Dieses Jahr werde ich 34. Das ist nach den Maßstäben unserer Gesellschaft kein hohes Alter. Aber jung bin ich damit auch nicht mehr, sondern „irgendwo mittendrin“ halt. Wenn ich cheap cialis 20mg mir andere Menschen in diesem Alter in meinem Umfeld betrachte, wirken diese auf mich sehr beschäftigt. Sie haben sich „etwas aufgebaut“ oder sind noch dabei es zu tun. Sie haben sich zu einem kleinen Teil von etwas größerem gemacht und agieren innerhalb ihres selbst geschaffenen Mikrokosmos, gut integriert in den übergeordneten Makrokosmos. Sie denken in einem großen zeitlichen Radius und streben keine signifikanten Veränderungen an. Sie arbeiten daran, mit Hilfe dessen was sie schon erreicht haben eine langfristige Stabilität und Gleichmäßigkeit zu erlangen beziehungsweise beizubehalten. Sie ziehen größere Veränderungen für sich selbst nur dann in Betracht, wenn äußere Umstände sie erforderlich machen – durch Krankheiten, Unfälle, Todesfälle, Insolvenzen oder Ähnliches. Doch sie treffen selbst für solche Umstände meist Vorsorge, um die eventuellen Auswirkungen so gering wie möglich zu halten. Ihr Hauptanliegen ist ganz klar die Stabilität.

Wenn ich mir das bewusst mache, erscheint es mir als hätte ich irgendwann den Anschluss verpasst. Ich erinnere mich noch vage an Zeiträume, in denen auch ich nach Stabilität trachtete, aber letztlich ist dieses Ziel immer wieder aus meinem Fokus gerutscht. Und beim Nachdenken über das Warum erscheint es mir als wären die Wege nie die richtigen gewesen. Noch viel mehr erscheint es mir als wäre ein Weg für mich stets wichtiger als ein Ziel. Während ich mich auf das Beschreiten des Weges konzentriere, entgleitet mir das Ziel schon wieder. Aber möchte ich überhaupt irgendwo ankommen? Oder kann ein Weg mich so sehr ausfüllen, dass ich auch ohne Ziel die Motivation behalte, ihn weiter zu gehen?

In den letzten Jahren habe ich einige Wege eingeschlagen und dann nicht weiter verfolgt. Ein jeweiliges Ziel war schnell wieder verschwunden oder gar nicht erst vorhanden. Und die Wege als solche füllten mich nicht in einem Maß aus, das sie motivierend machte. Was motiviert mich denn? Ganz allgemein betrachtet sind es Dinge, die ich selbst tun kann, ohne auf andere Dinge angewiesen zu sein. Demotivierend ist es für mich hingegen, auf etwas warten zu müssen. Daraus lässt sich folgern, dass ein für mich sinnvoller und nachhaltiger Weg weitgehend nur durch meine eigenen Aktionen funktionieren müsste – und nicht durch die anderer Menschen oder durch äußere Umstände.

Mir fällt gerade massiv auf, dass mein Lebensalltag in hohem Maß von anderen (Menschen und Institutionen) bestimmt wird. Möglichkeiten zur Selbstbestimmung scheine ich zur Zeit fast gar nicht auszuschöpfen. Meinen Lebensunterhalt verdiene ich durch eine „freiberufliche“ Tätigkeit – meine Arbeitszeiten bestimmen dennoch andere. Die finanzielle Lücke und die teure gesetzliche Krankenversicherung füllt das Jobcenter aus – und droht mit Sanktionen, wenn ich mich nicht um andere Arbeitsplätze bemühe. Ein vor zweieinhalb Jahren begonnenes Studium kann ich nicht nach meinen Vorstellungen abschließen – weil die Universität starre Regeln beibehält, die damit nicht vereinbar sind. Meine Familie und mein Partner leben zwischen 70 und 300 Kilometern von meinem derzeitigen Wohn- und Arbeitsort entfernt – und sind aufgrund ihrer eigenen Umstände nicht in der Lage mich zu besuchen. Meine kleine Mietwohnung ist seit meinem Einzug vor 10 Monaten in noch fast dem gleichen chaotischen Zustand – weil die Hausverwaltung mir keinen Kellerraum zur Verfügung stellen kann und mir aufgrund einiger schon genannter Punkte bisher die Motivation gefehlt hat, die Wohnung dennoch wohnlich herzurichten.

Der letzte Absatz klingt auch für mich nach Klagen auf hohem Niveau, wenn ich ihn noch einmal durchlese. Er beschreibt jedoch meinen realen Status quo. Dass ich mit diesem unzufrieden bin und er für mich keinen Weg ebnet, den ich auf längere Sicht weiter gehen möchte, dürfte nach allem hier bereits Gesagten den meisten Lesern einleuchten. Mein Gefühl deutet mir an, dass es mühseliger wäre zu versuchen den Status quo zu „reparieren“ – allein aufgrund der zahlreichen „Baustellen“ – als einen kompletten und ernsthaften Neuanfang zu wagen und dabei die Maxime der weitestgehenden Selbstbestimmung im Blick zu behalten.

Mir ist bewusst, dass es ohne eine Erweiterung des Horizonts kaum möglich erscheint, einen solchen Weg erfolgreich zu beschreiten. Ich bin mir sicher, dass viele Leser meine Gedanken schon jetzt für unrealistisch halten. Und ich sage noch einmal: Horizont! Realistisch ist, dass jeder Mensch Dinge zum Leben benötigt – und einen Lebensunterhalt, um diese Dinge erhalten zu können. Konstruktiv ist es nun für mich, einen Weg zu finden, mit dem ich meinen Lebensunterhalt bestreiten und mich zugleich von allen externen Faktoren unabhängig machen kann, die zur Zeit noch meinen Lebensalltag (mit)bestimmen. Ich lasse mir von niemandem einreden, dass dies nicht möglich wäre! Zugegebenermaßen bietet unsere eingangs erwähnte Gesellschaft mir tatsächlich kaum entsprechende Chancen. Wer ein Teil von ihr sein will, wird gezwungen ihr etwas zu geben, macht sich dadurch aber zu einem hohem Grad von ihr abhängig und kann nicht frei und selbstbestimmt agieren.

Mir fällt ad hoc nur eine einzige Berufsgruppe in der mittel- und westeuropäischen Gesellschaft ein, die diesen Regeln relativ wenig unterworfen ist und dennoch – mit etwas Glück – fähig ist ihren Lebensunterhalt selbst zu erwirtschaften. Es handelt sich dabei um die freischaffenden Künstler, die keine Auftragsarbeiten machen. Wer es geschafft hat, sich „einen Namen zu machen“ und zuverlässige zahlende Abnehmer für die eigenen Werke zu haben, ohne Vorgaben von diesen Abnehmern zu erhalten, ist in der Lage relativ frei und selbstbestimmt den eigenen Lebensalltag zu gestalten. Ich stelle mir den Weg zu diesem Dasein allerdings mühselig vor. Zudem sind natürlich ein hohes Maß an Kreativität und Leidenschaft sowie gewisse Werkzeuge vonnöten, um überhaupt in der Lage zu sein künstlerische Werke zu erstellen.

Erst wenn ich mich gedanklich von meinem derzeitigen Lebensumfeld löse, fallen mir weitere „Berufe“ ein, über die sich selbstbestimmt ein Lebensunterhalt erwirtschaften lässt. Diese bewegen sich im Bereich der Agrarwirtschaft im kleinen Rahmen. Auch die Vorstellung der kompletten Selbstversorgung wabert hierbei als Extremform durch meinen Kopf. In unserer Gesellschaft scheint ein solcher Beruf aber nicht nach meinen Vorstellungen zu funktionieren. Agrarwirte sind in Europa und allgemein in Industrieländern nach meinem Wissen meist hochgradig abhängig, da sie ja praktisch ausschließlich Güter für andere erzeugen und diese Güter zudem staatlich reguliert sind. Selbst wer gar nicht den Anspruch hat, mit seinen Gütern im großen Stil zu handeln, muss sich wohl diesen Regularien unterwerfen und darf vieles nicht selbst bestimmen. Anders sieht es in Entwicklungsländern aus. Dort kann Landwirtschaft noch in kleinem Rahmen und unabhängig von staatlichen Institutionen funktionieren. Mir scheint, dass dort noch eine selbstbestimmte Existenz und ein Lebensunterhalt möglich sind, ohne zunächst viele Voraussetzungen schaffen zu müssen, wie es beim Künstler der Fall ist. Lediglich ein gewisses Maß an praktischem Wissen zum Anbau von Nutzpflanzen, zur Viehzucht oder Fischerei braucht man dazu – und natürlich die notwendigen Flächen.

Würde ich nun der Allgemeinheit mitteilen, dass ich plane Farmer in einem Entwicklungsland zu werden, wäre die harmloseste Reaktion wahrscheinlich ein großes ABER. Genauer gesagt Sätze, die etwa mit „Aber du brauchst doch…“ beginnen. Ja, ich brauche wie jeder Mensch gewisse Dinge zum Leben. Dabei handelt es sich grundsätzlich um Nahrung, einen Platz zum Schlafen, Kleidung, Licht und Wärme – und vielleicht ein kleines soziales Umfeld. Nicht lebensnotwendig sind in der Tat diverse Elektrogeräte sowie jegliche materiellen Güter oder „Accessoires“. Vermutlich halten so ziemlich alle Menschen in meinem momentanen Umfeld den Verzicht auf alles außer den absolut lebensnotwendigen Dingen für unmöglich – und sprechen auch mir die Fähigkeit oder Bereitschaft hierzu ab. Ich gebe zu, dass es mich große Überwindung kosten würde, langjährige Gewohnheiten aufzugeben. Doch es handelt sich dabei ja nicht um angeborene Bedürfnisse. Meine Umwelt und die Gesellschaft, in der ich aufgewachsen bin und mich heute bewege, haben diese Bedürfnisse überhaupt erst geweckt. Und ich bin fest überzeugt davon, mich von ihnen wieder distanzieren und schließlich auch lösen zu können. Gerade in einer Umgebung, in der gar nicht die Möglichkeit bestünde, viel mehr als die reinen menschlichen Grundbedürfnisse zu befriedigen, und damit auch keine Versuchung bestünde, sich mehr zu „gönnen“ als nötig.

Ich gehe so weit zu behaupten, dass selbst viele chronische Erkrankungen, unter denen Menschen aus „entwickelten“ Gesellschaften häufig leiden, durch die damit verbundene Lebensweise entstehen oder erst durch sie negative Auswirkungen haben. In meinem Fall ist es eine Refluxkrankheit, die sich nach Umstellung der Ernährung (zum Beispiel Trennkost und Verzicht auf hochgradig verarbeitete Lebensmittel) womöglich gar nicht mehr bemerkbar machen würde – ohne dass ich Medikamente einnehmen müsste. Meine Neigung zu Depressionen würde vielleicht zurück gehen, wenn der von außen kommende psychische Druck auf ein Minimum reduziert wäre. Meine Emetophobie würde mich nach Gewöhnung an eine naturverbundenere Lebensweise in einer nicht so „sterilen“ Umgebung sicherlich viel weniger belasten – ohne Durchführung einer weiteren Therapie. Und selbst das bei mir wahrscheinlich vorhandene, wenn auch noch nicht diagnostizierte, Asperger-Syndrom wäre in einem Alltag, der zum allergrößten Teil von mir selbst und nicht von anderen bestimmt wird, kaum relevant. Die Gesellschaft, in der ich mich gerade bewege, bietet mir zwar allerlei Mittel, die Auswirkungen all jener Erkrankungen zu reduzieren, jedoch zum Preis der Abhängigkeit von diesen Mitteln – und stets mit dem Ziel, mich wieder zu einem möglichst stabilen und produktiven Teil des Kollektivs zu machen. Genau das was – wie eingangs beschrieben – die meisten Menschen aus meinem derzeitigen Umfeld und meiner Altersgruppe anstreben. Ich aber nicht!

Hier schließt sich dann auch der Kreis meiner Gedanken. Mein Wunsch nach einem unabhängigen, maximal selbstbestimmten Leben ist präsent. Ich habe Ideen für mögliche Wege dorthin und keine Angst vor der Erweiterung meines Horizonts. Ich hoffe, bald aus dem Teufelskreis der Abhängigkeit auszubrechen und einen neuen Weg zu beschreiten. Einen Weg, der mich motiviert und zufrieden macht.

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