Und schon wieder war ich offensichtlich zu voreilig! Wer keinen festen Arbeits-, Ausbildungs- oder Studienplatz hat, sollte nicht auf die Idee kommen den Wohnort zu wechseln. Und warum tue ich genau das trotzdem? Die Antwort hierauf liefern die voran gegangenen Postings in diesem Blog. Von mehreren Bekannten, die schon in ähnlichen Situationen waren, habe ich Horrorstorys mitbekommen, und die meisten rieten mir davon ab als Arbeitsloser einen Umzug zu wagen. All das brachte mich nicht von meinem Vorhaben ab…

Und bisher war eigentlich alles wie am Schnürchen gelaufen! Allen anderen Meinungen zum Trotz machte das Arbeitsamt überhaupt keine Probleme. Im Gegenteil – man zeigte sich dort überaus verständnisvoll und kooperativ… und seitdem erhalte ich auch keine nervigen Einladungen zu sinnlosen Terminen mehr!

Die Kündigung der alten Wohnung war im Grunde Formsache. Auch meine Vermieter legten mir keine Steine in den Weg, kümmerten sich sogar selbstständig um die Suche nach einem Nachmieter, und es sieht sehr danach aus, dass die Wohnung schon ab dem nächsten Monat weiter vermietet werden kann und ich damit finanziell entlastet bin. Innerhalb von zwei Tagen nach Veröffentlichung der Wohnungsanzeige im Netz kamen schon um die zehn Interessenten zur Besichtigung vorbei! Sowohl die Lage als auch der Mietpreis sind nunmal ziemlich attraktiv.

Auch für die vorübergehende Einlagerung meines Hausrats (oder zumindest einem Großteil davon) fand sich schon beim zweiten Anlauf eine bezahlbare Lösung. Der erste Self-Storage-Anbieter, bei dem ich anfragte, wollte mir für ein 4,5 m² Kabuff insgesamt mehr als 100 € pro Monat abknöpfen. Doch dann fand ich einen kleineren regionalen Anbieter, bei dem ich für einen etwa gleich großen Raum nur ca. 60 € monatlich hinlegen muss. Das ist fair, und außerdem konnte ich über seinen Rahmenvertrag mit einem Autovermieter fast 50% bei der Reservierung eines Transporters sparen. Was will man mehr…?

Auch mit meinen Bewerbungen um einen neuen Job ist es bisher ganz gut gelaufen. Von den vier großen Unternehmen, die mit meinen Unterlagen versorgt sind, haben mich nach zwei Wochen schon zwei zu Vorstellungsgesprächen eingeladen, eines hat abgesagt und von einem steht die Rückmeldung noch aus. Das lässt mich im Prinzip zuversichtlich sein, dass ich vor Ende des Jahres wieder in Lohn und Brot sein werde.

Die einzige Stelle, an der es wirklich hakt, ist eine Unterkunft für die nächsten Monate. Dabei sind gerade hier meine Ansprüche gar nicht so hoch. Ein kleines möbliertes Zimmer würde mir für den Übergang schon völlig genügen. Doch auch so etwas zu finden, stellt sich gerade als echtes Problem heraus. Und der einzige Grund hierfür scheint meine momentane Arbeitslosigkeit zu sein. Ich hatte mich zunächst mal bei zwei Immobilienverwaltungsfirmen ganz formal um ein möbliertes Apartment beworben und machte dabei natürlich wahrheitsgemäße Angaben zu meiner aktuellen beruflichen Situation. Beide Firmen meldeten sich nicht selbständig bei mir zurück. Auf mein telefonisches Nachhaken hin kam von beiden die selbe Reaktion: Man teilte mir mit, es seien gerade alle Wohneinheiten vergeben und vertröstete mich jeweils auf den nächsten Monat. In einem Fall wurde sogar ganz nebenbei noch einmal gefragt, ob ich zwischenzeitlich eine Jobzusage hätte. Warum man sich nicht traut, Klartext mit mir zu reden, ist mir schleierhaft. Denn der Sachverhalt erscheint mir vollkommen einleuchtend: Den Eigentümern der Immobilien sind Studenten ohne Einkommen als Mieter lieber als Arbeitslose, die monatlich vom Staat mehr Geld auf ihr Konto bekommen als so mancher Arbeitnehmer. Wer keine feste Beschäftigung hat, landet tatsächlich bei den meisten pauschal in der Schublade für den sozialen Abschaum – unabhängig vom Beruf oder den Gründen für die Arbeitslosigkeit.

Mein Plan B war, mir von einer Agentur eine Unterkunft auf Zeit vermitteln zu lassen. Doch dabei wurde mir fast sofort der Wind aus den Segeln genommen. Für zwei dieser Wohnungsvermittler hatte ich heute sorgfältig die Auftragsformulare ausgefüllt und die verlangten Ausweiskopien gefaxt. Schon wenige Minuten nach Übermittlung der Dokumente wurde ich von einer Mitarbeiterin einer dieser Agenturen angerufen, die mir mit sehr gequälter Stimme mitteilte, sie könne mir leider keine Unterkunft vermitteln, da generell nur Personen, die sich in einem festen Arbeitsverhältnis befänden, berücksichtigt würden. Überraschenderweise ließ sie sich meine Situation schildern und zeigte sogar aufrichtiges Verständnis, dass es durchaus Sinn machen kann, sich als Arbeitsuchender um eine Unterkunft an einem anderen Ort zu bemühen, auch wenn man dort noch keine feste Jobzusage hat. Doch natürlich half das nichts, Regeln sind Regeln, und ich befürchte dass diese auch bei allen anderen Wohnungsvermittlern gelten. Ein klein wenig diskriminierend finde ich das schon, bin mir aber bewusst dass Personen wie ich offenbar absolute Ausnahmefälle darstellen. Hieran wird wieder einmal deutlich, welche Nachteile man hat, wenn man nicht mit dem Strom schwimmt und nicht das tut was fast alle anderen tun.

Wer sich in meiner Situation befindet, ist letztlich auf die Unterstützung von Familie und/oder Freunden angewiesen. Der Rat, sich vorübergehend in ein Hotel einzumieten (den ich heute tatsächlich zu hören bekam), ist für einen Arbeitslosen mit begrenztem Budget ziemlich absurd. Ich werde mich nicht unterkriegen lassen und weiterhin nach Lösungen für dieses letzte Problem bei meinem Wohnortwechsel suchen. Und sollte sich keine Lösung finden… Naja, es gibt ja ein paar große Brücken in Mainz.

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