Scheiße. Ganz große Scheiße. Das muss erst einmal gesagt werden.

Was ist da heute passiert in Duisburg? Die Loveparade? Tja, das was sie werden sollte. In den Augen der Organisatoren sicherlich eine friedliche Großveranstaltung besonderen Ausmaßes. Das tatsächliche Ausmaß bekam man in den letzten Stunden auf vielen Kanälen zu sehen und zu hören. Ich ringe um Fassung. Bilder, die mir gestern durch den Kopf gegangen waren (nachzulesen in meinem vorherigen Blog-Eintrag) sind fast genau so eingetreten! Das Augenzwinkern, das den Vergleich mit dem Fleischwolf ohne Lochscheibe begleiten sollte, ist beinahe Tränen gewichen. Und ich verstehe nicht, warum kein Verantwortlicher ahnen konnte was heute passiert ist. Ich war bei weitem nicht der einzige, der in den letzten Tagen berechtigte Kritik an der Raumplanung der Veranstaltung geübt hat. Wir sollten uns jetzt wirklich nicht in Sätzen à la „hab ich’s doch gewusst“ ergehen. Wir als einfache Meinungsäußerer hätten nicht die Macht gehabt, die Tragödie zu verhindern. Aber verdammt noch mal – es sind weit mehr als ein Dutzend Menschen zu Tode gekommen und noch viele mehr verletzt worden! Und jetzt werden noch etliche Kritiker die Stimmen erheben. Die Wellen werden unglaublich hoch schlagen. Momentan finde ich das gut so. Eine so kolossale Fehlplanung gehört öffentlich angeprangert und bis ins letzte Detail ausgeschlachtet. Ja, es sollen Köpfe rollen. Natürlich werden sich die Bürokraten nun gegenseitig die Schuld in die Schuhe schieben, und wie immer will es keiner gewesen sein. Sollen sie nur machen. Es sollte nachzuverfolgen sein, wer in der Planung des Geländes und der Besucherwege involviert war. Und jeder einzelne, der in der Lage gewesen wäre einen wirksamen Einspruch zu erheben, trägt nun die Verantwortung für die Vorfälle im verhängnisvollen Tunnel bzw. um diesen herum. Egal wer letztlich dazu verurteilt wird eine hoffentlich angemessene Strafe zu verbüßen – ich wünsche allen eben beschriebenen Personen dass sie sich ihrer Schuld bewusst werden.

Ja, ich war auch in Duisburg am Tag der Veranstaltung. Und habe genug gesehen, um früh genug den Rückzug anzutreten. Entgegen der über die Medien ausgesprochenen Empfehlungen nutzten wir das Auto zur Anreise. Wir hatten uns kurz vorher online über Parkmöglichkeiten informiert und den Bereich um die MSV-Arena ausgewählt. Diesen erreichten wir um ca. 13:30 Uhr ohne größere Probleme. Die Straßen inklusive der A3 waren relativ gut befahrbar, und auch ein Parkplatz war zügig gefunden. Wir folgten dem nicht allzu dichten Menschenstrom unter der gesperrten A59 hindurch und die Düsseldorfer Straße entlang bis etwa zur Straßenbahnstation Karl-Jarres-Straße. Ab dort war schlagartig kein Weiterkommen mehr möglich. Man erblickte im weiteren Verlauf der Düsseldorfer Straße eine geschlossene Menschenmenge, die nicht wirklich in Bewegung war. Die Stimmung war relativ ausgelassen, und die meisten Anwesenden erweckten nicht den Eindruck als hätten sie es sehr eilig auf das Festivalgelände zu gelangen. Bis zu dessen Eingang wären es von unserem Standort aus noch ca. eineinhalb Kilometer Fußweg gewesen. Die Entscheidung diesen Weg nicht zu wählen war ziemlich schnell gefallen. Einerseits drängten sich mir unwillkürlich wieder die Fleischwolf-Assoziationen auf, andererseits machte mir meine Blase einen Strich durch die Rechnung, und in Richtung Güterbahnhofsgelände war kein Toilettencontainer zu sehen. Also drehten wir wieder um, bevor allzu viele heran strömende Menschen uns von hinten einkesseln konnten, und wanderten zurück in Richtung Parkplatz. Den restlichen Nachmittag verbrachten wir relativ entspannt im Landschaftspark Duisburg-Nord und im Oberhausener CentrO .

Was die Zukunft der Loveparade betrifft, gehe ich momentan davon aus dass es sie nicht geben wird. Die legendäre Serienveranstaltung wird nun hoffentlich zusammen mit ihren Opfern zu Grabe getragen – endlich! Es ist ein trauriger Abschied, aber ein notwendiger. Man hat nun auf die harte Tour erfahren, dass etwas das in Berlin lange Zeit funktionierte im Ruhrgebiet von vorn herein deplatziert war.

Die Loveparade ist tot – und das ist auch gut so.

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1 Kommentar

  • 1. niko schrieb am 26th Juli 2010 um 13:33:16 :

    Ein kurzer Nachtrag bzw. eine Korrektur:
    Habe auf den kursierenden Karten des Veranstaltungsgeländes (z.B. hier) gesehen, dass es sich bei dem berüchtigten Tunnel um die Karl-Lehr-Straße handelt. Der Punkt, an dem wir um um kurz nach 14 Uhr wieder umgekehrt sind, lag also nur ca. 250 Meter vom westlichen Tunneleingang entfernt und damit deutlich näher am Ort des Geschehens als ich dachte. Hätten wir etwas mehr Geduld gehabt, wären wir vielleicht eine halbe Stunde später schon mittendrin gewesen… Naja, es kam wie es kam. Im Nachhinein bin ich froh dass mein Harndrang mir die Entscheidung abgenommen hat!

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