezialwerkzeugs” geöffnet werden können. Das macht natürlich irgendwo Sinn, da die gekühlte Luft durch offene Fenster entweichen und warme Luft von außen hereinströmen würde. In den letzten Tagen musste ich allerdings feststellen, dass in den von mir benutzten Regionalzügen einzelne Fenster geöffnet waren.
Auch gestern auf der Heimfahrt war das wieder der Fall, und im Zug war es ebenso drückend warm wie draußen. Ich fand die eintretende Luftströmung zwar ganz angenehm, fragte mich aber im selben Moment warum scheinbar bei einer Außentemperatur von über 30 Grad die Klimaanlage nicht lief. Doch halt – tat sie das wirklich nicht? Ein Probegriff an die Wandverkleidung über dem Fußboden ließ mich einen deutlich kühlen Hauch verspüren! Die Aggregate liefen also doch. Aber was sollen sie bringen, wenn bei Tempo 100 die ganze Zeit heiße Luft von außen durch die offenen Fenster herein gepresst wird? Diese Frage sollte die Deutsche Bahn am besten selbst beantworten, aber leider habe ich da meine Zweifel ob sie das kann. Es ist vielleicht wieder eine Ironie des Schicksals oder einfach nur Bahn-Logik: In den Fernzügen mit defekter Klimaanlage gibt es keine Fenster die sich öffnen lassen, während in Nahverkehrszügen in denen sie einwandfrei funktioniert die Fenster anscheinend von “dummen” Fahrgästen jederzeit geöffnet werden können.
Bahn oh Bahn, wir sind von dir begeistert.
So wenig man sich im Grunde über die Bahnverbindung zwischen Recklinghausen und Münster beklagen kann, so schwerwiegend sind doch die Auswirkungen, wenn tatsächlich einmal etwas Außerplanmäßiges geschieht. So wie heute morgen…
Als ich wie gewohnt um kurz nach 7 am Recklinghäuser Hauptbahnhof den Bahnsteig betrat schien alles auf eine normale Fahrt zur Arbeit hinauszulaufen. Der schon reflexartige erste Blick auf die Anzeigetafel an Gleis 2 informierte mich über die planmäßige Abfahrt der RB42 nach Münster um 7:09. Um 7:09 erschien die verhasste Laufschrift am oberen Rand und verkündete 10 Minuten Verspätung. Eine Durchsage war nicht zu vernehmen, weder von der automatischen noch von einer realen Stimme. Im 5-Minuten-Takt erhöhte sich die Angabe auf der Tafel, bis sie bei 20 Minuten angelangt war. Kurz darauf wechselte die Anzeige auf den RE2 um 7:37. Wiederum ohne Durchsage. Man konnte nur vermuten, dass die Regionalbahn komplett gestrichen worden war. Irgendwann ertönte dann doch etwas aus den Lautsprechern, das allerdings aufgrund eines gerade durchfahrenden Güterzugs nicht zu verstehen war. Kurz darauf wurde es wiederholt, und die Wartenden erfuhren dass der RE2 nun auch 15 Minuten Verspätung hatte. Die Anzeige auf dem blauen Display wechselte zu meinem Erstaunen wieder auf die RB42 und gab für diese nun 30 Minuten an. Die Zahl erhöhte sich auf 40 und änderte sich dann nicht mehr, auch als 7:49 verstrichen war. Um kurz vor 8 rollte der Zug von Richtung Süden heran, und alle Anwesenden machten sich bereit zum Einsteigen. Umsonst, denn der Zug fuhr ungebremst weiter ohne anzuhalten. Das Display am vorderen Wagen zeigte “RB42 Münster”. Die Reaktion der Leute war insgesamt überraschend temperamentlos aber doch deutlich. Ich amüsierte mich ein wenig über eine Jugendliche, die sich telefonisch von ihrer Mutter die Erlaubnis einholte, nach einer Stunde Wartezeit am Bahnsteig die Schule zu schwänzen.
Zwischenzeitlich prangte auf der Anzeigetafel wieder der RE2 – jetzt mit 25 Minuten Verspätung. Es folgten noch 2 Durchsagen, die für die beiden nachfolgenden Züge nach Haltern bzw. Münster ebenfalls Verspätungen ankündigten. Die Angabe auf der Tafel wurde noch auf 30 Minuten erhöht, und tatsächlich fuhr der RE2 um ca. 8:07 ein. Damit hatte ich eine geschlagene Stunde auf eine Zugverbindung Richtung Münster gewartet, war ebenso viel später auf der Arbeit, musste auf die Hälfte meiner Mittagspause verzichten und eine halbe Stunde später Feierabend machen. Der Grund für all die Verspätungen waren (laut Anzeigetafel) “Verzögerungen im Betriebsablauf”. Besten Dank, Deutsche Bahn :-/
Auch wenn ich seit dem letzten Monat wieder per Bahn zur Arbeit pendle, lohnt es sich nicht wirklich einen täglichen Blog darüber zu pflegen. Denn die Strecke zwischen Recklinghausen und Münster ist tatsächlich kaum von Störungen betroffen. Außer am 15.04.2010… Und das nehme ich zum Anlass, mich hier erneut ausführlich zur Deutschen Bahn auszulassen.
Wie gewohnt stand ich um viertel nach fünf nachmittags am Bahnsteig in Senden-Bösensell, um die 17:20er Regionalbahn (RB42) zu nehmen, die von Münster nach Essen fährt. Der Zug kam pünktlich, was an sich gar nicht ungewöhnlich ist. Wie immer kramte ich am Sitzplatz meine Kopfhörer heraus, um mir mit Musik die Zeit zu verkürzen. Gleichzeitig wollte ich noch eine Email zu Ende schreiben und war dadurch etwas vertiefter als sonst.
Nach drei Stationen hielt der Zug in Dülmen. Bis hierher also alles noch normal. Es wunderte mich etwas, dass er nicht gleich weiter fuhr und dass vereinzelt Leute, die gerade eingestiegen waren, den Zug wieder verließen. Aber da ich noch eine gewisse Anzahl an Fahrgästen auf ihren Plätzen erblicken konnte, ging ich nur von einer “normalen” Betriebsstörung aus, welche die Weiterfahrt etwas verzögern würde. Nach ca. 10 Minuten setzte sich der Zug dann auch wieder in Bewegung… allerdings zu meinem Entsetzen in die Richtung, aus der er gekommen war! Nun wurde ich doch etwas unruhig und stieg natürlich bei der nächsten Station (Buldern) aus. An jenem Bahnhof ist es recht umständlich den Bahnsteig zu wechseln, doch ich hatte genug Zeit, zumal der nächste Zug Richtung Recklinghausen noch nicht nahte.
Die mobile Fahrplanauskunft des VRR zeigte für den RE2 nach Mönchengladbach eine Verspätung von 4 Minuten an, was sich so weit als relativ korrekt erwies. Jedoch war dort nicht zu erkennen, was kurz nach der Abfahrt in Buldern im Zug durchgesagt wurde: Auch diese Fahrt sollte in Dülmen enden und nach kurzem Aufenthalt wieder zurück nach Münster gehen. Als Grund wurde ein “Personenunfall” zwischen Dülmen und Sythen genannt, und es wurde auf einen Schienenersatzverkehr bis Haltern hingewiesen. Der Bahnsteig in Dülmen war voller Menschen, die alle in einen schmalen Treppenaufgang strömten. Ich strömte erstmal mit und landete am Busbahnhof, wo sich aber just kein einziger Bus befand. Ein gestikulierender Uniformträger wies die Menschenmenge in Richtung einer Haltestelle, an der gleich der nächste Bus einfahren solle. Also positionierte ich mich schon einmal strategisch, um möglichst unter den ersten Einsteigenden zu sein. Einige Minuten später winkte der Uniformierte von einem Treppenabsatz aus herüber und lotste die Wartenden hinunter zu einem Parkplatz, wo sich tatsächlich ein Bus eingefunden hatte. Ich war bei den letzten, für die noch Stehplätze zur Verfügung standen. Die restliche Menschenmasse wurde auf spätere Busse vertröstet. Die Türen schlossen sich, und wegen mangelnder Luftzufuhr wurde es sofort stickig.
Der Bus bewegte sich im Schneckentempo vorwärts und brauchte eine gefühlte Ewigkeit, um überhaupt die Stadt Dülmen hinter sich zu lassen. Da er auch den Bahnhof Sythen anfahren sollte, wählte der Fahrer kleine Nebenstraßen mit Kreisverkehren und Ampeln ohne Ende. Nachdem in Sythen ein einziger Passagier den Bus verlassen hatte, waren sich alle anderen einig dass sich der zeitraubende Umweg nicht gelohnt hatte. Eine junge Frau erzählte etwas von einer S-Bahn, die laut Fahrplan um 18:33 in Haltern abfahren sollte, und ich entschloss mich diese zu nehmen und bis Gelsenkirchen-Hassel zu fahren, wenn der Bus rechtzeitig ankäme. Das war nicht der Fall, und die Linie S9 fährt nur stündlich in Haltern ab.
Die Bahnsteige füllten sich mit den Menschen aus den Bussen, und alle standen mehr oder weniger ratlos herum. Ein älterer Mann, der gerade angekommen war, fragte ob es schon eine Durchsage gegeben hätte. Ich antwortete ihm: “Keine Einzige”.
Irgendwann rollte aus Süden ein Regionalexpress herein und hielt. Einige Fahrgäste stiegen aus, doch die meisten blieben sitzen. Die Aussteigenden wurden gefragt ob es im Zug eine Durchsage gegeben hätte, wohin die Fahrt weiter gehen sollte. Eine Passagierin, die leicht verwirrt schien, meinte der Zug solle wohl erst einmal etwa 15 Minuten warten, und bis dahin solle entschieden werden in welche Richtung er weiter geschickt würde. Es herrschte allgemeine Ratlosigkeit. Ich gesellte mich zu einer Gruppe, die sich um einen älteren Bahn-Mitarbeiter geschart hatte. Jener schien als Reaktion auf die Fragen der Leute ein wenig die Geduld zu verlieren, da er selbst genauso desinformiert war wie alle anderen Anwesenden. Einen Teil seines recht expressiven Statements konnte ich auf Video festhalten. Ich denke den Worten dieses Herrn ist nichts hinzuzufügen.
Video: Bahn-Mitarbeiter in Haltern
Für kurze Erheiterung sorgte eine automatische Lautsprecherdurchsage “Willkommen in Haltern”, die ohne jeden Zusammenhang ertönte. Ein paar Minuten darauf folgte eine weitere Durchsage – diesmal von einer realen Stimme -, die verkündete dass der Regionalexpress in Kürze wieder in Richtung Mönchengladbach abfahren würde. Hallelujah! Unmittelbar begann der Zug sich weitgehend zu entleeren, da dessen Insassen offenbar fast alle weiter in Richtung Münster wollten. Ich stieg zusammen mit den anderen Reisenden ein, deren Ziel weiter südlich lag. Der Zug setzte sich kurz darauf extrem langsam in Bewegung, blieb noch einmal stehen und fuhr dann in normalem Tempo los. Die zwei verbleibenden Stationen bis Recklinghausen wurden in der üblichen Zeit zurückgelegt.
Statt einer halben Stunde benötigte ich an diesem denkwürdigen Tag etwa mehr als zwei Stunden, um von Bösensell nach Recklinghausen zu gelangen. Ich will hoffen dass solche Tage in Zukunft die Ausnahme bleiben…
Zum Glück kommt es nicht mehr allzu oft vor, dass ich (außer für meinen Weg zur Arbeit) den öffentlichen Nahverkehr nutze. Nebenbei bemerkt: Der Fernverkehr der Deutschen Bahn ist für mich im Prinzip gar kein Thema mehr (da unrentabel)! Da ich aber nun doch nach längerer Abstinenz wieder ein Wochenende im Westerwald verbringen wollte, war es nötig die Dienste des Nahverkehrs in Nordrhein-Westfalen in Anspruch zu nehmen. Nach wie vor bin ich im Besitz eines Ticket2000 des VRR (welches ich momentan nicht missen möchte). Für Fahrten nach oder über Köln – also auch nach Betzdorf – hatte ich mir bislang immer 4er-Tickets des VRS besorgt, die jeweils ab/bis Langenfeld gültig sind und mir in Verbindung mit dem VRR-Abo durchgehende Fahrten von/nach Düsseldorf ermöglichen. Ein Problem dabei war schon bisher immer gewesen, dass reine VRS-Tickets nur an Bahnhöfen des VRS-Verbundgebiets verfügbar sind. Aus diesem Grund hatte ich bereits mehrmals auf der Fahrt von Düsseldorf nach Betzdorf einen Zwischenstopp in Langenfeld eingelegt, um mir dort am Automaten ein 4er-Ticket zu kaufen.
So hatte ich es auch letzten Freitag wieder geplant und stieg nach Feierabend in die S6 ein, die auch in Langenfeld hält. Mein Ticket2000 ist an Werktagen erst ab 19 Uhr außerhalb von Düsseldorf gültig, allerdings sehe ich es nicht ein, für ca. 2 km Fahrtstrecke zwischen D-Hellerhof und Langenfeld-Berghausen ein Zusatzticket für €2,30 zu kaufen. Ich stieg allerdings gleich in Berghausen aus, um die geringe Wahrscheinlichkeit in eine Kontrolle zu geraten nicht mehr als nötig herauszufordern. Der Fahrkartenautomat am Bahnsteig irritierte mich schon beim ersten Anblick leicht, da er lediglich einen VRR- und keinen VRS-Aufkleber hatte. Das Display jedoch versprach auf dem Button oben rechts Tickets zum VRR- und VRS-Tarif. Nach Tippen darauf war aber wiederum kein Hinweis auf den VRS auszmachen. Ich hatte lediglich die Möglichkeit eine VRR-Preisstufe oder ein Fahrtziel auszuwählen. Also tippte ich auf Fahrtziel und danach auf B und E (für Betzdorf). Prompt erschienen ein paar Orte zur Auswahl, unter denen sich aber leider nicht Betzdorf befand! Auch ein erneuter Versuch führte zum gleichen Ergebnis. Leicht verwirrt kam ich zur Vermutung, dass Berghausen wohl noch außerhalb des VRS-Gebiets liegen müsse und ärgerte mich über mein zu frühes Aussteigen. Was blieb mir anderes als mich zu Fuß in Bewegung zu setzen und zum Bahnhof Langenfeld zu wandern. Das dauerte etwas über 20 Minuten, und die nächste S-Bahn war gerade abgefahren als ich angelangte. Die dortigen Automaten boten das exakt gleiche Bild, und ich begann mich zu fragen ob die Verbundgrenze heimlich verschoben worden war. Da ich keine Möglichkeit sah an mein gewünschtes Ticket nach Betzdorf zu kommen (einen Schalter gibt es am Langenfelder Bahnhof nicht), blieb mir nichts anderes übrig als erst einmal wieder mit der nächsten S-Bahn zurück nach Düsseldorf zu fahren.
Dort begab ich mich unmittelbar ins Reisezentrum am Hauptbahnhof, um zu versuchen etwas Klarheit zu gewinnen. Der Kundenberater verstand mein Anliegen, wusste aber nichts davon dass es in Langenfeld keine VRS-Fahrkarten gäbe. Er versicherte mir, dass dies definitiv in Solingen möglich sei. Ein Bahnticket nach Betzdorf hätte er mir für ca. den doppelten Preis des aktuellen VRS-Tarifs verkaufen können, was ich selbstverständlich ablehnte.
Mir fiel die ‘Schlaue Nummer’ ein, die man jederzeit anrufen kann, wenn es um Fragen des Nahverkehrs in NRW geht. Also versuchte ich es dort einmal mit der konkreten Frage, ob es in Solingen VRS-Tickets an den Automaten gäbe. Das wurde von dem freundlichen Mann am anderen Ende heftig bejaht, also stellte ich die Frage noch einmal für Langenfeld… und bekam die gleiche Antwort. Er versicherte mir sogar, selbst in Düsseldorf sei das an bestimmten Automaten möglich. Eine wirkliche Hilfe war der Anruf im Nachhinein nicht, aber ich bedankte mich und schlug vor dass das Problem ja mal intern weiter kommuniziert werden könnte. Ich nahm mir kurz einen der beschriebenen Automaten vor, kam damit aber nicht weiter als mit allen anderen.
Also besorgte ich mir sicherheitshalber ein Zusatzticket sowie einen Fahrplan nach Betzdorf via Solingen am Automaten und stieg in die nächste S7 ein. Am Solinger Hauptbahnhof angekommen, suchte ich natürlich sofort einen Ticket-Automaten… und bekam dort wieder exakt das gleiche Bild präsentiert wie überall – kein Hinweis auf irgendwelche VRS-Tickets. Auch wenn Solingen nur einen kleinen Hauptbahnhof besitzt, gibt es dort zumindest einen Info-Schalter, der glücklicherweise auch besetzt war. Der Bahn-Mitarbeiter hörte ziemlich ungläubig meinen Erklärungen zu und stellte dann sogar die sarkastische Frage, ob ich mit Computern umgehen könne! Doch dann verließ er tatsächlich seine Kabine und geleitete mich zu einem der Automaten. Er tippte zunächst zielstrebig auf den VRR/VRS-Button und dann auf Fahrtziel. Beim Versuch Betzdorf auszuwählen hatte er natürlich ebenso wenig Glück wie ich bereits zuvor… und musste sich doch deutlich wundern. Warum denn Betzdorf nicht zur Auswahl stehe, obwohl es doch eindeutig im VRS-Gebiet liege. Er versuchte es mit Köln, aber das war natürlich die falsche Preisstufe. Ich schlug Siegen vor, aber auch das war nicht verfügbar. Es wurde aber Siegburg angeboten, und nach einem Tippen darauf erschien tatsächlich die Preisstufe 5, die ich für eine Fahrt nach Betzdorf benötigte! Und auch ein 4er-Ticket stand zur Auswahl! Der Bahn-Mensch schien ein wenig sprachlos, aber ich bedankte mich für seine Mithilfe beim Herausfinden dieses unlogischen ‘Tricks’.
Was soll man nun davon halten? Ich hatte vorübergehend die Theorie, dass es mit dem ‘NRW-Tarif’ zu tun haben könnte. Sprich: Die Bahn ließe bewusst bei den Verbund-Tickets Orte außen vor, die sich weiter weg befinden, um die Fahrgäste zu deutlich teureren Fahrpreisen zu ‘zwingen’. Aber so weit ich mich erinnern kann sind Fahrkarten für Verbindungen innerhalb eines Verkehrsverbunds auch am Automaten prinzipiell nur zum Verbund-Tarif zu bekommen, selbst wenn man es über den überregionalen Bereich versucht. Das werde ich beizeiten nochmal überprüfen. Auf jeden Fall werde ich versuchen Kontakt zum VRS aufzunehmen und das Problem detailliert schildern. Bin gespannt was man dort als Begründung angibt, dass einige Orte im Verbundgebiet nicht in den Automaten auftauchen.
Edit:
Die folgende Email-Antwort erhielt ich auf meine Anfrage hin von der “Schlauen Nummer” des VRS:
…wir haben eben von der DB RegioAG mitgeteilt bekommen, dass aufgrund einer neuen Zuordnung (Solingen = räumlich VRR) das Ziel Betzdorf an diesen Automaten als VRS-Zielort fehlt.
Aufgrund Ihrer Beschwerde – Danke für den Hinweis – wird sie eine neue Zwischenmaske entwickeln, um damit auch den kompletten VRS wieder abbilden zu können. Damit sind einige Ziele, die jetzt fehlen, wieder in der Auswahlliste der VRS-Zielorte. Leider benötigt Sie hierfür einen gewissen Zeitbedarf, bitte haben Sie etwas Geduld.
Mit freundlichen Grüßen…
Ach, um der alten Zeiten Willen nehme ich heute mal ein gewohntes Brauchtum auf, das bis vor siebeneinhalb Monaten Teil meines Alltags war: Abends im Zug sitzen und Blog schreiben. Die Zeiten haben sich geändert, und ich fahre nur noch vergleichsweise selten Bahn. Und so gut wie gar nicht mehr Intercity oder ICE. Jetzt bin ich auf dem Weg von Düsseldorf nach Betzdorf und sitze in einem Regionalexpress (‘Express’ ist natürlich Teil der altbekannten Mehdornschen Ironie). Mit meinem VRR-Ticket2000 Preisstufe A2 darf ich abends bis zur Verbundgrenze – in dem Fall Langenfeld – fahren. Glücklicherweise lässt sich dieses Ticket mit Fahrscheinen des VRS kombinieren, die wiederum ab Langenfeld gültig sind. Und mir wurde von der Deutschen Bahn sowie vom VRS zugesichert, dass man VRS-4er-Tickets bereits in Düsseldorf entwerten kann (da Regionalzüge nun mal nicht in Langenfeld halten).
Irgendwie fühlt man sich wirklich dazu verleitet, ein solches 4er-Ticket öfter als 4x zu verwenden. Gerade eben war wieder Fahrkartenkontrolle, und schon wieder wurde nur ein kurzer Blick auf den kleinen Papierfetzen geworfen, der mich über 30 Tacken gekostet hat, ohne Prüfung der Entwertungsstempel. Ich frage mich ernsthaft wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein Zugbegleiter es tatsächlich mal genauer nimmt. Vielleicht hat da jemand hilfreiche Erfahrungen…?
Heute kam es mal wieder zu einem typischen Köln-Zwischenfall. Ich hatte schon fast vergessen, wie neuralgisch der Bahnverkehr in dieser Stadt ist. Da ich weiß wie voll der Regionalexpress nach Siegen am Freitag Abend in Köln wird, steige ich lieber schon am Hauptbahnhof zu und nicht erst in Deutz… Auch wenn das bedeutet, zwei mal den Flaschenhals namens Hohenzollernbrücke überqueren zu müssen, wenn man von D.dorf kommt. In Deutz hatte mein Zug etwas über 5 Min Verspätung. Ich stand schon am Ausgang und war mit mir am ringen ob ich aussteigen oder noch bis zum Hbf weiter fahren sollte. Da es zeitlich zu klappen schien, blieb ich im Zug stehen und bangte, er möge die paar hundert Meter ohne weitere Verzögerungen zurück legen. Es sah auch gut aus. Bis auf die andere Seite der Brücke schaffte er es… und blieb dann unmittelbar vor dem Hbf über 5 Min lang stehen. Die Abfahrtszeit meines Anschlusszugs verstrich, und ich stellte mich schon auf eine Stunde sinnloses Herumlaufen um den Dom ein. Bei der Einfahrt in den Bahnhof sah ich den roten Doppeldecker nach Siegen aber noch auf seinem Gleis stehen. Also kämpfte ich mich nach dem Aussteigen ohne Rücksicht auf Verluste durch die Menschenmassen, schubste jeden der mir im Weg stand brutal zur Seite und rannte 4 Bahnsteige weiter, wo der Zug wundersamerweise noch stand! Und als ich auf den Knopf an einer der Türen drückte, ging diese auf!! Und als ich (wahrscheinlich als letzter) im Zug war, fand ich sogar einen Sitzplatz!!! Mein Pensum an Glück für den heutigen Tag dürfte nun aufgebraucht sein. Zum Glück ist er bald vorbei.
Ein Blick auf die Uhr sagt mir, dass der Zug vor 6 Min in Betzdorf sein sollte, und er ist eben erst in Wissen abgefahren. Naja egal – besser 10-15 Minuten zu spät als eine Stunde…
An dieser Stelle möchte ich noch einmal an meinen ersten Blog erinnern, in dem ich meine täglichen Erlebnisse mit der Deutschen Bahn auf dem Weg zur Arbeit und zurück schilderte. Mit meinem Umzug nach Düsseldorf wurde dieser Blog stillgelegt, da der Grund seines Bestehens damit weg gefallen war. Und das gerade zu einem Zeitpunkt als er anfing eine gewisse Beliebtheit zu gewinnen… Mir wurde vorgeschlagen, einen neuen Blog über den D.dorfer Stadtverkehr zu starten. Das hat sich allerdings bisher nie gelohnt, zumal ich mir auch ein Fahrrad zugelegt habe, mit dem sich die Strecke zur Arbeit und zurück in weniger Zeit zurück legen lässt als mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
Seit Anfang des Monats bin ich allerdings stolzer Besitzer eines “Ticket2000″ des regionalen Verkehrsverbunds VRR. Da ich über meinen Arbeitgeber einen ordentlichen Rabatt auf die Abo-Gebühr bei der Rheinbahn (dem Betreiber in D.dorf und Umgebung) bekomme, wollte ich dieses Angebot nicht ausschlagen. Und gerade jetzt, wo die kalte Jahreszeit unwiderruflich begonnen hat, ist es auch eigentlich nicht verkehrt ein solches Ticket zu besitzen, um bei Bedarf in Bussen und Bahnen mitfahren zu können.
Seit ein paar Tagen nutze ich nun manchmal eine städtische Buslinie, um zur Arbeit zu gelangen. Laut Fahrplan soll die Fahrtzeit 21-22 Minuten betragen. Leider kann man mit dieser Angabe nicht kalkulieren. Morgens hat der Bus prinzipiell Verspätung und benötigt wegen des Berufsverkehrs wesentlich mehr Zeit. Einmal kam er bisher gar nicht, und ich musste 20 Minuten lang auf den nächsten warten. Als ich letzte Woche einmal eine andere Strecke mit dem Bus fahren wollte kam dieser 3 Minuten zu früh, weil der Fahrer Zeit gewinnen wollte um an einer späteren Haltestelle eine ausgedehnte Zigarettenpause einlegen zu können.
Heute brauchte ich fast eine ganze Stunde, um von der Arbeit nach Hause zu gelangen. Bevor ich Feierabend machte, checkte ich noch einmal kurz die Website des VRR, und dort wurde der Bus als pünktlich angezeigt. Also hetzte ich zur Haltestelle und stellte fest dass er dort nicht auf der Anzeigetafel zu sehen war. Was auch korrekt war, denn er kam nicht. Ich wartete ca. 10 Minuten auf die nächste Straßenbahnlinie in meinen Stadtteil. Die Bahn war auch nicht allzu voll und die Fahrt recht angenehm. Bis auf einmal die Anzeige wechselte und ein “E” erschien. Wer regelmäßig öffentliche Verkehrsmittel in Städten benutzt, weiß dass dies ein schlechtes Zeichen ist… Und so endete die Fahrt vier Haltestellen vor dem eigentlichen Zielpunkt. Was blieb mir anderes als den restlichen Weg zu Fuß zu gehen? Zwar kam zwischendurch noch ein Bus an mir vorbei, der mich bis fast nach Hause hätte bringen können, doch natürlich befand ich mich in jenem Moment irgendwo zwischen zwei Haltestellen und konnte nicht einsteigen. Zu allem Überfluss fing es auch noch an zu regnen.
Nach ein paar Tagen “Test” der Rheinbahn bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass sie einem nur wertvolle Zeit stiehlt. Ich werde also weiterhin wann immer möglich mein Fahrrad für die Fahrten zur Arbeit und zurück benutzen. Damit spare ich nicht nur Zeit, sondern bin flexibler und tue sogar was für die körperliche Fitness. Und die Rheinbahn kann mich mal dort lecken wo keine Sonne scheint!
Am vergangenen Wochenende bin ich viel unterwegs gewesen und habe dabei was für meine Kondition getan. Angesichts der anstehenden Reise durch Südwest-Afrika kann ein bisschen Training auch bestimmt nicht schaden. Nachdem die Gelbfieber-Impfung mich für ein paar Tage außer Gefecht gesetzt hatte, tat es außerdem ganz gut sich mal wieder ausgiebig zu bewegen.
Am Freitag wollte ich mir noch einige nützliche Gegenstände fürs Reisegepäck besorgen, an die man hier in Düsseldorf leider nur schwierig kommt. Aber Köln ist ja nicht weit, und dort gibt es den größten Outdoor-Fachmarkt der Nation. Da ich nun keine BahnCard 100 mehr besitze und sich die Anschaffung einer Monatskarte für den VRR momentan für mich nicht lohnt, hätte die einfache Fahrt in die Domstadt satte € 9,30 gekostet. Eine Anmerkung am Rande: Ab Langenfeld-Berghausen – nur einen Steinwurf von der Düsseldorfer Stadtgrenze entfernt – zahlt man bloß € 4,10 (nachzusehen beim VRS-Tarifberater)! Nach Feierabend fühlte ich mich jedenfalls noch fit genug um mir zumindest einen Teil der Ticketkosten zu sparen. Und radelte los in Richtung Köln.
Mein Navi versagte nach weniger als einer dreiviertel Stunde mangels Akkuleistung den Dienst. Aber es wollte mich sowieso sinnloserweise mit der Fähre über den Rhein schicken. Als Orientierung war der Fluss ganz nützlich und hätte das Navigationssystem eigentlich überflüssig gemacht. Es gibt viele Radwege hier in der Gegend, die relativ gut beschildert sind. Leider nicht immer präzise genug, und so nahm ich irgendwo bei Leverkusen einen falschen Weg und bescherte mir einen anstrengenden Umweg. Ein hartnäckiger Krampf in der rechten Wade tat das Übrige. Aber es hätte an der Stelle nur noch wenig Sinn gemacht den nächsten Bahnhof anzusteuern. Und so kämpfte ich mich bis in die Kölner Innenstadt. Auch wenn die letzten 10 km (zum Teil dank des Mistwetters) eher Quälerei waren, erreichte ich das Ziel ohne vorher komplett zusammen zu brechen. Den Weg zurück nach Hause musste ich zum Glück nicht auf die gleiche Art bewältigen. Ca. 40 km Rad fahren ohne Pausen reichten erst mal!
Am Sonntag war das Wetter erstaunlich gut und lud zu Outdoor-Aktivitäten ein. Was lag also für mich näher als wieder auf den Drahtesel zu steigen… Diesmal ohne Ziel und Navi, sondern nur mit einer groben Richtung: Weg von Düsseldorf nach Osten. Dort beginnt sofort das Bergische Land. Wie der Name schon sagt muss man sich dort auf Steigungen einstellen. Nach etwas Kurverei durch Wald und Wiesen erreichte ich Hochdahl und schaffte es erst mal nicht diesen Ort wieder zu verlassen, weil er irgendwie nicht aufhören wollte. Aber ich nahm mir vor zumindest noch Solingen zu erreichen und tat es schließlich auch.
Was für eine sonderbare Stadt! Ich versuchte kramphaft das “Zentrum” zu finden und landete immer wieder an einer Straße, die man ausschließlich mit KFZ befahren darf. Schließlich wurde es mir zu blöd und ich fuhr wieder zurück in den Stadtteil Ohligs, durch den ich vorher schon geradelt war. Es irritierte mich ein wenig dort den Hauptbahnhof vorzufinden, so weit entfernt vom Stadtzentrum. Aber Solingen scheint mir ohnehin eine “andere Sorte” Stadt zu sein als man gewohnt ist.
Zurück ging es über Hilden. Und schon wieder waren es alles in allem mehr als 40 km . Eine gute Strecke für eine Radtour. Eigentlich sollte ich sowas öfter machen. Mal sehen…
Zur Zeit vergeht ja wirklich kein Wochenende an dem nicht irgendwo in der Gegend größere oder kleinere Veranstaltungen unter freiem Himmel stattfinden. Eigentlich ganz nach meinem Geschmack – bin ein echter Fan von Festivals und der gleichen.
Diesmal war die RhEINKULTUR in Bonn und der CSD in Köln. Und wieder mal sollte die Bahn das Transportmittel der Wahl sein. Da wäre es doch ein Wunder gewesen wenn mal alles ohne Komplikationen abgelaufen wäre… Für mich mit meiner BahnCard100 wäre es im Prinzip unproblematisch gewesen. Aber für meinen Freund, der mit von der Partie war, wollten wir ein Angebot des Verkehrsverbunds Rhein-Sieg (VRS) nutzen. Hier mal ein Zitat von dessen Website:
Der VRS macht den Besuchern des diesjährigen Christopher Street Day (CSD) ein besonders günstiges Angebot.
Denn, das TagesTicket 1 Person der Preisstufe 4 für 14,40 Euro ist während des CSD drei Tage - ab Freitag, 04. Juli 2008, 14:00 Uhr bis Sonntag, 06. Juli 2008, Betriebsschluss – im erweiterten VRS-Netz gültig, das heißt auch in den Städten und Gemeinden des Kreises Ahrweilers.
Achtung: Tickets aus den Automaten sind bereits entwertet. Kaufen Sie sich also Ihr TagesTicket am Automaten erst am 04. Juli. Im Vorverkauf erworbene Tickets bitte ebenfalls erst am 04. Juli 2008 entwerten, da das Ticket ansonsten als normales TagesTicket nur einen Tag lang gilt.
Offenbar gab es für den Wortlaut dieses Angebots einen bunten Strauß an Interpretationsmöglichkeiten. Meine Auffassung war, dass Tagestickets für 1 Person der Preisstufe 4 ausnahmsweise an drei Tagen und für beliebig viele Fahrten im gesamten Streckennetz des VRS gültig waren, wenn sie am 4. Juli gekauft oder entwertet worden waren.
Da der Ausgangspunkt der Bahnfahrten Betzdorf an der Sieg sein sollte, fuhren wir am Freitag Abend kurz vor Mitternacht noch an den dortigen Bahnhof um am Automaten ein solches Ticket zu besorgen. Am Samstag Vormittag wollten wir dann von dort aus nach Bonn fahren, erkundigten uns aber vor dem Einsteigen beim Zugpersonal nach dem Sonderangebot. Man wollte davon gehört haben, ging aber davon aus dass die Gültigkeit nicht drei sondern nur einen Tag (dafür aber verbundweit) sei.
In Siegburg stiegen wir aus und wollten uns eine weitere Meinung einholen. Im DB-Reisezentrum sagte man, das Ticket sei zwar an drei Tagen aber nur auf der Strecke zwischen dem Ort des Kaufs und Köln gültig! Das heißt man hätte damit nicht nach Bonn fahren können. Somit nahmen wir erstmal die nächste S-Bahn nach Köln und fragten dort im KVB-Kundencenter ein weiteres mal nach. Und dort teilte man schließlich meine Auffassung! Selbstverständlich könne man an allen drei Tagen im gesamten Verbundgebiet so viel Bahn fahren wie man möchte. Wir bekamen sogar auf Nachfragen hin den Original-Text von der VRS-Website in ausgedruckter Form als Beleg.
Also ab zur Rheinkultur. Es war wohl eine gute Entscheidung nicht den Zug zum Bonner Hbf zu nehmen sondern einen anderen, der in Beuel hielt. Dadurch war zwar ein längerer Fußweg nötig um zum Festivalgelände zu kommen, aber wir ersparten uns total überfüllte Züge. Am Abend musste ich dann feststellen dass die Bahn-Verbindung zwischen Bonn und Düsseldorf ziemlich zeitaufwändig ist, wenn man auf Regionalzüge angewiesen ist. Alles in allem brauchten wir rund dreieinhalb Stunden, um von der Rheinaue zu mir nach Hause zu gelangen!
Dafür klappte es mit Köln heute um so besser. Wir waren rechtzeitig dort, um die CSD-Parade von Anfang bis Ende sehen zu können. Und mir gelang das Kunststück, vom Kölner Hbf in etwas über einer halben Stunde per Bahn nach Hause zu gelangen! Mein Freund hatte da auf seiner Fahrt nach Betzdorf leider weniger Glück…
Nächstes Wochenende beginnt die Kirmes in Düsseldorf. Werde mich da aber etwas zurück halten müssen. Warum, erzähle ich später mal.
Fast schon in der Tradition meines alten Bahn-Blogs muss ich hier mal meine neueste Negativ-Erfahrung mit unserer Deutschen Bahn mitteilen.
Für alle, die es nicht mehr oder noch nicht wissen – ich besitze eine BahnCard 100 im Abo, da ich ein halbes Jahr lang bis vor ein paar Monaten täglich ca. 130 km zur Arbeit gependelt bin. Meine Anstrengungen vor Ablauf des ersten Jahres aus dem Abo raus zu kommen verliefen erfolglos, und so muss ich zähneknirschend noch bis September monatlich 320 Euro an einen maroden Konzern zahlen, ohne die Möglichkeit des bundesweiten Bahn-fahrens noch wirklich nutzen zu können. Seit dem Umzug bin ich täglich mit der S-Bahn zur Arbeit gefahren, was aber auch mit wesentlich kostengünstigeren Monatskarten der städtischen Verkehrsbetriebe zu realisieren wäre.
Doch ein Faktor stellte für mich eine Chance dar, zeitweise einen Gegenwert für die horrende Abo-Gebühr zu erhalten… Als ich letztes Jahr die BC100 beantragte war auf der Website der Bahn zu lesen, dass jeder Inhaber samstags eine Person kostenlos mitnehmen durfte. Diese Möglichkeit ließ ich mir seinerzeit vom Zugpersonal mündlich bestätigen und habe sie auch schon mindestens einmal genutzt. Für diesen Sommer nahm ich mir deshalb vor, die eine oder andere gemeinsame Tagestour mit dem Zug zu unternehmen. Für den letzten Samstag war eine Fahrt nach Berlin geplant. Die regulären Ticketkosten für 2 Personen hätten die Monatsgebühr bei weitem überstiegen, und somit hätte sich diese zumindest für den einen Monat wieder irgendwo gelohnt. Um eventuellen Stress durch überfüllte Wagen zu vermeiden, reservierte ich jeweils zwei Sitzplätze für die Hin- und Rückfahrt – Kostenpunkt 8 Euro.
Mit Proviant und reichlich Vorfreude im Gepäck stiegen wir morgens um kurz vor 7 in den ICE in Richtung Hauptstadt, sicherten uns die reservierten Plätze… und stiegen wenige Minuten danach schon wieder aus. Das Zugpersonal wollte von der Mitnahme-Regelung nichts wissen und hatte angeblich noch nie etwas davon gehört! Den Namen der blonden Zugbegleiterin, die einen ziemlich herablassendem Ton an den Tag legte, hatte ich mir notiert, kann den Zettel aber nicht mehr finden. Ich glaube mich erinnern zu können dass er J. Kluge lautete.
Vor der kurzen Fahrt zurück zum Ausgangspunkt der Reise beschäftigte ich einen weiteren Bahn-Mitarbeiter bestimmt eine halbe Stunde lang – noch vor der eigentlichen Öffnungszeit des Reisezentrums – mit dem Aufstöbern von offiziellen Unterlagen zu den BC100-Bedingungen. Es stellte sich heraus dass die Mitnahmeregelung in der Tat nicht in den Beförderungsbedingungen enthalten ist und offenbar auch nie war!
Es ärgert mich nicht nur dass solche “inoffiziellen” Regelungen von der Bahn willkürlich für gültig oder ungültig erklärt werden, sondern viel mehr dass später bewusst geleugnet wird sie hätten jemals existiert. Man wird als Kunde – selbst als 320 Euro im Monat zahlender bahn.comfort-Kunde – in Gegenwart anderer Fahrgäste für dumm verkauft!
Für mich sind die Konsequenzen eindeutig. Seit ein paar Tagen besitze ich wieder ein Fahrrad und schaffe es damit in kürzerer Zeit zur Arbeit zu gelangen als mit der S-Bahn. Die BC100 ist ohnehin zum nächstmöglichen Zeitpunkt gekündigt. Zusätzlich werde ich allerdings auch meine bestehende BC25 kündigen und aus dem Pro Bahn e.V. wieder austreten. Danach werde ich nur noch öffentliche Verkehrsmittel von privaten Betreibern nutzen und so weit es möglich ist völlig auf Bahnfahrten verzichten (zumindest in Deutschland).
An mir hat der DB-Konzern in den letzten Jahren reichlich Geld verdient. Nun werde ich versuchen, es ihm auf andere Art wieder weg zu nehmen.


