Eurovision Song Contest 2017: Die Insel im Strom

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ESC 2017

Quelle: eurovision.tv

Es ist ein alljährliches Ereignis, an dem sich die Geister scheiden – und das wahrscheinlich zu Recht. Der paneuropäische Musikwettbewerb der European Broadcasting Union (EBU), präsentiert unter der bekannten Marke EUROVISION, bietet im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts mehr Triebfedern zum Polarisieren denn je. Er mobilisiert auf der einen Seite Fans, die sich im Fußball-Jargon locker als Ultras kategorisieren ließen, die zu den Austragungsorten reisen oder auf ESC-Partys unter ihresgleichen die Fernsehübertragungen verfolgen und den Tag der Finalrunde als ihren höchsten Feiertag betrachten. Auf der anderen Seite ruft er in schon vertrautem Turnus und in großer Zahl Kritiker und Stänkerer auf den Plan, die ihn in die Trash-TV-Ecke zu verbannen suchen und seine Anhänger teils weit unter der Gürtellinie verbal attackieren. Zwischen diesen beiden Extremen gibt es – wie auch in vielen anderen Bereichen – eine große Masse, die sich entweder als völlig gleichgültig positioniert („ESC? Das ist doch die Taste oben links“) oder mehr oder minder intensiv den Wettbewerb und seine flankierende mediale Berichterstattung verfolgt, ohne sich einem der extremen Lager anzuschließen.

Doch gerade diese Masse ist es nun einmal, die maßgeblich – seit 2016 neben nationalen Jurys immerhin noch zur Hälfte – über die Punktevergabe und damit über die Platzierungen der teilnehmenden Länder bzw. deren Kandidaten entscheidet. Und auch bereits in den Vorentscheiden ist es innerhalb der jeweiligen Nationen in den meisten Fällen die breite Masse der Fernsehzuschauer, die per Abstimmung festlegt, welche Kandidaten in den europäischen Wettbewerb entsandt werden. Hier setzen seit dem Entstehen des Grand Prix Eurovision de la Chanson (wie er seinerzeit noch genannt wurde) im Jahr 1956 Medienwissenschaftler, Meinungs- sowie Trendforscher an und versuchen, ein Bild des europäischen Musikgeschmacks und seiner Entwicklung zu zeichnen. Mit ihren Prognosen haben sie dennoch nicht selten daneben gelegen.

Zweifellos hat sich in sechs Jahrzehnten einiges verändert in Europa – gesellschaftlich, kulturell, sprachlich und nicht zuletzt politisch, was an einigen neu entstandenen (Splitter-)Staaten zu sehen ist. Dies spiegelt sich im Wettbewerb selbst und in seiner medialen Verwertung wider. Neben vielen kleineren, teils vorübergehenden Tendenzen lässt sich als „Megatrend“ im ESC eine zunehmende Konvergenz, ein Zusammenwachsen der Kulturen, Sprachen und Stilrichtungen der einzelnen Teilnehmerländer feststellen. Gerade das wurde von den Veranstaltern (den nationalen Sendeanstalten als Mitgliedern der EBU) in den letzten Jahren besonders in den Vordergrund gestellt. Der allgemeine Tenor ist, dass jedes Land zwar seine Besonderheiten mit Stolz bewahren und nach außen hin präsentieren, sich aber zugleich einem großen Ganzen – also Europa – zugehörig fühlen und dessen Werte übernehmen soll. Das Motto 2017 („Celebrate Diversity“, zu Deutsch: „Die Vielfalt feiern“) schienen die Medien schon gar nicht mehr wirklich mit Bezug auf die unterschiedlichen Teilnehmerländer aufzufassen, sondern bezogen es eher auf die Vielfalt, die unter allen Europäern herrscht, wenn man sie als ein Volk ohne Landesgrenzen betrachtet.

Dieser große Trend hat die Klänge, die im Rahmen des Wettbewerbs über die Jahre zu hören gewesen sind, maßgeblich geprägt. In gleichem Maße aber auch die optischen Darbietungen während der Auftritte. Zu einem gewissen Grad sind die Veränderungen auch dem Regelwerk der EBU geschuldet. Bis Ende der neunziger Jahre durften die Kandidaten nur in ihrer Landessprache singen. Seitdem hat sich Englisch als Universalsprache der populären Musik ganz selbstverständlich auch beim ESC etabliert und es sind nur noch einzelne Ausnahmen zu finden (in den letzten Jahren jedoch wieder verstärkt, mehr hierzu später noch). Live dürfen nur noch die gesungenen bzw. eventuell gerappten oder gesprochenen Liedtexte dargeboten werden, während die instrumentale Begleitung als Playback eingespielt wird und etwaige Instrumente im Rahmen der Auftritte nur als Requisiten dienen. Hierdurch ist der Fokus zwangsläufig stärker auf den Show-Aspekt der Darbietungen gerückt, der in vielen Fällen sogar mittlerweile überwiegt und so beispielsweise die musikalische und gesangliche Qualität als maßgebliches Bewertungskriterium verdrängt hat. Es lässt sich wiederum eher mit dem oben beschriebenen Zusammenwachsen begründen, dass insbesondere Länder im östlichen Teil des EBU-Gebiets – in den letzten Jahren vor allem die Länder an dessen südöstlichem Rand (Kaukasus) – überdeutliche Anpassungsbemühungen an westeuropäische Hör- und Sehgewohnheiten angestellt haben. Diese spiegeln sich nicht nur in der konsequenten Verwendung von Englisch, sondern auch in zum Teil übertrieben aufwändig inszenierten Performances mit riesigen Kulissen und Lichtinstallationen wider, mit denen die Schwelle zum Kitsch für das ästhetische Empfinden eines typischen Westeuropäers oft eher überschritten als adäquat bedient wird (was Kritikern als Wasser auf ihren Mühlen dient). Einigen zentraleuropäischen Ländern des ehemaligen Ostblocks lässt sich zu Gute halten, dass sie sich aus dieser Phase des Experimentierens und der Demonstration von Leistungsvermögen offensichtlich wieder heraus bewegt und komplett in die Vorgaben des europäischen Mainstreams eingegliedert haben.

Oh, da war es gerade, dieses böse Wort – Mainstream! Um diesen kommt man aber leider nicht herum, wenn man sich mit einem „europäischen“ Musikgeschmack und dessen Wandel befassen möchte, so sehr negativ belastet der Begriff Mainstream auch heutzutage sein mag. Er beschreibt in diesem Kontext schlichtweg das, was an der Spitze einer Verteilungskurve stehen bliebe, wenn man die persönlichen Vorlieben eines jeden (EBU-)Europäers erfassen, in Kategorien packen und deren jeweilige absolute Häufigkeit grafisch darstellen würde. Der Mainstream als „Durchschnittsgeschmack“ ist grundsätzlich allen oben genannten gesellschaftlichen, kulturellen sowie politischen Einflüssen und Veränderungen unterworfen. Als aktuelles und viel diskutiertes Beispiel sei hier nur die große Zahl der Zuwanderer aus nicht-europäischen Gebieten genannt. Aber es gibt noch einen weiteren, immer entscheidenderen Faktor für den Verlauf des Mainstreams, und das sind die Medien. Denn ihre Reichweite erstreckt sich nicht nur in so ziemlich jeden europäischen Haushalt, sondern auch in mittlerweile so ziemlich alle Lebensbereiche. Somit besitzen sie auch die Macht, den Geschmack ihrer Nutzer zu steuern. Für die Musikindustrie sind die Medien der wichtigste Verbreitungsweg, weshalb es eine enge Zusammenarbeit zwischen den beiden gibt und es dabei natürlich auch um sehr viel Geld geht. Hier werden die Medien ihrem Namen als „Vermittler“ auch im wirtschaftlichen Sinn gerecht, um zwischen einer Branche und Verbrauchern zu vermitteln – oder besser gesagt, um Unternehmen aus jener Branche Kunden zu vermitteln, mit deren Konsumverhalten sie dann wiederum Gewinne erzielen können. Dass die Musikindustrie den Großteil ihres Profits nicht mehr aus dem Verkauf von Tonträgern erzielt, ist mittlerweile ein alter Hut. Mit Hilfe der Medien hat sie es daher geschafft, den Mainstream in einen Bereich zu verschieben, mit dem sich in Zeiten von iTunes und Konsorten noch ein gutes Geschäft machen lässt. An dieser Stelle möchte ich einen Satz aus der kurzen Dankesrede des ESC-Gewinners von 2017, Salvador Sobral aus Portugal, zitieren: „I want to say that we live in a world of disposable music – fast food music without any content.“ („Ich möchte sagen, dass wir in einer Welt aus Wegwerf-Musik leben – Fast-Food-Musik ohne jeden Inhalt.“). Damit hat er sehr plastisch und verständlich beschrieben, wo sich der Mainstream – dank der Bemühungen der Musikindustrie und der Medien – lange Zeit befunden hat. Über unzählige Castingshow-Formate werden immer wieder neue „Superstars“ ins Rampenlicht gehievt. Von teils anonymen „Musikfabriken“, teils von bekannten alten Hasen des Musikgeschäfts (à la Dieter Bohlen und Ralph Siegel) werden praktisch wie am Fließband Songs produziert, in denen keine neuen Ideen mehr stecken und die – wie die Produzenten sogar bisweilen offen zugeben – nur ausgegrabene und aufgehübschte Fundstücke aus der Mottenkiste sind, genauer gesagt aus dem Sammelsurium, das sich auf den Festplatten in ihren Tonstudios befindet. Und ginge es nach der Meinung der Plattenbosse, sollte sich daran auch am besten so schnell nichts ändern.

Wenn da nicht die Menschen wären, die diese Wegwerf-Musik konsumieren sollen, und – so wie es ja im Grunde auch in allen anderen Bereichen der Fall ist – früher oder später die Schnauze voll von dem Einheitsbrei haben, den sie in Form von immer neuen Stars mit dem gleichen Grinsen und immer neuen Songs mit irgendwie doch immer dem gleichen Sound, den gleichen wiederkehrenden Schlagworten (Menschen, Leben, Tanzen, Welt), dem gleichen Aufbau und den gleichen Bildern in routiniert zusammen geschnittenen Videoclips serviert bekommen. Irgendwie hat es ja doch den Anschein, dass sich wieder etwas bewegt beim Mainstream-Publikum, wenn auch nur zaghaft. Aber gerade der ESC ist trotz all seines schmalztriefenden Weglächelns ein guter Indikator für diese kleinen Bewegungen – wenn man denn etwas genauer hinschaut und hinterfragt. Wie kommt es, dass in der 2017er Auflage des Wettbewerbs ein Beitrag sowohl von den Juroren als auch vom Großteil des Fernsehpublikums in so vielen beteiligten Ländern die meisten Stimmen erhalten hat, der sich in jeglicher Hinsicht vom (Mainstream-)Durchschnitt aller anderen Beiträge abhebt? Und wenn auch nicht so deutlich wie jetzt, hat es seit dem Aufkommen der Wegwerf-Musik und ihrer Etablierung als Mainstream doch immer wieder mal ESC-Sieger gegeben, deren Darbietungen einen Kontrast hierzu darstellten.

ESC 2017

Foto: Andres Putting
Quelle: eurovision.tv

Wer das Finale des Song Contests 2017 im Fernsehen (oder vor Ort in Kiew) verfolgt hat, wird sich vermutlich rein optisch kaum an den Auftritt des portugiesischen Sängers Salvador Sobral erinnern können – im Gegensatz zu den Beiträgen der anderen Länder. Denn so sehr er die Menschen offensichtlich beeindruckt und infolgedessen zur Stimmabgabe motiviert hat, so schlicht und reduziert aufs Allerwesentliche war er auch. Der Auftritt fand nicht wie sämtliche anderen auf der großen, mit allen technischen Raffinessen ausgestatteten Bühne statt, sondern auf einer kleinen, runden Plattform, die sich wie eine Insel inmitten des wogenden Publikums in der Veranstaltungshalle des International Exhibition Centre von Kiew befand. Auf dieser Plattform waren während der gesamten Darbietung lediglich der Sänger (beim wiederholten Auftritt nach seinem Sieg zusammen mit seiner Schwester Luísa, die das Lied für ihn geschrieben hat) und ein Mikrofonständer zu sehen. Sonst nichts. Keine Kulissen, keine Requisiten, keine Effekte. Auf der LED-Wand im Hintergrund wurde lediglich das Bild eines Waldes gezeigt. Das vorgetragene Lied ist in seiner schlichten Einfachheit ebenfalls kaum zu schlagen. Es ist ein ganz simples Liebeslied mit dem Titel „Amar Pelos Dois“ („Lieben für zwei“), das mit einer unaufdringlichen instrumentalen Begleitung aus Klavier und Streichern auskommt und auf portugiesisch – also der Landessprache des jungen Sängers – vorgetragen wird. Auf jenen Sänger ist man somit unweigerlich fokussiert, weil es in der Tat nichts gibt, was von seiner Stimme und seinen Bewegungen ablenken kann. Und vielleicht fragt man sich dann, warum man trotz des fehlenden großen Show-Rahmens so beeindruckt von dieser Darbietung gewesen ist. Und merkt dann vielleicht, dass man ein Liebeslied gehört hat, auch wenn die Worte in einer fremden Sprache gesungen wurden, dass die Gesten des schmächtigen Mannes auf jener kleinen Insel, sein Gesang und die Musik aber die Botschaft des Liedes transportiert haben. Und wenn man dann noch ein bisschen weiter denkt, wird vielleicht klar, was Musik bewirken kann, warum es sie ursprünglich gibt. Ist sie es nicht vielleicht, die Dinge übermitteln kann, die durch Worte nicht zu beschreiben sind? Macht es keinen Unterschied, ob ein Liebesgeständnis nur ausgesprochen oder aufgeschrieben wird – oder ob es gesungen und mit Musik untermalt wird?

Einen Song Contest zu veranstalten, dürfte ursprünglich wohl auf diese Eigenschaft gesungener Lieder abgezielt haben. Nur um diese ging es dabei und um ihre Fähigkeit, emotionale Botschaften zu übermitteln. Ganz ohne große Show, nur durch Gesang, Gesten und Musik. Eben das, was alter Schlager und Chansons vermochten, mit denen der damalige Grand Prix und heutige ESC seine Anfänge nahm, und was in zeitgenössischer Wegwerf-Musik abhanden gekommen ist.

Wie sich aber zum Glück zeigt, ist den von Massenmedien beeinflussten Europäern der Sinn für die Kraft, die ein einfaches Lied ganz allein entfalten kann, nicht ganz verloren gegangen. So einsam, wie Salvador Sobral in der Finalshow da zu stehen, zu singen und Liebesschmerz zu erleiden schien – Millionen Menschen, die sein Lied berührt hat, standen für drei Minuten mit ihm auf dieser kleinen Insel im Strom. Und vielleicht helfen sie ihm und vielen anderen Künstlern seines Schlages, das zu erreichen, was er im weiteren Verlauf seiner Dankesrede noch gesagt hat: „I think this could be a victory for music with people that make music that actually means something. Music is not fireworks, music is feeling – so let’s try to change this and bring music back, which is really what matters.” (“Ich glaube, das hier kann auch ein Sieg sein für die Musik, für Menschen, die Musik machen, die wirklich etwas bedeutet. Musik ist kein Feuerwerk, Musik ist Gefühl – also lasst uns versuchen, hier etwas zu verändern und die Musik zurück zu bringen, denn das ist es, worum es hier geht.“)

Meine Identität in der schwulen Welt

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Ja ja ja, ich bin ein Mann, der auf Männer steht, nicht auf Frauen – aber ich bin nicht schwul. Klingt komisch, is aber so. Und warum es so ist, will ich euch jetzt erklären.

Eine erste wichtige Feststellung: Entgegen der allgemeinen Meinung bedeutet schwul zu sein weitaus mehr als ein Mann zu sein, der sich zu anderen Männern hingezogen fühlt. Dieses eine Kriterium erfülle ich zwar ganz eindeutig und würde es nie verleugnen. Doch seit mir dies in der frühen Jugend klar geworden war, fiel mir immer wieder auf, dass ich mich nicht mit all dem identifizieren konnte, was Schwule in unserer Welt verkörpern. Damit sind bei weitem nicht nur die bekannten Klischees gemeint, sondern viel mehr die Verhaltensmuster, mit denen man praktisch immer konfrontiert wird, wenn man mit schwulen Männern interagiert. Später mehr dazu.

Ich erlebte ein ziemlich typisches Coming Out bei meiner Familie, als ich Anfang zwanzig war. Vereinzelt outete ich mich in den Jahren danach auch bei Kollegen und Kommilitonen, machte aber nie den kompletten „Rundumschlag“ und falle auch heute noch nicht mit der Tür ins Haus, wenn ich neue Menschen kennenlerne. Mir war bislang nie so richtig klar gewesen, wo der Grund für diese Hemmungen lag.  Ich fragte mich oft, warum ich nicht zum Schwulsein stehen wollte, und hasste mich zeitweise selbst ein bisschen für meine Zurückhaltung. Gerade weil ich mich sonst für einen sehr offenen Menschen halte, der kein Blatt vor den Mund nimmt und keine Tabus kennt. Irgendwie passte das so gar nicht zu einander. Wenn ich mich zurück erinnere, fällt mir überraschend auf, dass ich mich nie mit den klassischen drei Worten „ich bin schwul“ geoutet habe. Es waren stets Sätze wie „ich stehe nicht auf Mädels“ oder „ich bin mit einem Mann zusammen“. Die Worte „ich bin schwul“ würden mir niemals über die Lippen gehen, weil sie für mich schlicht falsch klingen.

Tatsächlich wollte ich nie (und will auch heute nicht) mit all den schwulen Männern da draußen in einen Topf geworfen werden. Zwar habe ich mich mit Hilfe diverser Online-Communities gewissermaßen zu einem Teil dieses Kollektivs gemacht, stelle aber beim Kontakt mit anderen Mitgliedern immer wieder fest, dass ich in zahlreichen Punkten ganz anders denke und agiere als sie. Was allzu häufig dazu führt, dass aufgrund des An-einander-vorbei-redens und nachfolgender Frustration gar kein regelmäßiger Kontakt zustande kommt. Ein ausschlaggebender Faktor ist die hochgradig indirekte Übermittlung von Informationen, wie sie unter Schwulen typischerweise praktiziert wird. Für einen Menschen wie mich, der nur sehr schwer zwischen den Zeilen lesen kann, ist es hierbei nahezu unmöglich zu erkennen, welche Informationen der Wahrheit entsprechen und welche nicht. Ebenso schwierig stellt es sich für mich dar, zu entschlüsseln was jemand von mir möchte, wenn er es nicht in völlig eindeutigen Worten formuliert. Mir scheint, dass den allermeisten Schwulen dieses ständige Codieren und Decodieren von Informationen in Fleisch und Blut übergegangen ist. Das mag historisch bedingt sein und noch aus Zeiten her rühren, als gleichgeschlechtliche sexuelle Interaktion und Beziehungen verboten waren und deshalb vorwiegend im Geheimen betrieben wurden. Heute sind in „aufgeklärten Gesellschaften“ Geheimhaltung – und damit Codes – für Homosexuelle nicht mehr vonnöten. Dennoch scheint sich diese Praxis hartnäckig zu halten. Und ich komme mit ihr überhaupt nicht klar!

Aber auch äußerlich und durch mein sichtbares Verhalten passe ich nicht in das Bild, welches Schwule im Allgemeinen vermitteln. Ich betreibe keine intensive Körperpflege, verfolge keinen „Dresscode“ oder passe meine Outfits den Anlässen an, trinke viel lieber Bier als Wein oder Sekt, habe keine stylishe Wohnung oder „Accessoires“, habe kein Problem mit körperlicher Arbeit und schmutzigen Händen, bin gerne in der Natur, höre gerne Indie-Musik und hasse alles was mit Helene Fischer zu tun hat. Die Liste ließe sich noch sehr viel weiter fortsetzen. Bei mir eine „typisch schwule“ Eigenschaft zu finden, dürfte echt schwierig sein. Ich schwöre, dass ich seit eh und je so bin wie gerade beschrieben und mir diese Eigenschaften nicht bewusst zugelegt habe, nur um mich von Klischees abzugrenzen. Wobei ich ganz klar sagen muss, dass ich letzteres mittlerweile tue. Viele der erwähnten Verhaltensweisen schwuler Mitmenschen gehen mir zuweilen tierisch auf die Nerven – was mich dann sogar zu Aussagen treibt, die man als homophob einstufen könnte. Mag paradox erscheinen, wenn ein Homosexueller das tut, aber in meinem Fall ist es tatsächlich so.

Ich hoffe, dass nun klarer geworden ist, warum meine Identität sich in der schwulen Welt nicht wiederfindet, und warum ich mich selbst – trotz meiner sexuellen Orientierung – nicht als schwul bezeichne.

Auskommen ohne Einkommen – ein neuer Lebensentwurf

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Mein Prozess des Umdenkens ist ein bisschen ins Stocken geraten, weil mir zwecks Umsetzung ein Schritt bevorsteht, der mir nicht so leicht zu fallen scheint. Und dieser Umstand weist auf ein ziemlich grundsätzliches Problem hin. Aber eins nach dem anderen…

Der bereits formulierte Wunsch nach weitgehender Unabhängigkeit von Institutionen wirkt sich auf etliche Lebensbereiche aus und zieht Konsequenzen nach sich. Vieles hängt schließlich mit einander zusammen. Wer auf die Leistungen des Jobcenters in Deutschland verzichten möchte, müsste sich – naheliegenderweise – selbst ein Einkommen erwirtschaften, mit dem die eigene Lebenshaltung finanziert werden kann. Die Höhe richtet sich nach den regelmäßigen Ausgaben. Der mit Abstand größte Anteil entfällt hierbei auf die Kosten fürs Wohnen, gefolgt von Sozialversicherungen.

Ich bin zur Zeit alleiniger Mieter einer Einzimmerwohnung, für die monatlich 320 € Warmmiete anfallen (immerhin bis auf Weiteres um 15 % gemindert wegen eines nicht zur Verfügung stehenden Kellerraums). Den Anspruch, eine Wohnung nur für mich allein zur Verfügung zu haben, erhebe ich aber im Prinzip gar nicht! Jeden Monat verlässt ein hoher Geldbetrag mein Bankkonto, um ein Mietverhältnis aufrecht zu erhalten, das mich in meiner Freiheit und Flexibilität beschneidet. Aufgrund der gesetzlichen Kündigungsfrist muss immer dafür gesorgt sein, dass drei Monatsmieten auf dem Konto vorhanden sind oder es bald sein werden. Ich gehe also arbeiten, um nicht Gefahr zu laufen, womöglich die überübernächste Miete nicht mehr bezahlen zu können. Und das, obwohl ich die Wohnung vielleicht gar nicht benötige. Arbeiten möchte ich aber doch in erster Linie für mich selbst, nicht für andere! Also liegt es nahe, die Wohnung aufzugeben.

Es steht jedoch auch einiges an Hausrat in ihr herum. Beim letzten Umzug hatte ich zwar schon viel unnötigen Tinnef entsorgt, aber auch in 36 Quadratmeter Fläche passt noch mehr hinein, als so manch einer glauben mag. Von vielem werde ich mich wahrscheinlich trennen können, ohne mit der Wimper zu zucken. Doch es befinden sich auch Dinge in meinem Hausstand, die ich bisher zu meinem „Stolz“ gezählt habe – etwa mein großes Schlafsofa und meine Küche. Aber warum tue ich mich bei dem Gedanken, diese Dinge zu veräußern, so schwer?

Mir scheint, dass – wie bei so vielen Dingen – eine gesellschaftliche Prägung verantwortlich ist. Materieller Besitz genießt einen hohen Stellenwert in meinem Umfeld. Vielen Menschen scheint er ein Gefühl von Sicherheit zu suggerieren. Sie häufen Gegenstände um sich herum an und demonstrieren damit offenbar ihr „Revier“ für sich und für andere. Manche setzen dabei auf möglichst wertvolle Güter, manche auf schiere Masse, manche auf beides. Mir drängt sich dabei unweigerlich ein Bild vor meinem geistigen Auge auf, das einen fetten, unbeweglichen Pascha zeigt, der auf einem goldenen Haufen Krimskrams sitzt und sagt „Das hier ist mein Platz“. Anderen werden vielleicht eher die Worte „Mein Haus, mein Auto, mein Boot“ in den Sinn kommen. Es läuft aufs gleiche hinaus. Ein anderes (metaphorisches) Bild zeigt mir einen Bergsteiger, der direkt vor dem Gipfel ein (meinetwegen goldenes) Seil ergreift und feststellt, dass es oben nur mit einem dicken Streifen Klebeband befestigt ist. Was ich damit ausdrücken will: Materielles bietet eben letztlich keine Sicherheit! Oder nochmal platt ausgedrückt: Ein Sofa oder eine Einbauküche hat noch niemandem das Leben gerettet. Und ist damit nicht lebensnotwendig.

Im Grunde ist für mich damit das Sicherheits-Argument entkräftet. Denn es ist allenfalls in einer auf Geld aufbauenden Weltanschauung haltbar, in der alles monetär bewertet wird und materieller Besitz den Wert eines Menschen mitbestimmt. Eine solche Anschauung teile ich nicht. Also brauche ich mich nicht an Besitztümern festzuklammern. Leicht fällt es mir dennoch nicht, an dieser Stelle weiter zu denken, weil ein mögliches alternatives Szenario für mich ziemliches Neuland ist. Seit ich begonnen habe Geld zu verdienen, ist auch für mich das Anhäufen von Besitz ein selbstverständlicher Vorgang gewesen. Es geht mir aber nun um die Frage, ob ein Leben auch weitgehend ohne den materiellen Aspekt – und damit auch ohne eine feste Wohnunterkunft – möglich ist. Ich glaube nun einen Weg entdeckt zu haben, mit dem es mir zumindest vorübergehend realisierbar erscheint. Denn es werden rund um die Welt (seriöse) Chancen geboten, im Austausch für Arbeitsleistung eine Unterkunft und volle Verpflegung zu bekommen – ohne die Notwendigkeit irgend einer fachlichen Qualifikation und ohne zeitliche Verpflichtung… aber auch ohne monetäre Gegenleistung.

Mir kommt es wirklich gerade so vor, als ließe sich damit ein Großteil meiner derzeitigen Probleme auf einen Schlag lösen: Ich wäre vom Jobcenter unabhängig und müsste mich an kein Mietverhältnis binden, hätte aber dennoch einen Platz zum Wohnen und sinnvolle Aufgaben für den Alltag, die mir zudem meinen Lebensunterhalt (in Form von Verpflegung) sichern würden. Und so weit ich es mitbekommen habe, gibt es für Menschen, die „Freiwilligenarbeit“ machen, sehr günstige Versicherungen. Wenn das alles so stimmt und funktioniert, dann ist ein abgesichertes Leben – auch in „entwickelten“ Ländern – ohne monetäres Einkommen (und lediglich mit einer ausreichenden Geldrücklage für Reisekosten) möglich. Ich glaube zwar nicht, dass es vielen Menschen – mich selbst eingeschlossen – behagen würde, dauerhaft auf dieser Basis zu leben, aber für ein paar Jahre halte ich es für durchaus vorstellbar. Und es kann eine Basis für die weitere Lebensplanung sein.

Der Preis, den ich hierfür zahlen muss, ist der Verzicht auf die materiellen Besitztümer, die ich in den letzten Jahren angesammelt habe. Belohnt werde ich dann aber mit einer großen Unabhängigkeit. Wahrscheinlich werde ich mich nicht von allen Dingen trennen wollen. Aber zumindest müsste ich es schaffen, den Umfang meines Hausstands so weit zu minimieren, dass er sich irgendwo privat unterstellen lässt, ohne dass es jemanden stört. Mitnehmen an meine Einsatzorte werde ich nur Dinge, die für mich absolut essenzielle Bedeutung haben.

Meine Überlegungen werden Tag für Tag konkreter, und es wird immer wahrscheinlicher, dass sich meine Vorstellungen verwirklichen lassen!

Gedanken zu meinem Wohnort

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Mich hat in den letzten Tagen ein Umdenken befallen, das immer tiefer greifende Auswirkungen hat. Es betrifft auch grundsätzliche Aspekte meines Daseins. Einer davon ist das Paradigma des Wohnorts – und damit einher gehend das berüchtigte Spannungsfeld zwischen dem Stadtleben und dem Landleben. Beim genaueren Betrachten verschiedener persönlicher Bedürfnisse unter der Fragestellung, wie und wann sie entstanden sind, bin ich beim Thema Wohnen angelangt. Im Grunde hat es sich dank etlicher Umzüge in den letzten Jahren zu einem Reizthema für mich entwickelt. Ich verbinde es beim Gedanken daran sofort mit Stress und Ärger. Warum nur?

Die ersten 14 Jahre meines Lebens verbrachte ich in der sehr ländlichen Region des Unterwesterwalds, die aus vielen kleinen Dörfern und wenigen kleinen Städten besteht. Dazwischen gibt es Wälder, Felder, Hügel, Bäche, Teiche, Steinbrüche und Tongruben. Die Erinnerungen an meine Kindheit und frühe Jugend sind von solchen Bildern geprägt, und wenn ich heute für Besuche in diese Gegend zurückkehre, werde ich immer ein klein wenig wehmütig. Denn heute sieht es dort vielerorts anders aus als damals, und mir bleiben somit schließlich nur meine Erinnerungen.

Mitte der 90er zog ich mit meiner Familie in eine andere ländliche Region um – nach Rheinhessen, wo es ganz anders aussieht. Hügel gibt es dort zwar auch in großer Zahl, aber sie sind größtenteils nicht bewaldet, sondern nur mit Gras oder niedrigem Gebüsch bewachsen. Weinreben in Reih und Glied sowie Getreidefelder komplettieren das Bild, das meine Jugend prägte und sich ebenfalls stark in meine Erinnerung eingebrannt hat. Die ersten beiden Jahre nach dem Umzug wohnten wir auf einem Aussiedlerhof inmitten der Weinberge. Beim Gedanken an diese Zeit beschleicht mich auch wieder etwas Wehmut, weil ich sie mit viel Ruhe, jugendlicher Naivität und Schwärmerei, aber auch mit Abenteuerlust verbinde. Wir zogen dann ein paar Kilometer weiter in die Kreisstadt Alzey, und dort veränderte sich meine Sichtweise.

Die Annehmlichkeiten des Wohnens in der Stadt entfalteten schnell ihre Wirkung auf mich. Es war plötzlich möglich, ohne auf ein Auto angewiesen zu sein schnell zur Schule, zum Bahnhof oder zum Supermarkt zu gelangen. Ich machte nach wie vor meine teils sehr ausgedehnten Spaziergänge und Fahrradtouren durch die umliegende Landschaft, genoss aber zugleich die Vorzüge der zentralen Wohnlage. Niemand musste mich mehr zur Schule fahren oder dort abholen. Mit dem Zug konnte ich ohne allzu viel zeitlichen Aufwand die größeren Städte Mainz und Worms oder die Metropole Frankfurt am Main erreichen. Letztere beeindruckte mich seinerzeit ganz enorm – vor allem natürlich aufgrund der vielen Hochhäuser mit extravaganter Architektur – und hat als erste „echte“ Großstadt, die ich in meinem Leben wahrgenommen habe, für mich bis heute diesen Stellenwert behalten.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich war auf den Geschmack gekommen. Großstädte – und insbesondere solche ab einer halben Million Einwohner – übten seitdem einen großen Reiz auf mich aus. Und für mich war die Entscheidung klar: Wieder zurück aufs Land zu ziehen war bis auf Weiteres keine Option! Ich begann mein Studium in Karlsruhe, einem wie ich nach wie vor finde sehr charmanten und für seine Einwohnerzahl ziemlich ruhigen Ort, und pendelte an den meisten Wochenenden zurück nach Alzey. Den bewusst gewählten regelmäßigen Ortswechsel zwischen Groß- und Kleinstadt fand ich zu jener Zeit total angenehm. Auch die häufigen Bahnfahrten habe ich im Vergleich zu meinen aktuellen Erfahrungen als nicht allzu stressig in Erinnerung.

Es folgte eine durch die Fortsetzung meines internationalen Studiums bedingte Zeit des Städte-Hoppings: Vancouver, Köln, Aix-en-Provence, Warschau und Jacksonville (Florida) bildeten für jeweils ein paar Monate meine Lebensmittelpunkte. Aufgrund einer Beziehung hielt ich mich zu jener Zeit aber zwischendurch oft im (Ober)Westerwald auf und gewann dadurch einen gewissen Bezug zu meiner alten Heimat zurück. Nach einem fünfmonatigen Praktikum in Hamburg – das als bisher einzige Millionenstadt einmal mein offizieller Erstwohnsitz war – zog ich tatsächlich nochmal für ein halbes Jahr nach Montabaur, wo ich von der fünften bis zur achten Klasse zur Schule gegangen war. Doch vom Landleben bekam ich in dieser Zeit nicht so viel mit, weil ich an allen Arbeitstagen 130 Kilometer nach Düsseldorf und zurück pendelte und praktisch nur zum Schlafen nach Hause kam. Auch an den Wochenenden war ich oft in verschiedenen Städten unterwegs. Bis ich schließlich das sehr nervenaufreibende Pendeln aufgab und nach Düsseldorf zog.

Dort entdeckte ich, dass mir die Wohnlage am Stadtrand sehr gut gefiel. Die Kombination aus der Nähe zur Natur und guter Anbindung ans Stadtzentrum erschien mir ausgesprochen attraktiv. Ich konnte mit dem Fahrrad innerhalb einer Viertelstunde zur Arbeit gelangen, machte in meiner Freizeit viele Radtouren durch das angrenzende Bergische Land… und entdeckte das mir bis dahin völlig unbekannte nahe gelegene Ruhrgebiet.

Nicht nur die Zahl der mehr als 5 Millionen Einwohner des größten deutschen Ballungsgebiets übte eine Faszination auf mich aus, sondern auch die Diskrepanz zwischen dem noch vorhandenen Klischee des Kohlereviers und der tatsächlich vorhandenen grünen Landschaften in und um die vielen Städte. Hinzu kam die Art der Menschen, die man im „Pott“ antrifft und die mir von Beginn an sympathisch waren. Dank eines Jobwechsels siedelte ich zwei Jahre später in die „Metropole Ruhr“ über – zunächst an ihren nördlichen Rand nach Recklinghausen und 2012 dann (nach einer sechsmonatigen Verschnaufpause in Mainz) nach Essen, wo ich auch zur Zeit noch weile. Allerdings in der mittlerweile schon dritten Wohnung…

Wie geht es nun weiter? Zumindest innerhalb Deutschlands bin ich in der einwohnerstärksten Metropolregion angekommen. Und ich verspüre kein Verlangen, mich in dieser Hinsicht weiter zu steigern. Eher im Gegenteil – mir scheint, eine Rückbesinnung auf meine grundlegenden Bedürfnisse ist angebracht. Was mich bei allen Besuchen auf dem Land jedoch immer nach kurzer Zeit stört, ist die „tote Hose“, die dort herrscht. Aus dem anfänglichen Genuss der Ruhe wird sehr schnell Langeweile. Warum passiert das?

Ich bin überzeugt davon, dass mich das Leben in Großstädten stark beeinflusst hat. Ihre Annehmlichkeiten aber auch ihre Unruhe sind für mich zu Gewohnheiten geworden. Da ich wie schon erläutert in einer sehr ländlichen Region geboren und aufgewachsen bin, sind diese Gewohnheiten bei mir erst im Jugend- bzw. Erwachsenenalter entstanden. Und sie haben sich so stark manifestiert, dass aus ihnen Ansprüche erwachsen sind. In den letzten Jahren war mir offenbar noch nicht einmal mehr bewusst, dass ich nicht immer schon solche Ansprüche hatte. Genauso wenig, dass meine immer stärker gewordene innere Unruhe, Ungeduld, Unzufriedenheit womöglich auf der Nichterfüllung dieser Ansprüche gründet.

Großstädte bieten viele Möglichkeiten, und das jederzeit. Kultur, Konsum, Bildung, Sport, Vergnügen – für all das ist eine große Auswahl von Stätten in unmittelbarer Nähe vorhanden. Und es ist und bleibt offenbar das Standardproblem der „zugezogenen Landeier“, sich mit diesem Überangebot auseinandersetzen zu müssen. Einheimische, die hier aufgewachsen sind oder schon viele Jahre hier leben, haben in der Regel ihre Stammplätze gefunden, mit denen sie sich zufrieden geben. Den ganzen Rest des Angebots ignorieren sie die meiste Zeit. Ich sehe mich jedoch nach wie vor mit immer wieder neuen Möglichkeiten konfrontiert, die ich in der mir selbst zugestandenen Zeit gar nicht alle ausschöpfen kann. Mit der Zahl der Möglichkeiten steigen noch immer die Ansprüche, und mit jeder Nichterfüllung derselben steigt die Unzufriedenheit. Bäm – das ist doch mal eine Erkenntnis!

Aus diesem Teufelskreis will ich so bald wie möglich ausbrechen. Und zwar konsequent und radikal. Wenn ich ehrlich bin, nutze ich im normalen Alltag de facto nur einen verschwindend kleinen Teil der mir theoretisch zugänglichen „urbanen“ Angebote in meiner derzeitigen Wohnumgebung. Letztlich beschränkt sich die Nutzung meist auf die öffentliche Verkehrsinfrastruktur und Geschäfte für Güter des täglichen oder nicht täglichen Bedarfs. Eher selten ist mal etwas aus einem der anderen genannten Bereiche (Kultur usw.) betroffen. Ist es also für mich tatsächlich von Vorteil, all diese Möglichkeiten in meiner Umgebung zu haben? Oder würde eine Umgebung mit einem sehr überschaubaren Angebot für mich letztlich mehr Freiheit bedeuten, weil ich mir dann viel entschlossener meine Aktivitäten auswählen oder sogar selbst neue Möglichkeiten schaffen könnte?

Mir ist ja bereits bewusst, dass ein Großteil meiner Ungeduld und Unzufriedenheit aus nicht erfüllten Ansprüchen resultiert. Die Ansprüche wiederum gründen auf Gewohnheiten, welche aufgrund der Eigenschaften meiner Umgebung entstanden sind. Ich bin der Überzeugung, dass Gewohnheiten – auch wenn sie sich über lange Zeit manifestiert haben, grundsätzlich flexibel sind. Soll heißen: Ich bin stets in der Lage sie zu verändern, mir Dinge anzugewöhnen und abzugewöhnen. Hierzu sind vor allem Zeit und Willenskraft vonnöten. Eine bewusste Veränderung der äußeren Umstände wird den Prozess sicherlich erleichtern und vielleicht etwas beschleunigen. Gerade in der Anfangsphase des Abgewöhnens wird die Frustration ziemlich hoch sein, gerade wenn die Gewohnheiten zuvor sehr lange präsent waren und als selbstverständlich erschienen. Insbesondere wird immer wieder ein Drang aufkommen, die durch den Verzicht auf Gewohnheiten entstehenden Lücken zu füllen.

So viel zur Theorie. Jeder, der schon einmal eine Sucht überwunden hat, kennt diesen Entzugsprozess. Eine Sucht ist in meiner Vorstellung ohnehin nichts anderes als eine übersteigerte Gewohnheit. Konkret geht es für mich um Dinge wie „mal eben in die Bahn steigen und nach XYZ fahren“ oder „mal eben rüber zum SB-Markt gehen und ABC besorgen“. Oder auch „mal eben im Internet nachgucken“. Ihr wisst was ich meine – Annehmlichkeiten der Infrastruktur in zivilisierten Gegenden. Dinge, die für keinen Menschen überlebenswichtig sind. Von all dem möchte ich mich wieder distanzieren, mich nur noch auf wirklich Wesentliches beschränken, mir selbst Möglichkeiten schaffen… und dann vielleicht bewusst Schritt für Schritt wieder die eine oder andere Annehmlichkeit kontrolliert in mein Leben zurückkehren lassen.

Mein Weg dort hin? Raus aus der Stadt, fort vom Einfluss der urbanen Gesellschaft! Zurück aufs Land, wo nur wenige Menschen sind. Und mich dort dann ausgiebig umschauen, in mich hinein schauen, wissen wie es mir geht und was mir gut tut.

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Will nur mal kurz was zum letzten Donnerstag Abend los werden. Wer in der Werbebranche arbeitet, dem dürften die legendären alljährlichen IP-Partys bekannt sein. Ich war dieses Jahr das erste mal dabei in Düsseldorf. Die Location war ziemlich speziell – die OceanDiva, ein niederländisches Party-Schiff, das am Rheinufer angelegt hatte. War echt ganz nett! Ordentlich Platz für die vielen Gäste, angenehmes Ambiente und 1A Essen. Vor allem das Lamm war gut!

Es war auch ein wenig RTL-Prominenz anwesend. Da ich aber kein großer Fan dieses Senders bin, brachte mir das nicht viel. Einzig und allein die Punkt-12-Tante Katja Burkart erkannte ich auf Anhieb. Sie war zeitweise in ein angeregtes Gespräch mit einer „Kollegin“ verwickelt, und die beiden bewunderten gegenseitig ihr ausgefallenes Schuhwerk.

Aushalten konnte man es zu fortgeschrittener Stunde nur noch auf dem Oberdeck. Dort war es angenehm kühl und nicht so stickig wie unter Deck. Irgendwann wurde eine Performance am Ufer dargeboten, die mir allein schon wegen der Musik (Smack My Bitch Up von Prodigy) ganz gut gefallen hat.

Bin dann nur bis halb 12 geblieben und nachhause geradelt. Aber es war ein netter Abend.

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Und der Festivalsommer geht weiter. Mittlerweile müsste es das 14. Mal gewesen sein, dass am Mainzer Landtag das alljährliche Open-Air-Musikspektakel stattfand. Und tatsächlich war ich mal wieder bis zum Schluss dabei. Das dürfte bis dato nur ein einziges mal vorgekommen sein, und das war vor 13 Jahren, als die Veranstaltung anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Landes Rheinland-Pfalz ihre Premiere feierte. Damals wurde ein 10-stündiger Konzert-Marathon mit vielen wirklich illustren Auftritten geboten. Das ganze stand unter der Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten (und heutigen Parteivorsitzenden) Kurt Beck, der persönlich vor den Menschenmassen sprach, und wurde organisiert vom Südwestfunk. Dieser Tag gehört nach wie vor zu den prägendsten Ereignissen in meinem bisherigen Leben! Alles war so viel einfacher als heute… Das Wetter war bombastisch, das Gelände war nicht komplett abgesperrt, es gab keine Einlasskontrollen, wir waren von Beginn an dabei, brauchten nichts zu essen oder zu trinken und waren die vollen zehn Stunden auf den Beinen, ohne das Bewusstsein oder sonst etwas zu verlieren.

Wer stand damals auf der Bühne? Alle Namen kriege ich nicht mehr aus dem Gedächtnis zusammen, aber definitiv waren ‚N Sync, Scooter und Faithless darunter. Für einen Teen, der mit Begeisterung die Charts rauf und runter hörte, war es wie das Paradies auf Erden. Für mich war es das erste mal, dass ich einige meiner Stars live und „in echt“ erleben konnte. Und dann auch noch gleich so viele kurz nach einander! Ebenfalls einen bleibenden Eindruck hat das gigantische Feuerwerk hinterlassen, das zum Abschluss synchron zu einer stark verlängerten Version von ‚Adiemus‘ abgebrannt wurde.

Und wie ist es nun heute, 13 Jahre später? Ich bin auf jeden Fall schon mal doppelt so alt, habe in der Zwischenzeit vieles erlebt (darunter eine ganze Reihe guter Live-Konzerte), bin aber offenbar trotzdem noch in gewissem Maß begeisterungsfähig. Die Veranstaltung wird weiterhin vom Land Rheinland-Pfalz mit getragen, doch die Organisation ist irgendwann auf den Privatsender RPR1 übergegangen. Parallel zu dessen Programmqualität hat sich auch der regelmäßige Event gewandelt, leider nicht zum Besseren. Es war so offensichtlich, dass für die Veranstalter nicht mehr die Künstler im Vordergrund stehen sondern Werbung und die Einnahmen durch den Essens-/Getränkeverkauf. Eine größere Priorität als den musikalischen Darbietungen wurde in den Moderationen den ‚Stars‘ und Aktionen des Radiosenders eingeräumt. Die allermeisten Besucher dürften sich aufgrund der Konzerte vor Ort eingefunden haben, und doch wurde auf der Bühne ein kaum zu ertragendes Maß an witzlosem Klamauk und Selbstbeweihräucherung zelebriert, das zwar ein wenig die Umbaupausen überbrücken konnte, aber kaum Unterhaltungswert bot.

Zum Glück gab es ja die Konzerte! Vielleicht war es eine gute Entscheidung sich diesmal nur die letzten drei davon anzusehen. Diese steigerten sich in etwa von passabel zu hammergeil. Was davor präsentiert worden war, müsste also nach diesem Schema eher grottig gewesen sein.
Egal… Die Berliner Soul-Sängerin mit ihren „südafrikanischen Wurzeln“ gab eine routinemäßige Vorstellung ohne große Emotionen. Man drohte nicht einzuschlafen, aber hatte auch nicht das Bedürfnis in die Luft zu springen. Shaggy und seine Gang waren zwar auch routiniert, schafften es aber echtes amerikanisches bzw. karibisches Entertainment nach „Mäinss“ zu transportieren. Eine nette Show, die zum Mitmachen animierte, auch wenn die Musik eigentlich eher im Hintergrund stand. Kaum zu glauben das Shaggy erst 40 ist…
Den wirklich krönenden Abschluss boten die Energiebündel der mittlerweile etwas betagten Hip-Hop-/Crossover-Combo „Die Fantastischen Vier“. Die Herren aus Stuttgart schienen tatsächlich einen Heidenspaß zu haben und ließen diese Stimmung auf das Publikum überschwappen. Es tat richtig gut sie bei dem zu beobachten und zu belauschen was sie schon seit sehr langer Zeit machen und entsprechend gut beherrschen. Die Show war einfach aus einem Guss, jeder Song wurde sinnvoll in den nächsten übergeleitet, und man konnte in der Tat eine Art Spannungskurve spüren. Bei einigen Liedern musste ich feststellen dass ich die Texte passagenweise auswendig mitrezitieren konnte. Mann, eine meiner ersten CDs war „4 gewinnt“, und die befindet sich auch jetzt noch in meiner bescheidenen Sammlung. Die Fantas haben auf keinen Fall enttäuscht, und alleine deshalb hat es sich gelohnt sich das dichte Getümmel wieder einmal anzutun.

Shaggy

Fanta 4 - Ernten was man sät

Habe mir gerade den „neuen Akte X Film“ im Kino angesehen. Was für ein Glück dass ich mich nicht durch all die Kritiken in den Medien entmutigen ließ! Ich hatte in der Tat vorher noch nie eine so geballte Ladung Negativ-Presse zu einem Film erlebt. Im Nachhinein muss ich vermuten dass die Verfasser jener Kritiken allesamt keine Fans der Serie sind. Genau für die ist der Film nun mal gemacht. Wer bloß die eine oder andere X-Akte (also Episode) kennt, sollte sich lieber Hancock oder Mamma Mia ansehen – dort ist das Geld mit Sicherheit besser angelegt. Wer allerdings behaupten kann, zumindest den größten Teil der X-Akten mit Eifer mitverfolgt zu haben und daher mit den Charakteren und der typischen Atmosphäre vertraut ist, dem kann ich die gerade angelaufene zweite Kino-Adaption der Kultserie wärmstens ans Herz legen.

Okay, am Anfang ist man evtl. etwas enttäuscht von dem etwas zu sehr gestrafften Handlungsablauf und dem platten Humor der Figuren, doch nach einer Weile gewinnt die Story an Fahrt und es baut sich eine angenehme Spannung auf. Ein paar eingestreute teils recht emotionale Dialoge entschleunigen das ganze zwischendurch wieder etwas. Doch ich würde behaupten dass sich der Gähnfaktor in Grenzen halten sollte, wenn man weiß wie die beiden Protagonisten Mulder und Scully zu einander stehen.

Zudem wird jeder, der sich bizarre UFO-/Alien-Szenen oder eine Fortsetzung des Verschwörungs-Szenarios erhofft hat, leider enttäuscht. Mag die Serie in den ersten paar Staffeln von ersteren, zum Ende hin von letzterem geprägt gewesen sein, hat der Film ein eher menschliches Grundgerüst. Er befasst sich intensiv mit den Persönlichkeiten der Hauptfiguren (insbesondere Dana Scully) und greift einige Themen auf, die Amerika in den letzten Jahren beschäftigt haben, wie z.B. die Präsidentschaft G.W. Bushs, Pädophilie unter Priestern und illegalen Organhandel.

„Alte Bekannte“ tauchen, mit Ausnahme eines kurzen Auftritts von Walter Skinner, ebenfalls nicht auf. Die beiden FBI-Agents, die Mulder und Scully für einen speziellen Fall wieder aus der Versenkung holen, sind auch eher profillos. Insbesondere Rapper Xzibit ist nicht wirklich überzeugend in seiner Rolle als Agent Drummy und absolut keine Bereicherung…

In der deutschen Fassung des Films wird man sich zu Beginn etwas über die ungewohnte Synchronstimme von Fox Mulder ärgern. Doch sie passt zu ihm und kommt meiner Meinung nach sogar etwas näher an die Originalstimme von David Duchovny heran als das was man aus der Serie kennt.

Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass „I Want To Believe“ (hierzulande blödsinnigerweise mit „Jenseits der Wahrheit“ betitelt) die düstere Grundstimmung der TV-Serie meiner Meinung nach sehr gelungen wieder aufleben lässt und eine in sich geschlossene spannende Story erzählt, die – im Gegensatz zum Serienfinale – angenehmerweise ein Ende hat, mit dem man als Fan ausgesprochen gut leben kann.

Noch ein kleiner Tipp zum Schluss: Bitte nicht aufstehen und weg laufen, wenn der Abspann beginnt. Nach ein paar Minuten Geduld wird man mit einem *besonderen* Bild belohnt! 😉

Ich habe eine ziemlich beschissene Woche hinter mir. Deshalb hat es sich nicht wirklich gelohnt hier irgend etwas zu posten. Auch wenn bei meinem zweiten Termin beim Kieferchirurgen letzte Woche wesentlich weniger herum geschnitten worden war als beim ersten, dauerte die Heilung diesmal wesentlich länger. Während das Loch wo der obere Weisheitszahn gesessen hatte überhaupt keine Probleme machte und kaum weh tat, ist am unteren Ende selbst jetzt noch kein absoluter Normalzustand eingekehrt. Es hat seit dem Eingriff bisher keinen Tag gegeben an dem ich komplett schmerzfrei war. Mittlerweile stört es nicht mehr – auch nicht beim Essen -, aber der größte Teil der Woche war von echter Quälerei bestimmt. Mit Schmerztabletten ließ sie sich teilweise in Grenzen halten…

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bis am Donnerstag mein Magen rebellierte. Ob das wirklich am Tablettenkonsum oder an etwas anderem lag werde ich wohl nie erfahren. Am Freitag wurde der Faden gezogen, mit dem die Wunde genäht worden war. Der Chirurg antwortete auf meine Frage ob es normal sei wenn es nach einer Woche noch immer so weh tat: „Normal ist anders – aber es darf es!“
Den Rest des Tages überstand ich irgendwie mit eineinhalb Laugenstangen, einer dreiviertel Tasse Tee und ohne Schmerzmittel.

Das Düsseldorfer Kirmes-Feuerwerk am Freitag Abend konnte ich nur aus der Ferne mit anhören, war aber viel zu erschöpft um es vor Ort mitzuverfolgen. Nach ausreichend Schlaf fühlte ich mich am nächsten Morgen unerwarteterweise fit genug um die Loveparade in Angriff zu nehmen!
In Dortmund änderte sich dieser Zustand nach ein paar Stunden leider wieder. Es war sicherlich ganz nett mal dort gewesen und das Spektakel gesehen zu haben… und vielleicht um sagen zu können dass ich einer von 1,6 Millionen (?!) Besuchern war. Aber irgendwie wollte nicht so recht die gewohnte Stimmung bei mir aufkommen. Das mag auch ein wenig am Wetter gelegen haben. Alle die keinen Regenschirm dabei hatten müssen zeitweise wirklich kurz vor dem Ertrinken gewesen sein. Abends zuhause vor dem Live-Stream bereute ich es dann doch wieder ein wenig nicht länger geblieben zu sein. Die Sets von Armin van Buuren und Paul van Dyk waren zum Teil ganz nett, und Underworld hätte ich mir liebend gerne mal live angesehen, zumal ich den Sound dieser britischen Kapelle sehr attraktiv finde. Und auch die Feuer- und Lasershow zum Abschluss dürfte vor Ort beeindruckender gewesen sein als am Bildschirm…

Der heutige Tag war auch wieder ziemlich kalt und durchwachsen. Immerhin bot sich eine letzte Gelegenheit die Kirmes auf den Rheinwiesen zu besuchen. Leider kam es auch dort wieder zu einem Wolkenbruch, und die Lust noch länger zu bleiben war ziemlich schnell verflogen.
Auf das nächste Wochenende blicke ich momentan noch mit etwas Argwohn, denn ob man es glaubt oder nicht – es findet offenbar gar keine große Veranstaltung in der Nähe statt, auf die es sich zu gehen lohnt. Bin das ja gar nicht mehr gewöhnt.
Naja, was fest steht ist dass am Donnerstag der neue X-Files Film im Kino anläuft, und den zu sehen ist absolute Pflicht. Somit steht zumindest schon mal eine Aktivität fürs kommende Wochenende fest!

Wie meinem vorherigen Post zu entnehmen ist, bin ich heute nicht im Büro gewesen. Was mich allerdings nicht davon abgehalten hat mein geschäftliches Email-Fach einmal zu checken. Das hat sich sogar richtig gelohnt – es waren eine ganze Reihe ungelesener Nachrichten drin. Okay, die meisten davon konnte ich sofort löschen oder nach kurzem drüber lesen als erledigt markieren und irgendwo einsortieren. Aber trotzdem war es ein kleines bisschen Arbeit, die der Firma zugute kam.

Das war doch eine passende Einleitung zu einer Thematik, mit der sich eine Umfrage beschäftigt hat, die vor eine paar Tagen vom Bundesverband Informationswirtschaft Telekommunikation und neue Medien e.V. (kurz: BITKOM) veröffentlicht wurde. Es wurde bei ca. 1000 Personen nachgehört, wie sie zur Erledigung von geschäftlichen Arbeiten in den eigenen vier Wänden stehen. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen: Immerhin 17% der Befragten würden ihre berufliche Tätigkeit am liebsten komplett zuhause ausüben, und 50% könnten sich vorstellen nur noch teilweise in den Räumen des Arbeitgebers zu ackern.

Gerade bei Jobs die sich ausschließlich am Rechner abspielen ist es doch eigentlich vollkommen egal wo dieser steht. So lange er eine stabile Anbindung ans Internet hat, ist es möglich auf die elektronischen Daten des Unternehmens zuzugreifen und mit Kollegen, Kunden oder Geschäftspartnern zu kommunizieren. Heutzutage ist man ohne großen technischen Aufwand weltweit vernetzt, und das nicht nur zuhause sondern im Grunde sogar überall wo mobile Datenverbindungen möglich sind.

Wo liegen überhaupt noch echte Vorteile „zur Arbeit zu gehen“ gegenüber der Möglichkeit sich seine Arbeit nachhause zu holen oder sie einfach an beliebige Orte mitzunehmen? Den einzigen Faktor den ich (an)erkenne sind die persönlichen Kontakte mit den damit verbundenen zwischenmenschlichen Vorgängen. Unternehmen wie Google, deren Geschäft sich praktisch nur um Online-Themen dreht, machen es vor: Die Mitarbeiter werden regelrecht zu „Buddy-Beziehungen“ gezwungen, zu Kollegen gleichermaßen wie zu Business-Partnern. Vielleicht gerade weil es nahe läge solche Firmen mit einem großen Schwarm von Freelancern – also „freien“ Mitarbeitern ohne feste Bindung an einen Arbeitsplatz – zu betreiben, macht man es gerade nicht so. Es wird sehr großer Wert darauf gelegt, dynamische aber funktionierende und harmonische Teams zu bilden, die eine Art kollektiven „Spirit“ erzeugen und dadurch leistungsfähiger sind. So etwas ließe sich nie mit räumlich getrennten, zersplitterten oder quasi virtuellen Arbeitsplätzen erreichen.
So lange es bei einer Tätigkeit wirklich nur um den reinen Output geht, ist der Ort an dem sie ausgeführt wird theoretisch egal (siehe z.b. Programmierer oder Call Center Agents). Sobald aber zwischenmenschliche Aspekte und Teamgeist einen Teil des geschäftlichen Erfolgs ausmachen, wird es nicht möglich sein alle Mitarbeiter ausschließlich im Home-Office zu beschäftigen.

Meine persönliche Idealvorstellung wäre eine Hybridlösung. In meinem Job ließen sich auf jeden Fall die rein ergebnisorientierten und die teambezogenen Aufgaben zeitlich trennen. Ich könnte mir sehr gut vorstellen einen Teil meiner täglichen Arbeit zuhause zu erledigen und hätte hier eine ruhigere Atmosphäre als im Büro, was mir in vielen Fällen vermutlich sogar den Kopf freier halten und damit zu besserer Leistung führen würde. Wenn es allerdings um Meetings und notwendige Absprachen mit Kollegen geht, bevorzuge ich eindeutig das persönliche Gespräch im Vergleich zu Telefon, Chat oder Videokonferenz.

Hier der Link zur Presseinfo der BITKOM: http://www.bitkom.de/53136_53131.aspx

Und hier eine nette Grafik dazu:

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