Manchmal zahlt sich Planung aus, und manche Dinge lassen sich nicht planen… wie sich heute wieder einmal gezeigt hat. Den Besuch bei einem Freund in Wuppertal wollte ich mit einer Radtour verbinden, und die war gut vorbereitet!

Ein Blick auf Google Maps führte zu Tage, dass von Recklinghausen bis Wuppertal-Oberbarmen ca. 45 bis 50 Kilometer (je nach Route) zurückzulegen sind. Im Grunde also eine Strecke, die sich bei mittelschnellem Tempo und ohne Pausen locker in 3 Stunden abfahren lässt. Doch welche Route ist die beste? Es muss nicht unbedingt immer die kürzeste sein, denn beim Radfahren sind Steigungen ein nicht gerade unwichtiger Faktor, und wenn man sich nicht absichtlich verausgaben will, gilt es sie in der Planung zu minimieren.

Als Basis nahm ich eine der von Google Maps vorgeschlagenen Routen, allerdings nicht die erste, denn die hätte mich direkt durch die Bochumer Innenstadt geführt. Ich wählte einen Weg über Wanne-Eickel, Bochum-Hamme und Hattingen. Ein Blick auf eine Radwege-Karte rettete mich im Nachhinein betrachtet wahrscheinlich vor der totalen Überanstrengung. Denn wie sich herausstellte, gibt es einen Radweg von Hattingen über Sprockhövel nach Wuppertal, der über eine alte Bahntrasse verläuft. Und das ist im Bergischen Land ein enormer Vorteil! Die Route verlängerte sich dadurch um ca. 5 km, aber ich bin in dem Fall froh, den weiteren Weg gewählt zu haben.

Bis Hattingen nahm ich vorher ausgedruckte Kartenausschnitte zu Hilfe, um den richtigen Weg zu finden. Das funktionierte ausgezeichnet! Bei vergangenen Touren hatte ich nur Routenbeschreibungen als Text – und für den Notfall die Navi-Funktion des Handys – dabei. Und jedes mal hatte ich mich verfahren. Diesmal nicht! Nur einmal warf ich unterwegs einen kurzen Blick in Google Maps, um sicher zu gehen dass ich in die richtige Straße abbog, weil diese nicht beschildert war.

Als Hattingen hinter mir lag, wurde es idyllisch. Der Radweg verlief tatsächlich mehr oder weniger eben auf Dämmen und durch Gräben, während links und rechts von mir die Straßen (wie im Bergischen Land üblich) ein ständiges Auf und Ab zeigten. Eine Wohltat!

Leider machte bei Sprockhövel die Gangschaltung meines Fahrrads Stress. Die Kette sprang vorne auf den falschen Zahnkranz und ließ sich mit der Schaltung nicht mehr zurück befördern. Diese hatte sich offenbar irgendwie verkeilt, so dass die Kette anfing zu rattern und hin und wieder komplett von den Kränzen heruntersprang. Da ich kein Werkzeug dabei hatte, zweckentfremdete ich meine Wasserflasche aus Aluminium als Hammer und konnte so die Schaltung erst einmal wieder in Position bringen.

Kurz vor Wuppertal endete der Bahntrassen-Abschnitt des Radwegs, und sofort wurde der Weg hügelig. Zunächst ging es nur steil bergab, was natürlich angenehm war. Doch nahe eines Golfplatzes ging es plötzlich steil nach oben, und der Weg war mit furchtbaren Pflastersteinen belegt, welche die Schaltung wieder völlig durcheinander brachten. Sie war schon wieder ganz verschoben, und zusätzlich hatte sich einer der Reflektoren am Hinterrad gelöst, der nun laute Geräusche verursachte. Ich hielt an der Zufahrt zum Golfplatz an und versuchte wieder, mit Hilfe der Aluflasche die Schaltung zu richten. Das führte dazu, dass das weiche Aluminium nachgab und plötzlich Löcher im Flaschenboden waren, durch die das Wasser herauslief. Die Flasche war damit nutzlos und wurde geopfert, nachdem ich noch ein paar große Schlucke aus ihr gezogen hatte. Die Schaltung ließ sich mit herum liegenden Aststücken wieder gerade stellen.

Der restliche Weg bis zum Ziel war mir schon vertraut, weil ich ihn mir vor der Abfahrt in Google Street View angesehen hatte. Mir wurde zum ersten mal bewusst, was für eine große Hilfe dieses Tool sein kann, wenn man Orte bereisen möchte, die man noch nicht kennt. Es kam mir tatsächlich so vor, als wäre ich die Strecke kürzlich erst gefahren, zumal wirklich alles noch genauso auszusehen schien wie an dem Tag, als das Google-Auto dort gewesen war.

Letztlich benötigte ich nur etwa 10 Minuten länger als die geschätzten drei Stunden zur Bewältigung der Strecke. Es waren ziemlich genau 51 Kilometer. Und trotz der nicht planbaren Komplikationen hat die Tour richtig Spaß gemacht!

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