Es gibt Situationen, in denen es keinen Sinn macht arbeiten zu gehen, selbst wenn man es gerne würde. Eine Situation dieser Art kann zum Beispiel dann auftreten, wenn das Annehmen eines Jobs zu einem finanziellen Abstieg führen oder dessen Risiko erhöhen würde. Seit einiger Zeit befinde ich mich in einem solchen Dilemma.

Aufgrund einer Verkettung von Umständen ist meine aktuelle Lage offenbar speziell und ungewöhnlich. Die Kombination aus Wohnort und beruflicher Qualifikation ist in meinem Fall – gelinde gesprochen – nicht sehr glücklich. In dem Bereich, den ich seit meinem Einstieg ins Berufsleben beackert habe, werden generell hier in der Umgebung nur in sehr geringem Maß Mitarbeiter gesucht. Erst ab ca. 60 km Entfernung tummeln sich die Unternehmen, die Köpfe mit entsprechendem Know-how einsetzen können… und bereit sind Gehälter zahlen, die sich mindestens auf dem Level meiner letzten Anstellung befinden.

Und das führt dazu, dass sich Arbeitsamt, Jobvermittler und Zeitarbeitsfirmen an mir die Zähne ausbeißen! Denn die wenigen freien Stellen im näheren Umkreis meines Wohnorts, die von den Matching-Systemen ausgespuckt werden, passen immer nur teilweise zu meinen Kenntnissen und sind entsprechend mies bezahlt. Mein aktueller Sachbearbeiter beim Amt machte große Augen, als er den mir bewilligten Betrag für das Arbeitslosengeld erblickte und dadurch auf die Höhe meines letzten Gehalts schließen konnte. Entsprechend wenige Stellenvorschläge hatte er seitdem für mich parat…

Sofern die Bezahlung für eine Tätigkeit nur 100 bis 200 Euro über dem ALG-Betrag liegt, macht es allein angesichts der Fahrtkosten nicht den geringsten Sinn ein solches Stellenangebot anzunehmen. Und selbst wenn das Nettogehalt mehrere hundert Euro höher läge, würde ich im Fall des erneuten Arbeitsplatzverlusts deutlich weniger Arbeitslosengeld bekommen als jetzt. Ein Risiko, das man gerade während einer Probezeit nur ungern eingehen möchte.

Aus all dem resultiert eine wirklich nervige Zwickmühle:

  • Nehme ich einen Job in meiner näheren Umgebung an, bringt dieser mir nicht mehr Einkommen ein als ich durch das ALG eh schon habe.
  • Nehme ich einen Job an, der sich etwas weiter weg befindet und dessen Bezahlung zwischen meinem ALG und dem letzten Gehalt liegt, riskiere ich bei erneuter Arbeitslosigkeit mittelfristig ein noch geringeres Einkommen und habe außerdem täglich Stress und zusätzliche Kosten durch das Pendeln.
  • Nehme ich einen Job an, der sich noch weiter weg befindet aber ein gleich hohes oder besseres Gehalt als meine letzte Beschäftigung bietet, muss ich umziehen und meine Wahlheimat verlassen.
  • Nehme ich gar keinen Job an und versuche mich selbständig zu machen, muss ich mich langfristig verschulden, mich auf die mühsame Suche nach Kunden begeben und ein unregelmäßiges bzw. unberechenbares Einkommen riskieren.
  • Nehme ich gar keinen Job an und bleibe weiterhin arbeitslos, habe ich dank hoher monatlicher Fixkosten (Miete, Kredit, Versicherungen etc.) für die kommenden Monate nur sehr wenig Lebensunterhalt und werde im nächsten Jahr auf Hartz IV hinunter gestuft, was unter anderem definitiv einen Wohnungswechsel nach sich ziehen würde.

Gibt es einen Ausweg aus dieser Misere oder zumindest einen Kompromiss, der ohne größere persönliche Abstriche umsetzbar ist? Entweder gibt es ihn nicht, oder ich bin blind…

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