Bewerbungen vs Ehrlichkeit

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Auch wenn ich dieses Thema schon in anderen Postings angeschnitten hatte, will ich dazu nochmal ganz gezielt ein paar Dinge loswerden. Vor zwei Tagen hatte ich eine relativ hitzige Diskussion mit meinem Bruder. Er berichtete von seinen Erfahrungen als Bewerber und dem damit verbundenen Frust. Viele Menschen kostet es große Überwindung, in Bewerbungen und Vorstellungsgesprächen die Wahrheit zu verbiegen, um sich selbst in einem positiveren Licht erscheinen zu lassen. Doch leider wird von Bewerbern genau das erwartet.

Hat man einmal eine Arbeitsstelle ergattert, kann man beruhigt wieder weitgehend „man selbst“ sein, ohne den Job aufs Spiel zu setzen. Doch so lange man keine feste Zusage hat, gilt es den schönen Schein zu wahren. In vielen Fällen erreicht man das schon durch Übertreibung, dem Hervorheben positiver und dem Verschweigen negativer Dinge. So lange es nur dabei bleibt sehe ich kein Problem. Aber sobald echte Lügen nötig sind, um keinen „negativen“ Eindruck zu hinterlassen, ist meine Schmerzgrenze überschritten.

Gerade in Vorstellungsgesprächen wird in der Regel systematisch nach vermeintlichen Schwachpunkten beim Bewerber gesucht. Lücken oder Ungereimtheiten im Lebenslauf, unvollständige Unterlagen oder bestimmte Formulierungen in Zeugnissen geben immer wieder gerne Anlass zum Nachhaken. Und oft genug tritt die fachliche Qualifikation eines Kandidaten dabei plötzlich völlig in den Hintergrund. Wer keine astreinen und vollständigen Bewerbungsunterlagen vorweisen kann und deshalb keine Absagen riskieren will, der steht vor der Wahl:

  • Lebenslauf und/oder Zeugnisse zu „pimpen“ (sprich: Dokumente zu fälschen),
  • im Vorstellungsgespräch zu lügen,
  • im Vorstellungsgespräch heikle Punkte auszulassen oder Aussagen hierzu zu verweigern (und hoffen dass dies nicht als Schwachpunkt gewertet wird)
  • ehrlich zu bleiben (und hoffen dass der Entscheider im Unternehmen ein Herz für ehrliche Menschen hat)

Letztlich bleibt es natürlich jedem selbst überlassen, welchen Weg er wählt. Für mich habe ich jedenfalls entschieden, mir nicht mittels Fälschung oder Lügen einen Job zu erschleichen, egal wie interessant er auch erscheinen mag. Selbst wenn nach einer Zusage alles egal ist was man davor gesagt hat und über Lügen im Nachhinien geflissentlich hinweg gesehen wird, weigere ich mich meinen persönlichen Ehrlichkeitskodex zu torpedieren.

Ob und wie sich das auf zukünftige Bewerbungen auswirkt, wird sich noch zeigen…

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